Lokalsport

Ein Hauch Optimismus

Die Medenrunde stellt für fast alle Tennisspieler den Höhepunkt des Jahres dar. Dennoch ist auch die Freiluft-Saison wegen Corona von der Absage bedroht.
20. März 2020, 07:05 Uhr
Christoph Sommerfeld
Ob im Mai an der Grünberger Straße in Gießen um Punkte in der Tennis-Medenrunde gespielt werden kann, ist derzeit ungewiss. Abgesagt ist die Freiluft-

Saison jedenfalls (noch) nicht. 	 FOTO: CHERKOV
Ob im Mai an der Grünberger Straße in Gießen um Punkte in der Tennis-Medenrunde gespielt werden kann, ist derzeit ungewiss. Abgesagt ist die Freiluft- Saison jedenfalls (noch) nicht. FOTO: CHERKOV

Mit jedem Tag verringert sich in nahezu allen Sportarten die Chance, dass der unterbrochene Ligabetrieb noch fortgesetzt werden kann. Viele Verbände haben die Saison schon vorzeitig für beendet erklärt. Hoffnung machen dürfen sich derzeit die heimischen Tennis-Cracks. Die Medenrunde ist für Amateure der Höhepunkt im Wettkampfjahr. 2020 ist der erste Spieltag in den meisten Klassen für den 9./10. Mai geplant. Etwas Zeit bleibt also noch.

Zwar verkündete der Hessische Tennis-Verband in dieser Woche die Absage aller demnächst anstehenden Veranstaltungen wie Sichtungen, Turniere, Fortbildungen und schloss auch sein Schulungs- und Leistungszentrum in Offenbach. Allerdings gibt es laut HTV-Präsident Kai Burkhardt derzeit keine Planung dafür, die Medenrunde nicht zu spielen. So versprüht der Verbandschef vielleicht den Optimismus, den Sportler in diesen Zeiten so dringend brauchen. »Ich glaube auch nicht, dass wir das für Hessen alleine entscheiden«, sagt Burkhardt und deutet eine umfassende Entscheidung des Deutschen Tennis-Bunds an. »Es ist eine Diskussion, die mit dem DTB zu führen sein wird«, erklärt der Darmstädter, der sich nicht vorstellen kann, dass einer der 17 Verbände seinen eigenen Weg geht.

In Hessen sei man sich derweil einig, dass »Freiluft-Tennis zu den risikoärmsten Varianten« gehört, wie man sich in diesen Tagen und Wochen sportlich betätigen kann. »Ähnlich wie beim privaten Jogginglauf.« Dennoch weiß auch Burkhardt, dass sich die Lage fast stündlich ändert und dass man sich im Tennis nicht über Entscheidungen hinwegsetzen kann, die an höherer Stelle getroffen werden. »Es wäre ein furchtbares Szenario, wenn wir die Medenrunde nicht spielen können«, weist der HTV-Präsident auf die enorme sportliche Bedeutung der Freiluft-Saison hin.

Der finanzielle Aspekt dürfte ebenfalls eine kleine Rolle spielen. Die Vereine geben mehrheitlich einen vierstelligen Betrag im Jahr für die Herrichtung der Plätze aus. Wenn diese dann in der Wettkampfphase nicht genutzt werden können, ist das ärgerlich. Auch beim TC Wettenberg soll Mitte April alles bereit sein für den Trainings- und Spielbetrieb. Minke Ampt und ihre Teamkolleginnen der Damen 30 konnten bislang in Großen-Linden unter dem Hallendach trainieren. »Seit Mittwoch ist die Halle aber geschlossen«, verrät die Mannschaftsführerin. Ob der Trainingsbetrieb dann - wie geplant - ab Mitte April auf den Sandplätzen in Wißmar anlaufen kann, steht in den Sternen. Vom Verein hat Ampt noch keine Information. Für sie und ihre Mitspielerinnen geht’s um Verbandsliga-Punkte, wenn alles klappt.

Eine Spielklasse und mehrere Altersklassen höher sind die Herren 70 des TC Rot-Weiß Bad Nauheim sportlich zu Hause. Das Team holte zuletzt zweimal den Vizemeistertitel in der Hessenliga. Und irgendwann soll der ganz große Wurf gelingen. »Wir sind alle sehr ehrgeizig«, verrät Kapitän Wolfgang Lueger, der mit 80 Jahren der älteste in der Mannschaft ist. Angst vor Corona hat er trotz seines Alters nicht. Dennoch hält er sich mit seinen Kollegen an alle Vorgaben, die in dieser Ausnahmesituation umzusetzen sind. Bis Montag konnten Lueger und seine Mitspieler noch im Bad Nauheimer Sportpark trainieren. Dann kam der Anruf: bis auf Weiteres geschlossen. Auch sein bevorzugtes Fitnessstudio in der Kurstadt machte die Pforten dicht. Ob tatsächlich demnächst auf der schmucken Anlage »In den Kolonnaden« trainiert oder gespielt werden kann, bleibt abzuwarten. Ganz so risikoarm wie HTV-Präsident Burkhardt sieht Lueger das Freiluft-Tennis übrigens nicht. Körperkontakt ist zwar im gewöhnlichen Rückschlagsport nahezu ausgeschlossen. »Aber jeder fasst den Ball an.«

Es hagelt Absagen

Von Grünberg aus will Friedrich Lenz viele Dinge bewegen. Er ist seit einem Jahr Präsident des Bezirks Mittelhessen und damit für die Kreise Gießen, Wetzlar, Lahn-Dill, Fulda und Marburg-Biedenkopf mitverantwortlich. Allein drei Aktionen mussten im Bezirk aufgrund der Corona-Krise kurzfristig abgesagt werden. Weitere könnten folgen. »Wir hatten einen ›runden Tisch‹ für alle neu gewählten Vorstandsmitglieder in den Vereinen geplant, um diesen Leuten den Einstieg zu erleichtern. Eine weitere Veranstaltung sollte das Thema ›Tennis in der Schule‹ behandeln und alle ansprechen, die Tennis-Unterricht im schulischen Rahmen anbieten. Außerdem abgesagt ist ein Seminar für den Bereich Fulda, geplant war das Thema Mitgliedergewinnung.«

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