23. Oktober 2018, 22:27 Uhr

»Die tollsten Jahre meines Lebens«

23. Oktober 2018, 22:27 Uhr
Avishay Smoler (5), der erste Israeli in der Handball-Bundesliga, von 2007 bis 2010 bei der HSG Wetzlar. (Foto: Klahn)

Avishay Smoler weiß bis heute nicht, wie Rainer Dotzauer an die Telefonnummer seines Vaters gekommen war. Der Sohnemann, zu diesem Zeitpunkt 21 Jahre alt, hatte 2007 viele europäische Vereine angeschrieben, Videomaterial zusammengestellt, träumte von einer Handballkarriere im Ausland. Und plötzlich wurde er von seinem Vater gerufen: »Avi, pack die Sachen. In drei Tagen fliegen wir nach Deutschland.«

Drei Tage später saßen die Smolers im Wohnzimmer von Rainer Dotzauer, dem damaligen Manager der HSG Wetzlar. »Ich dachte, ich absolviere erstmal ein Probetraining, deswegen hatte ich alle Sportsachen dabei«, erinnert sich der heute 32-Jährige zurück: »Aber nichts. Dotzauer machte mir gleich ein Angebot, ich hatte meinen Drei-Jahres-Vertrag in der Tasche. Ich hätte Geld dafür bezahlt, in Wetzlar in der Bundesliga spielen zu dürfen, am Ende habe ich sogar Geld damit verdient.«

Im Frühsommer 2007 wechselte Smoler also von seinem Heimatverein Hapoel Rischon Le Zion nach Wetzlar – und war somit der erste Israeli in der Handball-Bundesliga. Unter Trainer Volker Mudrow spielte er zusammen mit dem griechischen Kreisläufer Giorgios Chalkidis und Mittelmann Timo Salzer in einem Team und schaffte als Tabellen-14. gerade so den Ligaerhalt. »Den Kontakt hat seinerzeit Volker Mudrow hergestellt«, erinnert sich Rainer Dotzauer, »unser Trainer kannte Avishay Smoler aus einem Handball-Camp, das er in Israel durchgeführt hatte.« Der damals 22-Jährige war ein sprungstarker, schlitzohriger Linkshänder auf der Rechtsaußenposition, der sich in Dutenhofen sofort heimisch fühlte und zunächst allen Abwerbungsversuchen standhielt.

Es sollte fünf Spielzeiten werden, von 2007 bis 2010 in Wetzlar von 2010 bis 2012 beim TBV Lemgo. Zwischenzeitlich (2008/09) spielte der torgefährliche und leichtgewichtige Linkshänder in Wetzlar sogar mit seinem Landsmann Chen Pomeranz zusammen, der danach in Hamm und Großwallstadt auflief.

Während Pomeranz immer noch in der israelischen Liga spielt, hat Smoler mit 33 Jahren seine aktive Karriere nach der vergangenen Saison als Kapitän von Hapoel beendet: »Wir hatten alles gewonnen, was es zu gewinnen gab, das war der perfekte Zeitpunkt um aufzuhören«, sagt der Rechtsaußen, für den die Zeit in Deutschland »die schönsten Jahre meines Lebens« war: »Es war eine Riesenehre für mich, in dieser Liga zu spielen.« Der größte Moment für Smoler war, als er 2010 fürs All-Star-Spiel nominiert wurde: »In einer Kabine mit Leuten wie Igor Vori oder Lars Christiansen – einfach gigantisch.« »Avishay war ein ganz feiner Kerl«, charaktisiert Dotzauer seinen seinerzeitigen Personalcoup.

Seit einem Monat hat Smoler einen neuen Job, bei einem weltweiten IT-Unternehmen und Websiten-Provider: »Da kann ich nicht gleich Urlaub machen, sonst wäre ich natürlich liebend gerne nach Wetzlar zum Länderspiel gekommen.« Seinen Nachfolgern im israelischen Team drückt er natürlich die Daumen, erwartet allerdings noch nicht so viel: »Das ist eine ganz junge Mannschaft mit Spielern zwischen 17 und 22 Jahren, unsere Generation hat mittlerweile komplett aufgehört. In vier, fünf Jahren ist mit der neuen Mannschaft sicher zu rechnen, aktuell noch nicht. Ich hoffe nur, dass der Auftritt in Wetzlar nicht allzu peinlich wird.« (bp/ra)

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