02. Mai 2019, 06:55 Uhr

Henni Nachtsheim und Eintracht Frankfurt

Ein Hesse will immer höher hinaus

Unser Kolumnist Henni Nachtsheim und Redakteur Ronny Th. Herteux haben pünktlich vor dem Europa-League-Knaller gegen den FC Chelsea geschaut, wie es um die Frankfurter Eintracht steht
02. Mai 2019, 06:55 Uhr
Henni Nachtsheim - hessische Comedy-Legende, Eintracht-Fan und Kolumnist dieser Zeitung. (MDV-Grafik: J. Engel)

Eintracht Frankfurt


Hallo Herr Nachtsheim, die bisherige Saison ist hervorragend für die Eintracht gelaufen, was allerdings ein Problem birgt: die Erwartungen steigen. Kennen Sie das?

Henni: Auch wenn ich mich an dieser Stelle wiederhole, was ständig steigende Erwartungshaltung angeht, sind wir Hessen unschlagbar. Ich glaube, wenn ein Hesse den Gipfel des höchsten Berges der Welt erreicht hat, guckt er sich ungeduldig um, weil er auf jeden Fall noch höher hinaus will. Und so ist es auch bei uns Eintracht-Fans. Vor Kurzem noch vorm Abstieg und Fahrten nach Bielefeld oder Aue gebibbert, und jetzt schon mal die Hotels in Madrid checken.

Europapokal-Abende zum Beispiel, besonders jene zur späten Anstoßzeit unter Flutlicht, haben etwas Magisches. Allerdings: Ist es möglich, sich davon blenden zu lassen?

Henni: Wenn man zu lange ins Flutlicht schaut, auf jeden Fall! Ansonsten ist es ja ein Fakt, dass die Eintracht und ihre Fans diese Spiele ernster als die meisten anderen Clubs genommen und sie dementsprechend auch besonders gut gemeistert haben. Soll heißen, sie stehen verdient im Halbfinale – und da blendet mal gar nichts!

Was ich meine: Wäre die Absicherung von Platz vier in der Bundesliga in perspektivischer Hinsicht nicht von wichtigerer Bedeutsamkeit, also sich ganz und gar darauf zu konzentrieren? Der Einzug in die Champions League würde den Weg zu den »Fleischtöpfen« öffnen, auch für neue Transfers, um dauerhaft im oberen Bundesliga-Drittel mitspielen zu können.

Henni: Ich habe schon zu viele Vereine beobachtet, die an solchen Strategien gescheitert sind. Ich glaube, die Mannschaft wird in diesen restlichen Spielen alles raushauen und nicht gegen Chelsea einen Gang zurückschalten, um in der Liga Vierter zu werden. Ich glaube sogar, dass sie das gar nicht könnte!

Zuletzt hat die Eintracht – auch gerade nach Euro-Spielen – geschwächelt. Aber ich will hier nicht den Besserwisser spielen. Lassen wir Kevin Trapp zu Wort kommen: »Wir haben jetzt noch drei Wochen, in denen wir alles geben können und dann richtig glücklich vom Platz gehen und Geschichte schreiben können. Oder wir lassen uns in diesen drei Wochen alles nehmen, was wir uns in den acht Monaten zuvor erarbeitet haben.«

Henni: Fällt mit zwar schwer einzugestehen, aber dem ist nichts hinzuzufügen. Höchstens der Zusatz von uns Fans, dass wir diese Saison auf jeden Fall als eine sehr besondere mitnehmen.

Immerhin haben Hoffenheim und Mönchengladbach verloren, alles ist noch möglich auf dem Papier. Wie schätzen Sie die Chancen auf Rang vier bei folgendem Restprogramm ein: auswärts in Leverkusen, zu Hause gegen Mainz, auswärts bei den Bayern.

Henni: Alle drei schwere Kost. Aber wenn sie in die Champions League wollen, müssen sie da durch. Oder um es mit meinem Opa zu sagen: »Wenn du in der Schwergewichtsklasse boxen willst, musst du eben auch größere Portionen fressen.«

Ihren Optimismus in Ehren, was würde herauskommen, wenn die Frankfurter in den nächsten Wochen so auftreten wie beim 0:0-Unentschieden gegen Hertha BSC Berlin?

Henni: Ich weigere mich, diese Frage zu beantworten, weil es damit verbunden wäre, mir das vorstellen zu müssen. Was ich auf keinen Fall will!

Was die Psyche im Fußball anrichten kann, haben wir auch beim Münchner 1:1 in Nürnberg gesehen. Es war angerichtet für die Bayern, den Titel praktisch festzuzurren, und dann machen die sich offenbar aus Angst vor dem Versagen in die Hosen. Nicht zu glauben, oder?

Henni: Ja, das war schon auch ein Spieltag der Angst. Im Vergleich zu Dortmund, Bayern, Gladbach oder Hoffenheim erscheint mir unser 0:0 im Nachhinein harmlos.

Apropos Restprogramm: Dortmunds Trainer Lucien Favre hat nach dem denkwürdigen Derby-2:4 gegen Schalke behauptet: »Der Titel ist verspielt. Das ist sehr schwer zu verdauen.« Taktik? Aufgabe? Wie würden sie als Spieler oder als Vereinsboss auf solche Aussagen reagieren?

Henni: Gar nicht! Favre war nach dem Spiel komplett ausgelaugt, bis auf seine Attacke gegen die bescheuerte Handelfmeter-Regel. Da hat er noch mal kurz Gas gegeben, um dann psychisch und physisch auf den Standstreifen zu fahren. Das muss man ihm nachsehen, und ich glaube auch, dass das die Verantwortlichen beim BVB machen werden. Dortmund ist ein sehr emotionaler Verein, da darf man so was mal sagen.

Einen neuen Trainer so kurz vor Schluss würden Sie nicht installieren. Allerdings haben dies die Kölner gemacht, die in der 2. Liga klar auf Aufstiegskurs liegen und Coach Markus Anfang trotz sechs Punkten Vorsprung bei noch drei Spielen ausgemustert haben. Ist dort der Karneval ausgebrochen?

Henni: Armin Vehs Gesicht beim Siegtreffer der Darmstädter hatte ein bisschen was von einem schlecht gelaunten Hannibal Lecter, und da hat sich schon angedeutet, dass es ein Opfer geben wird. Ich persönlich kann das nicht wirklich nachvollziehen, bin aber auch nicht nah genug am Verein, um eventuell Hintergründe zu kennen.

Sollte die Eintracht die Champions-League-Qualifikation schaffen, dann würde bei Ihnen die fünfte Jahreszeit vorgezogen werden, oder?

Henni: Genau! Ich würde mir ein Faschingsprinzen-Outfit besorgen, einen Motiv-Wagen mit dem Henkelpott drauf bauen und dann monatelang durch meinen Vorgarten fahren!

Und sollten die Frankfurter noch die Europa League gewinnen, ich will mir gar nicht ausmalen, was dann im Hause Nachtsheim los wäre.

Henni: Das wollen Sie auch gar nicht wissen! Vergessen Sie alle Exzesse, die Sie je gesehen haben, vergessen sie Filme wie »The Wolf of Wallstreet«. Es wären harmlose Kindergeburtstage gegen das, was wir dann hier veranstalten würden!

Also viel Alkohol und Kokain und so?

Henni: Ich denke mehr an Handkäs und Grüne Soße, aber ich werde keine Details verraten!

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