05. Oktober 2019, 16:05 Uhr

Fußball

Die freundlichen Fußballer

Fußball ist ein Kontaktsport. Ein Paradebeispiel für Fair Play ist der SV Annerod - vor allem mit seiner zweiten Mannschaft. Die »Zweite« ist eine Art Seriensieger in dieser Kategorie.
05. Oktober 2019, 16:05 Uhr
Das ist Fair Play: Jens Probst hilft Adriano Vulcano auf die Beine, die Teamkollegen (v. l.) Moritz Schauer, Steven Krämer (verdeckt), Mario Mijkovic, Björn Schmitt, Michael Loukidis, Khalil, Krjosli, Sven Fels, Alessandro Mazzeo, Florian Siebert, Marcel Schäfer und Trainer Norbert Münch wissen das zu würdigen. (Foto: Friedrich)

Insgesamt sechsmal hat der SV Annerod II den Fair-Play-Preis im Fußballkreis Gießen in Folge gewonnen - in einer Saison gab es gar einen Doppelerfolg, als auch die 1. Mannschaft in der A-Liga gewann! Das ist außergewöhnlich. Doch wie man solch eine Serie erreichen kann, das erschließt sich auch den Verantwortlichen des SV Annerod nicht zu 100 Prozent. »So was ist nicht planbar, aber wir sind da schon stolz drauf«, sagt Abteilungsleiter Dirk Luley (Bild), gleichzeitig auch ein Urgestein des SV Annerod. »Es gibt keine Zielsetzung oder Vorgabe, es passiert einfach«, führt der 49-Jährige aus. Einzige Vorgabe ist, dass der SV Annerod II »die beste 2. Mannschaft in der Liga sein soll«, so Luley. Natürlich gibt es Geldstrafen für Meckern oder Unsportlichkeiten. Das kommt der Mannschaftskasse zugute.

Einer der Gründe, warum der Klub aus Fernwald diesen Preis mehrfach gewonnen hat, liegt sicher im Vereinsleben. »Wir haben untereinander einen vernünftigen Umgangston. Auch im Spiel ist die Sprache gegenüber dem Unparteiischen sozial, und wir beschimpfen keinen Gegner«, sagt Luley. Was natürlich nicht heißt, dass es dann doch das eine oder andere Spiel gibt, in dem es mal lauter wird - oder man ist mit einer Entscheidung des Unparteiischen unzufrieden.

Geholfen im sozialen Miteinander hat, dass die Spieler beim SV Annerod schon immer Aufgaben übernommen haben, die über das rein Sportliche hinausgehen. Dienste im Vereinsheim, Aufräumarbeiten und diverse andere Tätigkeiten, damit die Akteure auch nachvollziehen können, was alles dazu gehört, um beispielsweise einen geordneten Trainings- und auch Spielbetrieb auf die Beine zu stellen. Und das alle 14 Tage - wenn man Heimspiele hat. So erhalten Akteure einen Einblick darin, was Vereinsleben bedeutet - und dass jeder seinen Teil dazu beitragen sollte.

Luley, der vor dreieinhalb Jahren seine Trainertätigkeit beendet hatte, ist danach beim SVA in den administrativen Bereich gewechselt. »Ich wollte wieder irgendwas mit Fußball machen.« Freilich warten da ganz andere Aufgaben als im rein sportlichen Bereich. Zusammen mit unter anderem Florian Spies begann Luley seine Arbeit. »Man muss schon sagen, der Trend ist, dass es weniger wird, es gibt einfach immer weniger Fußballer. Es ist schwierig, mit der Zeit zu gehen. Vielleicht muss man einfach alte Zöpfe abschneiden«, sagt Luley. Gemeint ist damit beispielsweise, dass die Saison bei den Amateuren von März bis Oktober geht. Weg von den alten Saisonzeiten. »Wenn das beste Wetter ist, wird kein Fußball gespielt«, spielt Luley auf die Sommermonate an.

Aber auch um den Gesamtverein ist Luley bemüht: »Wir wollen als Verein Veranstaltungen initiieren, in die alle Abteilungen involviert sind.« Das stärkt den Zusammenhalt, die verschiedenen Abteilungen können sich austauschen, ihre Wünsche und Nöte austauschen. Was die Fußball-Abteilung direkt angeht, ist Luley mit seinen Mitstreitern ständig in Kontakt. »Es ist schon toll, dass wir bei Pass- und Regelfragen Andreas Reuter (Kreisschiedsrichterobmann im Fußballkreis Gießen, Anm. d. Red.) an unserer Seite haben«, sagt Luley. Der Referee weiß immer Rat, sollte Unklarheit im großen Feld der allgemeinen Regelkunde herrschen.

»Wir sind ein kleiner Verein. Unser Problem, aber auch Ziel ist, jede Saison zwei Mannschaften zu stellen. Da hatten wir in den letzten Jahren ein glückliches Händchen, und es war gut, dass sich die Spieler auch integriert haben.« Ein Vorteil für den SV Annerod ist die Nähe zu Universitätsstadt. Immer wieder finden Studenten den Weg nach Fernwald, um hier zu spielen. Das erleichtert die Suche nach jeder Saison. Denn Abgänge gibt es jedes Jahr, aber neue Spieler zu finden, ist nicht einfach. Vor allem für kleine Vereine wie den SV Annerod. Ob es in der Spielzeit für die Mannschaft von Trainer Norbert Münch erneut zum Sieg der Fair-Play-Wertung reicht, bleibt abzuwarten. Die Saison ist noch recht jung. (Foto: hf)

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