10. April 2019, 11:37 Uhr

Gießen 46ers

Die Ursachen für die Pleitenserie der Gießen 46ers

Heiße Phase in der Basketball-Bundesliga, aber die Gießen 46ers haben sich nach sechs Niederlagen in Folge ins Tabellen-Niemandsland katapultiert. Die Ursachen sind unübersehbar.
10. April 2019, 11:37 Uhr
Gießens Routiniers (v. l.) Brandon Thomas, David Bell, John Bryant und Larry Gordon bringen viel Erfahrung aufs Feld, die sie in den vergangenen drei verlorenen Basketball-Bundesliga-Spielen in der Crunchtime vermissen ließen. (Foto: Friedrich)

Gießen 46ers


Der März war kein guter Monat für die Gießen 46ers: Fünfmal gingen sie als Verlierer vom Platz – und der April fing am vergangenen Freitag ebenfalls mit einer Pleite in Braunschweig an. Von den Playoffs redet keiner mehr. Aber es wird heftig darüber diskutiert, wie es zu der erneuten Niederlagenserie kommen konnte. Und das ausgerechnet in der Phase, in der es um die sportliche Qualifikation für die K.-o.-Runde um die Meisterschaft geht und ein Team eigentlich die beste Leistung abrufen müsste. Trotz der aufkommenden Kritik muss sieben Spieltage vor dem Hauptrunden-Ende konstatiert werden, dass die 46ers mit Blick auf die Tabelle mit Rang zwölf bei elf Siegen und 16 Niederlagen im Soll liegen. Aufgrund der siegreichen Anfangsphase, in der enge Spiele gewonnen wurden und auch das nötige Quäntchen Glück vorhanden war, wurden aber Begehrlichkeiten geweckt, die das Team offensichtlich in der zu benötigenden Konstanz nicht erfüllen kann.

Einstellung in der Defensive: Rebounden. Dort hingehen, wo es wehtut, und seinen Gegenüber in der Defense nicht vorbeikommen lassen – dazu gehört der unbedingte Einsatz und Wille, körperliche Präsenz und die nötige Geschicklichkeit sowie Schnelligkeit – geistig wie physisch. Gießens Guards sind dafür nicht das beste Beispiel. Ob Jared Jordan, Max Landis, David Bell oder Siyani Chambers: Sie alle haben ihre Probleme in der Defense im Mann gegen Mann. Ist einer von ihnen geschlagen, führt das zu Veränderungen in der Teamdefense, die der Gegner ausnutzen kann. Zudem ist »Big« John Bryant zwar der Top-Rebounder, aber wegen seiner Masse, Körpergröße und der daraus resultierenden eingeschränkten Beweglichkeit kein Abwehrmonster – vor allem, wenn es in die Transition Angriff auf Abwehr geht. Da muss das gesamte Team aushelfen – und immer einer für ihn seinen Mann nehmen. Stehen dann zum Beispiel Jordan, Bell und Bryant gleichzeitig auf dem Feld, fallen sicherlich vorne viele Körbe, aber auch hinten am eigenen Brett.

Fehlende Physis: Den Gießen 46ers fehlt ein athletischer Powerforward, der zudem noch mit einer gewissen Portion Basketball-IQ ausgestattet ist. Einer, der über dem Ring abräumt – hinten wie vorne. Was Athletik ausmacht, wurde besonders im letzten Spiel in Braunschweig deutlich. Trainer Freyer ließ Doppellizenzler Alen Pjanic starten und gewährte ihm fast 24 Minuten – so viel wie nie zuvor. Der sprunggewaltige 2,00-m-Schlaks rechtfertigte seinen Einsatz an beiden Enden des Feldes (acht Punkte, drei Blocks). Der Forward stach durch seinen Einsatz und seine Flexibilität heraus. Stand er auf dem Feld, scorte das 46ers-Team am erfolgreichsten. In der Crunch-Time spielte er aber nur in den letzten vier Sekunden.

Viel Erfahrung, zu viele Fehler: Larry Gordon, Brandon Thomas, Bell, Bryant und Jordan sind alles alte Haudegen, die mit allen Wassern gewaschen sind. Sie wurden verpflichtet, damit sie in den heißen Abschnitten kühlen Kopf bewahren, das Ding irgendwie nach Hause schaukeln. In den letzten drei Partien sollten sie es ebenfalls am Schluss richten. Wie das ausging, ist hinlänglich bekannt. Gerade den Führungsspielern unterliefen krasse Fehler. Schlampige Pässe in der Crunch-Time beim 83:86 in Weißenfels von Gordon und Bryant. Das mehrmalige Vorbeiziehen von Turner an Bell in den letzten Sekunden bei der völlig unnötigen 114:115-Heimpleite gegen Aufsteiger Crailsheim sowie das zeitweilige Versagen von der Freiwurflinie – und das alles bei eigener Zehn-Punkte-Führung 108 Sekunden vor dem Ende. Dann das Verspielen einer 19-Punkte-Führung in Braunschweig, das Vergeben von zwölf Freiwürfen und das erneute Kassieren von mehr als 100 Punkten in einem Bundesliga-Spiel. Das Selbstbewusstsein vieler 46ers-Protagonisten dürfte im Keller sein.

Trainer Ingo Freyer: Der 48-Jährige hat nach dem Spiel in Braunschweig in der Pressekonferenz die Verantwortung für die Zusammenstellung des Teams übernommen. Er hat verstärkt auf die Komponente Erfahrung gesetzt und weiß, dass seine Mannschaft nicht zu den athletischen zählt. Die physisch starken Jeril Taylor und Max Montana hat er ziehen lassen, dagegen den 34-jährigen Strategen Jordan, der seine Stärken eindeutig in der Offensive hat, an die Lahn geholt. Freyers Spielweise ist stark offensiv orientiert. Dementsprechend hat er seine Truppe rekrutiert, in der aber offensichtlich die Ausgewogenheit von Offense- und Defense-Spielern fehlt, um im 18er-Feld erfolgreicher aufzutreten. Seine Mannschaft erzielt im Schnitt 91,18 Punkte pro Spiel, fängt sich aber auch durchschnittlich 93,55 ein – der schlechteste Wert der gesamten BBL. Das wird sicherlich für die neue Saison Konsequenzen im Kader der Gießen 46ers nach sich ziehen.

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