03. Juni 2017, 16:00 Uhr

Jubiläumsspiel

Ein Leben mit Fußball und Salat

Vom Fußballprofi zum Jungunternehmer. Marcel Hagmann hat schon einige Stationen hinter sich. Am Sonntag freut er sich auf das Wiedersehen mit seinen Ex-Fußballern vom TSV Großen-Linden.
03. Juni 2017, 16:00 Uhr
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Von Wolfgang Gärtner
Guten Appetit: Der Gießener Marcel Hagmann lässt es sich in seiner Salatbar schmecken. Am Sonntag schnürt er die Schuhe wieder für das Großen-Lindener Jubiläumsspiel. (privat)

Exakt 20 Jahre ist es her, dass die B-Jugend des TSV Großen-Linden für Furore im mittelhessischen Raum gesorgt hat. Bis ins Endspiel um die Hessenmeisterschaft hat es damals die Mannschaft von Trainer Kurt Baumann geschafft. In Hungen stieg dann das große Finale gegen die Eintracht aus Frankfurt, das mit 1:4 verloren ging.

Das ist am Sonntag Anlass für ein außergewöhnliches Fußballspiel, das um 16 Uhr auf dem Sportplatz in Großen-Linden angepfiffen wird und in den organisatorischen Händen von Sascha Alt liegt. Die ehemaligen Großen-Lindener Fußball-Jungs – natürlich betreut von ihrem damaligen Coach Kurt Baumann – treffen auf die sogenannten »Lemischko-Boys«, hinter denen sich die Mannschaft der SG Kinzenbach verbirgt, die 2011 mit Spielern wie Torhüter Kristian Kühn oder Goalgetter Simon Kauß mit Coach Manfred Lemischko in die Gruppenliga aufgestiegen ist.

Im Team der Großen-Lindener steht neben Ex-Eintracht-Profi Christoph Preuß (aktuell Teammanager beim unterlegenen Pokalfinalisten) der gebürtige Gießener Marcel Hagmann, der sich vom Fußballprofi zu einem Jungunternehmer entwickelt hat.

Hagmann, der ein abgeschlossenes Sportmanagement-Studium vorweisen kann, plante neben dem Fußball ein zweites Standbein. Erst eröffnete er eine Zweigstelle von dem in Gießen ansässigen Hauptunternehmen »Tom & Sallys«, einige Jahre später machte er sich selbstständig und ist nun Besitzer zweier Filialen von »Salatkind« in Ingolstadt. Einige Jahre später ist er an der Donau der Besitzer von zwei florierenden Filialen.

»Ich freue mich auf die Jungs – und auf Kurt Baumann«, sagt Marcel Hagmann. Der Trainer habe ihnen auf ihrem Weg viel mitgegeben. Die WhatsApp-Gruppe sei hoch frequentiert, in der Baumann Kontakt mit seinen »Buben« von früher hält. Gefühlte 200 Chats am Tag würden dort laufen, so Hagmann weiter.

Seine eigene Zeit ist begrenzt. Die beiden Salatbars in Ingolstadt halten ihn auf Trab. In der Stadt an der Donau ist der gebürtige Gießener heimisch geworden. Im Sommer 2007 zog es den Defensivspezialisten nach Oberbayern. Dort war er ein wichtiger Baustein beim noch jungen FC Ingolstadt 04 und schaffte mit dem Klub gleich den Sprung in die 2. Liga. Doch der Abstieg folgte auf dem Fuß, nur dreimal kommt der Gießener als Zweitliga-Profi zum Einsatz. Dabei ist seine persönliche Bilanz makellos: kein Gegentor, fünf Punkte.

»Ich hatte mit Markus Karl einen starken Konkurrenten auf der Position sechs, der einfach klasse war«, erinnert er sich an die Zeit unter Trainer Thorsten Fink zurück. Daher akzeptierte er die wenigen Einsätze, stellte für sich aber auch fest: »Hier ist für dich eine Grenze erreicht.« Hagmann beschreibt sich selbst als einen »ehrlichen Spieler, der immer alles rausgehauen und rund um die Uhr professionell gelebt hat«.

Sportlich wechselte der Kopfball-Spezialist nach dem Ingolstädter Abstieg für ein Jahr zum Ligakonkurrenten SSV Jahn Regensburg. Dort lief es gut, Hagmann hätte um drei weitere Jahre verlängern können, doch seine Salatbar geriet in Schräglage, sodass er sich entscheiden musste.

Er kehrte zurück an die Donau zu den Schanzern, fungierte dort in der U23 als Führungsspieler in der Regionalliga. »Wahrscheinlich hatte ich schon damals die Gewissheit, dass es für die ganz große Karriere nicht reicht, und setzte auf mein zweites Standbein. Der Fokus lag nie zu 100 Prozent auf Fußball«, erklärt Hagmann.

Anfang 2016 stellte er sich noch einmal einer großen Herausforderung, als es ihn als Co-Trainer zusammen mit Tommy Stipic zu den abstiegsbedrohten Stuttgarter Kickers zog. Hagmann spricht von einer tollen Erfahrung, die er gemacht habe. »Ich bin froh um die Zeit dort«, sagt der bekennende Kickers-Sympathisant. Sein Großvater Wilhelm Ludwig Hagmann hatte in den 30er Jahren für die Stuttgarter gespielt. Den Abstieg aus Liga drei konnte das Duo Stipic/Hagmann aber nicht verhindern.

Seit einem Jahr ist der 34-Jährige nun im Fußballgeschäft nicht mehr tätig. Er besucht aber regelmäßig die Spiele der Schanzer im Audi-Sportpark und auch die der Nachwuchsteams. »Der Fußball war immer ein wichtiger Teil in meinem Leben – und bleibt es«, erklärt »Hagi«, der am Sonntag auf dem Platz in Großen-Linden mit seinen alten Kollegen Gas geben will.



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