07. April 2020, 12:00 Uhr

Handball

Double für TSG Leihgestern

Die Handball-Oberliga-Frauen der TSG Leihgestern sowie die eigene »Zweite« - in der Frauen-Bezirksoberliga - haben jeweils die Meisterschaft gewonnen, verbunden mit dem jeweiligen Aufstieg.
07. April 2020, 12:00 Uhr
Ein Garant für den Titel der TSG Leihgestern in der Landesliga Mitte: Kristin Steinhaus, die es auf insgesamt 137 Treffer bringt. FOTO: FRIEDRICH

Ein bisschen surreal war das Training am 12. März in der Lindener Stadthalle schon. Als Jonna Jensen, Trainerin der »Ersten«, die Halle betrat, gratulierten die Männer der HSG Linden bereits zur Meisterschaft der Frauen. Ihre Mannschaft stand ein wenig unsicher in der Halle und traute sich kaum, sich über die Nachricht zu freuen. Währenddessen saß Sebastian Vogel auf der Couch und vernahm von Trainerkollege Mario Weber die frohe Kunde, dass seine TSG Leihgestern II den Aufstieg in die Landesliga in der Tasche hatte. Vogel hatte das Training für diesen Abend abgesagt, da seine Mannschaft zwei Tage zuvor beim TV Burgsolms im Einsatz war und den 15. Saisonsieg feiern konnte.

»Der Meistertitel war die schönste Nachricht, die man noch erhalten konnte mit dem Abbruch«, erklärte Jensen, die kurzerhand ihren Trainingsplan umschmiss. Statt Vorbereitung standen Kicken und Austoben an Bei Pizza und Sekt wurde dann doch noch ein wenig der Aufstieg der TSG Leihgestern I in die Oberliga gefeiert.

Seitdem gibt es keinen direkten Kontakt mehr, ist der Trainingsbetrieb eingestellt. »Momentan gebe ich unverpflichtende Motivationshilfen«, schmunzelt Jensen. Sie leitet Links zu Workout-Videos weiter oder animiert bei schönem Wetter zum Laufen. »Je nachdem wie lange die Situation so bleibt, werde ich dann aber auch einen Trainingsplan einfordern. Noch ist es auf freier Basis, aber die Mädels ziehen auch gut mit.«

Vogel gönnt seiner Mannschaft zunächst einmal eine vorgezogene Pause. »Das ist natürlich ein Traum von einem Aufstieg, wenn man das nicht auf dem Spielfeld macht«, meint er ironisch. »Da fehlt halt irgendwas.« Eine gemeinsame Feier war unmöglich - und auch beim letzten Kontakt am Samstag danach hielt sich die Freude in Grenzen.

Mit dem Ziel Aufstieg in die Landesliga-Runde gestartet, war die einzige Saisonniederlage der »Ersten« bei der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen verdient. »Da haben wir wirklich schlecht gespielt«, so Jensen, die sich über den verlorenen Punkt bei der HSG Eibelshausen/Ewersbach (19:19) fast noch mehr ärgerte. Dort lagen ihre Damen mit 17:10 vorne, zogen sich zurück und hatten dem Endspurt der Gastgeberinnen nichts entgegenzusetzen. »Das war von der mentalen Einstellung und Stärke schwach von uns.« Alle anderen Partien meisterte die TSG zumeist souverän und punktete vor allem mit der auf Ballgewinn ausgerichteten 3:2:1-Deckung. Mit ihr setzte Leihgestern die Gegner unter Druck und kam durch die Außenpositionen zu vielen einfachen Toren. »Wir haben mit viel Tempo nach vorne gespielt«, lobt Jensen die erste und zweite Welle ihrer Truppe. Im Zweifelsfall gelang aber auch das schnelle Umschalten in die defensivere 6:0-Formation.

Im Angriff war es vor allem Kristin Steinhaus im linken Rückraum, die mit 137 Treffern den dritten Platz in der Torschützenliste belegt. Olivia Reeh zog in der Mitte die Fäden und fand immer Lösungen im Spielaufbau. Allroundtalent Andrea Schulz stellte sich in den Dienst der Mannschaft und musste so unter anderem auch auf der Kreisläuferposition bestehen. Mit zwei Linkshändern auf der rechten Seite bewaffnet, konnte Jensen das Spiel flexibler gestalten. Victoria Viebahn war im Rückraum für die Abschlüsse aus der Distanz zuständig, während Nicole Kunzig die Außenbahn beackerte. Im Tor gab es im Verlauf der Runde drei tragende Säulen. In der ersten Saisonhälfte war die erst 19-jährige Laura Stövesand ein guter Rückhalt, die sich dann allerdings in einen Auslandsaufenthalt verabschiedete. Hier übernahm Alexandra Krämer, die mit zunehmender Verantwortung immer stärker wurde, aber ein Kreuzbandriss zog sie aus dem Verkehr. Kurzerhand wurde Nicole Weinecker (ehemalige Dauth) reaktiviert, die mit ihrer Erfahrung für Sicherheit zwischen den Pfosten sorgte. Als Backup stand während der gesamten Runde Anke Teichner zur Verfügung.

Die Verzahnung zwischen beiden Mannschaften klappt hervorragend. Die teils gemeinsamen Trainingseinheiten tragen ihren Teil dazu bei, dass beide Teams voneinander profitieren.

»Zweite« ausgeglichen besetzt

So ist die »Zweite« ebenfalls sehr souverän durch die Bezirksoberliga marschiert. Nur das Unentschieden bei der HSG Wettertal und die Niederlagen bei der FSG Gettenau/Florstadt und der HSG Gedern/Nidda trüben das Bild ein wenig. »Mit drei Punkten Vorsprung vor der HSG Fernwald sind wir auch verdient Meister geworden«, meint Vogel und führt dazu auch die Rückmeldung vieler Gegner ins Feld, die das schnelle Spiel der TSG II beeindruckte. Mit dem drittbesten Angriff und der zweitbesten Abwehr setzte sich Leihgestern auch in engen Spielen durch und entwickelte sich von Spiel zu Spiel weiter. Geplant war dieser Aufstieg vor der Runde nicht, willkommen ist er in Leihgestern trotzdem.

Mit einem stabilen 6:0-Defensivblock erarbeitete sich die TSG Leihgestern II viele Bälle, die sie mit Tempo nach vorne brachte und im gegnerischen Kasten versenkte. Hier setzte Leihgestern II vor allem auf Michelle Heller, die aus dem Mittelblock nach vorne startete, und die Außen Rüzgar Güzelkücük/Nina Port rechts und Isabell Brauner/Sina Pauli auf der linken Seite. Passgeber waren die Torhüterinnen Alina Glitsch und Katarina Schnaubelt oder Jasmin Clausius, die den zweiten Part im Mittelblock innehat. Die Youngster Christine Joecks und Port haben sich in ihrem ersten Jahr gut entwickelt. In der internen Torschützenliste liegt Heller mit 82 Toren zwar vorn aber auch hier zeigt sich die Ausgeglichenheit der Mannschaft. Keine Spielerin sticht besonders hervor, alle sind torgefährlich und fügen sich nahtlos ins Spiel ein. Ausfälle wurden immer gut kompensiert und zogen keinen Leistungseinbruch nach sich. So konnte auch der variantenreiche Positionsangriff mit hoher Passgeschwindigkeit durchgezogen werden und trug auch zum Aufstieg bei.

Im Verein freut man sich auf die Aufgaben in Ober- und Landesliga und will mit jungen Talenten und dem bestehenden Trainerteam die Herausforderungen angehen. »Darauf lege ich auch viel Wert, dass man von allen ein bisschen die Denkweise kennt, sich gegenseitig unterstützt und alle an einem Strang ziehen«, sagt Jensen.

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