03. Dezember 2016, 12:00 Uhr

Die Woche

Heiko Schelberg weiß nur zu genau, welche Gefühlsachterbahn die Offiziellen von Phoenix Hagen aktuell durchleben. Der ewig klamme Klub von der Volme verabschiedet sich aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten aus Liga eins – wie nach dem finanziellen Kollaps vor 13 Jahren Vorgänger Brandt Hagen. Der Geschäftsführer der Gießen 46ers spürte Ähnliches am eigenen Leib im Dezember 2012. Damals meldeten die Gießen 46ers, für viele völlig überraschend, eine drohende Insolvenz an – eine schöne Bescherung kurz vor Weihnachten. Der mittelhessische Basketball-Bundesligist hatte in den Vorjahren über seine Verhältnisse gelebt, mehr ausgegeben als er eingenommen hatte – und sich mächtig verschuldet. Die 46ers hatten ein Liquiditätsproblem – über eine Millionen Euro als Verbindlichkeiten. Mit einer einmaligen Rettungsaktion und in Rekordzeit von gerade mal fünf Wochen schaffte Schelberg, 400 000 Euro Frischgeld zu akquirieren, den Spielbetrieb bis zum Saisonende in der Bundesliga aufrechtzuerhalten und damit den aufgrund des Abstiegs Folgenden in der Pro A zu sichern.
03. Dezember 2016, 12:00 Uhr
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Von Wolfgang Gärtner

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»Retter« Schelberg fuhr anschließend einen rigiden Sparkurs und tilgte nach eigenen Aussagen innerhalb von 24 Monaten über 1,2 Millionen Euro. Aus einem finanziell am Boden liegenden Klub wurde ein schuldenfreier – und sportlich wieder ein erstklassiger. Headcoach Denis Wucherer schaffte trotz zweier Low-Budget-Teams nach zweijähriger Abstinenz den Aufstieg in die Bundesliga. Die Verantwortlichen aus Hagen sollten schnellstens in Kontakt mit Schelberg und Wucherer treten – denn die beiden wissen, wie es mit der Rückkehr in die Beletage geht.
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Dagegen wirft aktuell eine von den 46ers mit ins Leben gerufene Aktion Fragen auf. Zusammen mit dem Fußballkreis Gießen haben die Verantwortlichen eine Ticket-Rabattierung für Fußball-Teams jeglicher Altersklassen und jeglichen Geschlechts initiiert (mindestens acht Personen). Später schob der Klub bei »Twitter« unauffällig nach, dass dies auch für Basketballer gelte, ohne es anderweitig zu publizieren. Der Grund liegt auf der Hand: Die 46ers wollen die Halle vollbekommen. Nur eines ist nicht zu verstehen: Wieso gilt die Aktion nicht für die restlichen Sportler-Gruppierungen in Mittelhessen?
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Ganz hinten sitzen indes bei Olympia ARD und ZDF. Die Spiele 2018 bis 2024 laufen exklusiv bei Eurosport und dessen Bezahlsendern. 200 Millionen Euro sollen die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten dem Lizenzträger Discovery für die Übertragungsrechte geboten haben. Zu wenig für das US-Unternehmen, das angeblich 300 Millionen Euro wollte. Die hätten ARD/ZDF locker auf den Tisch legen können – im vergangenen Jahr betrug die Gebühren-Beitragseinnahme 8,1 Milliarden Euro. Klar, dass die Sportler in Deutschland auf das ARD/ZDF-Olympia-Aus empört reagiert haben. Ihnen wird eine große Bühne genommen. Fakt ist aber: Es wandern immer mehr Sportübertragungen ins Privatfernsehen – und der Sportkunde wird in Zukunft verstärkt zur Kasse gebeten, will er vor dem TV-Gerät in der ersten Reihe sitzen.


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