03. Juni 2018, 19:30 Uhr

Eine Trainerin berichtet

Ehrgeiz, Disziplin und Talent – Das braucht man fürs Leistungsturnen

Bundesliga, Nationale Meisterschaften oder sogar Olympische Spiele: Beim Turnen geht es auch um Leistung – doch das ist ein steiniger Weg. Eine Trainerin erzählt aus ihrem Alltag.
03. Juni 2018, 19:30 Uhr
Zwölf Stunden dauerten die Wettkämpfe im Gerätturnen weiblich (Breitensport) in der Sporthalle Heuchelheim – umso mehr war auf dem Parkett und auf den Zuschauerrängen los. (Foto: Friedrich)

Auch wenn beim Landeskinderturnfest das Dabeisein und das Mitmachen zählt, gibt es doch auch wichtige Wettkämpfe – so wie bei den weiblichen Leistungsturnerinnen am Samstag in der Sporthalle Linden. Doch was bedeutet Leistungsturnen im Alter von fünf bis 14 Jahren? Wie arbeiten Turner, Trainer und Eltern zusammen? Und wo liegen die Gefahren? Denise Herrmann, selbst Turnerin und inzwischen vor allem Trainerin beim KTV Wetzlar, hat Antworten.

Wie ist ein Wettkampftag wie der in Linden für Sie als Trainerin?

Denise Herrmann vom KTV Wetzlar arbeitet neben ihrem Studium als Trainerin für Nachwuchs-L...

Denise Herrmann: Bei den Landesmeisterschaften ist das noch relativ entspannt, aber darüber ist es meist nervenaufreibend, wenn es um Kaderplätze oder Qualifikationspunkte geht. Das hat dann ja auch Einfluss auf die finanzielle Förderung des Landes. Als Trainer kann man aber nicht viel mehr machen, als zu hoffen, dass die Kinder die Nerven behalten. Das ist allerdings manchmal schwieriger, als selbst zu turnen.

Wie baut man eine junge Turnerin wieder auf, wenn es bei dem einen Wettkampf schiefgelaufen ist, direkt danach aber an einem anderen Gerät wieder weitergeht?

Herrmann: Man muss ihnen einfach sagen, dass es immer weitergeht und dass sie an ihr Training glauben sollen. Etwa der Schwebebalken geht eigentlich immer daneben, aber da gibt es auch genug Beispiele wie die deutsche Weltmeisterin Pauline Schäfer, wo das auch mal so ist. So versuche ich die Kinder zu motivieren. Sie sollen wissen, dass sie nicht alleine sind.

Als Trainer muss man schauen, dass die Gesundheit immer vorgeht

Denise Herrmann

Welche Rolle spielt das Mentale dabei?

Herrmann: Im Wettkampf ist sehr Vieles Kopfsache. Es gibt Turnerinnen, die sich im Wettkampf mehr trauen als im Training, wenn das Adrenalin nicht so da ist, aber es gibt natürlich auch umgekehrte Fälle. Die Kinder machen sich schon auch selbst sehr viel Druck, denn das Turnen ist ein großer Teil in ihrem Leben. Aber als Trainer muss man schauen, dass die Gesundheit immer vorgeht.

Wie viel Druck machen die Eltern?

Herrmann: Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt solche, die das nur machen, weil ihre Kinder das unbedingt wollen, die dann aber auch den Trainingsumfang hinterfragen, gerade mit Blick auf die Verletzungsgefahr. Es gibt aber auch Eltern, die mehr Druck aufbauen, als das Kind aushalten kann, oder die mehr von ihrem Kind erwarten, als dieses körperlich überhaupt leisten kann. Meistens schaffen es die Kinder ganz nach oben, bei denen die Eltern keinen Druck machen. Das Gegenteil geht oft schief.

Ich versuche, immer ehrlich zu sein – zu den Eltern und zu den Turnerinnen

Denise Herrmann

Hört sich so an, als wenn Sie als Trainerin oft zwischen den Stühlen stehen.

Herrmann: Das ist so. Gerade mit den Eltern ist das oft ein Problem, da sie die Kinder oft anders sehen als die Trainer. Aber auch die Trainer müssen manchmal mit Kollegen sprechen, um objektiv zu bleiben. Ich versuche, immer ehrlich zu sein – zu den Eltern und zu den Turnerinnen. Das ist aber natürlich manchmal auch hart.

Was für Voraussetzungen gibt es für das Leistungsturnen?

Herrmann: Es gibt zwar auch Spätzünder, aber der Sprung nach ganz oben ist dann meist sehr schwer, weil schlicht die Zeit fehlt, die Grundlagen nachzuarbeiten. Deshalb ist es für den Hochleistungsbereich im Prinzip sinnvoll spätestens mit fünf Jahren anzufangen. In der vierten oder fünften Klasse muss dann der Übergang auf acht Trainingseinheiten in der Woche kommen. Das sind über 20 Stunden pro Woche neben der Schule. Wenn man zu Olympia will, geht man eher in Richtung 25 oder 30 Stunden. Dazu gehören Ehrgeiz, Disziplin, Talent und ein Körper, der das mitmacht.

Mehr zum Landeskinderturnfest 2018 in Gießen:

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