19. Dezember 2019, 12:00 Uhr

Jugendfußball

Ein Trio auf der Bundesliga-Bühne

Viele Nachwuchsfußballer haben das Ziel, den Sprung in den Profi-Bereich zu schaffen. Mit Nelio Alpsoy, David Toprak und Marcel Safiew hat die Region Mittelhessen jetzt drei Spieler in der Bundesliga.
19. Dezember 2019, 12:00 Uhr
Die mittelhessischen Bundesliga-Nachwuchsfußballer (v. l.) David Toprak, Marcel Safiew und Nelio Alpsoy. FOTO: FRIEDRICH

Nelio Alpsoy, der sich als Innenverteidiger einen Stammplatz in der Abwehr erarbeitet hat, und Marcel Safiew, der in der Viererkette auf der linken Außenposition zu den Stützen zählt, verrichten ihren Job in der Defensive. David Toprak findet sich in vorderster Linie, er spielt im Angriff und ist mit bislang sechs Treffern der torgefährlichste Taunussteiner. Bis zum 30. Juni 2019 war das Trio beim FC Gießen im Einsatz, dann folgte der Wechsel zum SV Wehen Wiesbaden.

Die 16-Jährigen sind normale Teenager, auch wenn sich ein Großteil ihres derzeitigen Lebens dem Fußball unterordnet. »Wir haben viermal die Woche Training, und dann nehmen wir die Bücher und Schulunterlagen mit auf die Fahrt, um zu lernen«, sagt Nelio Alpsoy, der die zehnte Klasse der Herderschule besucht.

Das Trio hat zweimal ein Probetraining vor dieser Saison in Wehen absolviert. Alpsoy, Toprak und Safiew überzeugten die Trainer, der Wechsel war damit perfekt. »Wir haben entsprechend Feedback bekommen nach den Probetrainings. Sie haben uns gesagt, dass sie solche Spieler mit dieser Qualität haben wollen«, erklärt David Toprak, der die zehnte Klasse der Anne-Frank-Schule besucht.

Viermal Training pro Woche bedeutet seit Sommer aber auch, dass das Trio im Schnitt nicht vor 22 Uhr am jeweiligen Abend zu Hause ist. »Am Anfang ist das anstrengend, man muss sich dran gewöhnen«, sagt Safiew. Abgeholt werden die Kicker von einem vereinseigenen Shuttle-Bus. Gießen, Linden, Wetzlar und dann nach Limburg, dort wird ein weiterer Mitspieler abgeholt, ehe es über die A3 nach Wehen geht. Und nach dem Training dann zurück. Doch mit dem Training alleine ist es nicht getan. »Wir haben Pläne für Übungen, die wir zu Hause machen«, sagt Alpsoy.

»Aber die Umstellung auf Bundesliga war schon riesig«, erinnert sich Nelio Alpsoy an die ersten Wochen in Taunusstein. Nun heißen die Gegner nicht mehr beispielsweise Rot-Weiss Frankfurt oder Hessen Kassel, nun spielt man gegen den FC Bayern München, den FC Augsburg, den VfB Stuttgart usw. »Das ist schon geil gewesen, als wir gegen Bayern München gespielt haben, da waren 400 bis 500 Besucher, das spornt dich an«, sagt Toprak mit leuchtenden Augen. »Am Anfang hast du schon zittrige Beine, wenn du weißt, dass du gegen diese großen Klubs spielst. Aber wenn du auf dem Platz stehst, dann ist das vorbei«, so Toprak weiter. Schafft man den Sprung in den Bundesliga-Nachwuchsbereich, dann weckt man natürlich Begehrlichkeiten. Scouts gehören bei jedem Spiel zum Stammpublikum, sie sind auf der Suche nach den Stars von morgen. Um diese Problematik wissen alle Beteiligten. Ohnehin liegt ihr Fokus auf den SV Wehen Wiesbaden, hier sollen die weiteren Schritte erfolgen.

Groß sind natürlich auch die Unterschiede zwischen beispielsweise einem FC Gießen oder der TSG Wieseck und dem SV Wehen Wiesbaden. »Hier ist alles viel professioneller«, sagt Alpsoy. Auch die Trainingsmöglichkeiten sind besser, Profitum eben. Auch beispielsweise eine Sportpsychologin hat der Verein, so dass es bei Problemen jeglicher Art die Nachwuchsspieler Hilfe einfordern können und auch sollen. Auch in Sachen medizinische Abteilung haben die Spieler keinen Grund zur Klage - der Verein kümmert sich um den Nachwuchs im Rahmen seiner Möglichkeiten.

Aber auch wenn sportlich die Herausforderung groß ist, das normale Leben geht dennoch seinen Gang. In erster Linie die Schule. Alle räumen ein, dass aufgrund der gestiegenen Trainings- und auch Spieleinsätze in den ersten Wochen nach den Sommerferien die Leistungen in der Schule etwas nachgelassen haben. »Aber meine Eltern haben mir gesagt, dass sie mich unterstützen, dass sie mir helfen. Familie ist ohnehin das Wichtigste. Sie sorgt auch dafür, dass man auf den Boden bleibt - und das ist wichtig«, sagt Nelio Alpsoy, dessen Vater Nurhan früher unter anderem beim VfB 1900 Gießen, FC Turabdin/Babylon und der SG Kinzenbach aktiv war.

Sportlich hat sich der Wechsel für das Ex-Trio des FC Gießen nach Wehen Wiesbaden gelohnt. Im Klassement der B-Junioren-Bundesliga (Süd/Südwest) wird der SV Wehen Wiesbaden aktuell auf Platz acht geführt, auch ein Verdienst dieser drei Akteure. Damit ist man zweitbester hessischer Verein, nur die Frankfurter Eintracht auf Rang sechs ist etwas besser platziert. Der Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz, den der SC Freiburg einnimmt, beträgt vier Zähler, allerdings hat Wehen Wiesbaden ein Spiel weniger absolviert. »Wir sind kämpferisch überragend, sind stark im Konterspiel«, beschreibt Toprak die Stärken des SV Wehen Wiesbaden, der für jeden Gegner unbequem ist. Aber es gab auch Spiele, da hat der SV Wehen Wiesbaden unter seinen Möglichkeiten gespielt. »Im Spiel gegen Nürnberg hätten wir es besser machen müssen«, gesteht Alpsoy offen ein. In Nürnberg verlor man glatt mit 0:4.

Safiew, Alpsoy und Toprak haben in Wehen einen Einjahresvertrag. Was danach passiert, ist offen. Das ist nämlich mit den A-Junioren des Vereins verknüpft. Die sind aktuell Tabellenführer der A-Junioren-Hessenliga und damit auch berechtigt, an den beiden Aufstiegsspielen zur Bundesliga teilzunehmen. Gewinnt man diese beiden Partien, steigt man in die Bundesliga auf - Stand heute.

Ob es beim SV Wehen Wiesbaden für die drei dann weitergeht, wird sich im Frühjahr entscheiden. Aber nicht nur die A-Junioren-Mannschaft hat das Trio im Auge, sondern seine eigenen Leistungen. Sie wissen, dass ihre Chancen auf Weiterbeschäftigung steigen, wenn man Leistung bringt. Der Kader umfasst 22 Spieler, der Konkurrenzkampf ist entsprechend groß. Wie stark die heimischen Spieler sind, lässt sich aber am Beispiel von Nelio Alpsoy ablesen. Er war auf Klassenfahrt in Berlin, so dass er in den ersten Spielen nicht zum Einsatz kommen konnte. Nach seiner Rückkehr erarbeitete er sich mit Geduld und Fleiß einen Stammplatz, so brachte er es bislang auf acht komplette Einsätze, eine beachtliche Zahl angesichts der schulischen Umstände. Immer dabei war Teamkollege David Toprak, der es auf 15 Einsätze bringt, während Marcel Safiew 14 Spiele für Wehen Wiesbaden bestritt.

Ihre persönliche Zielsetzung für diese Saison ist auch klar: »Sich persönlich weiterentwickeln«, sagt Safiew, in die gleiche Richtung geht auch Toprak: »Ich will mich weiterentwickeln und den Horizont erweitern. Wir danken aber auch allen, die uns bis hierher gebracht haben« , weiß er um die Trainer und Betreuer, die in früheren Altersklassen den Grundstein für ihre Laufbahn gelegt haben, verweisen Toprak und Co. auf ihre Anfänge. Und Nelio Alpsoy sagt: »Ich will eine starke Saison spielen, man hat in diesem Bereich die Möglichkeit, sich zu zeigen.«

Wie es weitergehen wird, das zeigt sich im Frühjahr. Schaffen die A-Junioren den Aufstieg in die Bundesliga? Was will der Verein? Was wollen die Spieler?

So oder so. Das Trio weiß, dass man sehr viel Glück braucht, um in der Bundesliga bestehen zu können bzw. auch den nächsten Schritt gehen zu können. So steht die Schule bei allen im Mittelpunkt, darauf legen natürlich die Eltern der drei größten Wert. Aktuell besuchen alle noch die zehnte Klasse, anschließend soll es mit dem Abitur weitergehen. Mit einem entsprechenden Schulabschluss wird es einfacher werden in der Berufswelt. Unabhängig davon, ob man Profi-Fußballer wird oder einen anderen Weg in der Berufswelt einschlägt. Zumal ein gutes Fundament an Bildung auch im Profi-Fußball hilfreich ist - das steht außer Frage. Alle drei schauen sich an - und nicken.

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