06. Mai 2019, 07:05 Uhr

Gießen 46ers

Die zwei Gesichter der Gießen 46ers

Erste Halbzeit hui, zweite pfui. 20 Minuten lang boten die Gießen 46ers im letzten Heimspiel der Saison den großen Bayern die Stirn. Dann übernahm Derrick Williams.
06. Mai 2019, 07:05 Uhr
Symptomatisch für die zweite Hälfte beim 76:99 – die übermächtigen Bayern (v. l.: Marvin Ogunsipe, Nemanja Dangubic, Braydon Hobbs und Derrick Williams) mit dem am Boden knieenden 46ers-Kapitän John Bryant. (Foto: Friedrich)

Gießen 46ers


Der Ex-NBA-Spieler führte den amtierenden deutschen Basketball-Meister zu einem souveränen 99:76 (53:44) gegen das in allen Belangen nachlassende Team von Trainer Freyer.

Leidenschaft, Intensität, Härte und Physis. Das hatte Gießens Headcoach Freyer von seiner Mannschaft vor dem Basketball-Bundesliga-Kn aller mit dem Topfavoriten aus München von seiner Mannschaft gefordert: Eine Hälfte lang klappte es damit, in der zweiten war davon kaum etwas zu sehen. Warum?

Erklärungsversuche der Gießen 46ers

»Ich bin kein Analytiker«, sagte Gießens Kapitän John Bryant darauf, der vor dem Heimspiel als bester Offensivspieler der BBL ausgezeichnet wurde. Diesmal waren es zwar nur elf Punkte des Centers, aber erneut ein Double-Double, denn der Koloss fischte sich noch zehn Rebounds. Er erklärte, dass die Mannschaft oft eine Halbzeit gut spielt und in der anderen nicht. Und: »Wir sind im dritten Viertel nicht in unseren Rhythmus gekommen.« Für Freyer war der Ex-NBA-Spieler Derrick Williams der entscheidende Faktor, warum es immer deutlicher auf dem Court und ruhiger auf den Rängen der Osthalle vor ausverkauftem Hause wurde: »Er hat unglaublich gespielt – vor allem im Eins-gegen-Eins.«

Williams bewies wahrlich seine Extraklasse. Er bot das gesamte Repertoire: Fadeaway, Dunking oder Dreier von ganz weit hinten. Zwölf sehenswerte, für Basketballer zum Zunge schnalzende Punkte steuerte er zum 27:10 des Tabellenführers zum Viertelgewinn bei. »Auf der einen Seite war das schön anzusehen, auf der anderen natürlich schlecht für uns«, so Freyer weiter. Er konstatierte: »Insgesamt hat Bayern einfach sehr, sehr gut geworfen – gerade die großen Spieler. Das hat uns das gesamte Spiel über wehgetan. Und wir schießen die Dreier heute nicht so gut.« Mit Blick auf die Zahlen bedeutet das: Gießen sieben von 31 – München 16 von 30. Mit der kämpferischen Einstellung seines Teams war Freyer zufrieden, wobei er immer anhängt – »nach unseren Möglichkeiten«. Natürlich waren die Gießen 46ers den Bayern in Sachen Athletik unterlegen.

Ein weiterer Unterschied war Bayerns Brettspieler Danilo Barthel. Der Nationalakteur lieferte zum wiederholten Mal das komplette Paket ab. Seine Analyse war banal, aber treffend: »In der ersten Halbzeit haben wir es schwer gehabt, zumal wir Ballverluste produzierten. In der zweiten Halbzeit haben wir einfach besser gespielt – und dann war es auch leicht zu gewinnen.«

Gordon-Dunking gegen Williams

46ers-Geschäftsführer Heiko Schelberg sah indes wieder die zwei Gesichter seiner Mannschaft. In den ersten 20 Minuten rief sie ihr Potenzial ab, brachte die nötige Aggressivität aufs Parkett und scheute sich nicht, körperlich dagegenzuhalten. In Durchgang zwei indes zerfiel sie immer mehr in ihre Einzelteile. Fehler auf Fehler, auch geschuldet der intensiven Abwehrarbeit der Bayern, die diese auf dem Fuß bestraften. Dieses Gesicht der 46ers hatte er zuletzt zu oft gesehen. Ihn schmerzt vor allem, dass die Mannschaft nicht mehr in der Lage ist, ein komplettes Spiel körperlich wie mental dagegenzuhalten.

Highlight des ersten Viertels war der Dunking von Larry Gordon gegen Williams zum 19:24. Dieses attraktive Duell der beiden Spieler mit der Nummer 23 auf dem Rücken – Michael »Air« Jordan lässt grüßen – prägte auch die zweiten zehn Minuten, in denen die Zuschauer emotional mitgingen.

Im dritten Viertel machten die Münchner ernst. Sie intensivierten das Tempo, erhöhten die Aggressivität beim Kampf um den Ball und scorten vorne hochprozentig. Als das 80:54 für die Gäste von der Anzeigetafel leuchtete, waren aber noch zehn Minuten zu spielen. Zum Schluss war der FCB gnädig: Er verweigerte den möglichen Hunderter. Bayern-Coach Dejan Radonjic gab das Zeichen von der Seitenauslinie an seine Spieler, bei eigenem Ballbesitz nicht mehr zu scoren – und der Ex-46er Braydon Hobbs hielt sich auch daran.

Verhalten der Osthallen-Besucher

Bemerkenswert war das Verhalten der 3520 Zuschauer in der Osthalle, die sich rund 90 Sekunden vor Schluss bei einem Rückstand von mehr als 20 Punkten von ihren Sitzen erhoben und zum Gesang der Hinter-der Korb-Fraktion klatschten. Es war wie ein Vergeben der vertanenen Chance, in dieser Saison nach 14 Jahren wieder einmal in die Playoffs einzuziehen. Zwei Partien stehen noch für die 46ers aus – am Freitag in Vechta und am Sonntag in Frankfurt.

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