06. Mai 2018, 20:30 Uhr

Die Realität klopft an

Der Kopf blutleer, die Beine betonschwer. Was zu einem historischen Ereignis für die HSG Wetzlar werden sollte, mündete in einer Katastrophe. Im Halbfinale des DHB-Pokal-Final 4 erlebte der Handball-Bundesligist beim 19:24 (4:15) gegen die TSV Hannover-Burgdorf sein Waterloo.
06. Mai 2018, 20:30 Uhr
Bezeichnend: Olle Forsell-Schefvert und die HSG Wetzlar am Boden. (Foto: Bergmann)

Im Hamburger Final Four hat die Angst die Wetzlarer Handball-Seele aufgegessen. Mit einem desaströsen 19:24 (4:15) gegen die TSV Hannover-Burgdorf wurden die Pokalträume am Samstagabend vor 13 200 Zuschauern in der Barclaycard-Arena brutal beerdigt.

Nach einer der schwächsten Angriffsleistung in der gesamten Ära von Trainer Kai Wandschneider waren die so hoffnungsvollen Grün-Weißen ab dem Olsen-14:4 (29.) per Kempa nur noch um Schadensbegrenzung bemüht. Kein Selbstvertrauen, kein Mut, keine Überzeugung.

Burgdorfs Keeper Martin Ziemer mit oft falschen Abschlussentscheidungen bei 19 Paraden berühmt geworfen, die Kreise von TSV-Spielmacher Morten Olsen nicht eingeengt und die eigenen Konzeptionen nicht zu Ende gespielt – da hieß es in den zweiten 30 Minuten, allein noch Moral und Charakter zeigen.

Mit der Hereinnahme von Niko Weber, Alexander Hermann und Stefan Kneer stabilisierte sich das Spiel der Mittelhessen etwas, ergebnismäßig gab es über das 10:20 (44.) wenigstens etwas Besserung. Beim 19:24 (4:15) hatten sich die Mirkulovski und Co. dennoch ihre schwächste Leistung der letzten Jahre gerade für das Pokal-Halbfinale aufgehoben. Umso größer waren Frust und Enttäuschung, zumal die Truppe von Trainer Carlos Ortega ab der 45. Minute spürbar Kräfte für das Finale am Sonntag gegen die Rhein-Neckar Löwen sparte. Die angeschlagenen Pawel Atman und Sven-Sören Christophersen wurden gar ganz geschont.

Horrorstart

Die Spielstatistik wollte sich am Ende der demaskierenden 60 Handball-Minuten von Hamburg, wo die HSG Wetzlar 1997 und 2001 noch jeweils das Endspiel erreicht hatte, niemand mehr anschauen. Musste aber sein! Zwei Fehlwürfe von Außen von Kristian Björnsen, zwei technische Fehler in Überzahl, ein völlig unnötiger Buric-Wurf in Überzahl neben das leere Tor von Hannover, zwei kassierte Gegentreffer in Überzahl sowie ein gehaltener Siebenmeter von TSV-Keeper Martin Ziemer gegen Maximilian Holst ließen bereits nach zehn Minuten das Schlimmste befürchten, obwohl es zu diesem Zeitpunkt auch nur 3:1 für die Niedersachsen stand.

Aber das Horrorszenario ging weiter. Nur ein Wetzlarer Törchen in der ersten Viertelstunde (1:6, Häfner), ein 3:13 nach 27 Minuten (Mortensen-Siebenmeter) und als Demütigung obendrauf das 14:4 von Hannover-Burgdorf durch Spielmacher Morten Olsen (29.) per Kempa besiegelten schon beim 4:15 zur Pause das Schicksal der völlig neben sich stehenden Mannschaft von Trainer Kai Wandschneider.

Zur Pause hätten sich die über 1000 mitgereisten, stimmkräftigen HSG-Anhänger lieber entfrustend das Abendprogramm der Elbphilharmonie durchgelesen als nochmals das offizielle DHB-Pokal-Magazin, in dem den Grün-Weißen aufgrund ihrer starken Vorstellungen der letzten Spielzeiten durchaus Außenseiterchancen eingeräumt worden waren.

Weit gefehlt! Zwei Paraden vom frisch eingewechselten Torhüter Niko Weber (33.) und ein Treffer-Hattrick von Anton Lindskog vom Kreis (5:15, 6:15, 7:16) ließen die ganze Angelegenheit zunächst zwar nicht weiter ausufern und die »Recken« nicht weiter davonziehen, als Tim Kastening in der 44. Minute aber zum 20:10 per Gegenstoß traf, war es das mit der Außenseiterchance gewesen. In der Schlussviertelstunde gingen die Niedersachsen nach den Worten ihres angeschlagenen und nicht eingesetzten Abwehrstrategen Sven-Sören Christophersen mit Blick auf den Endspiel-Sonntag »in den Verwaltungsmodus« über, weshalb die Wetzlarer 19:24-Niederlage ergebnismäßig sogar noch gelinder ausfiel als zuvor die des SC Magdeburg im ersten Halbfinale gegen die Rhein-Neckar Löwen.

»Ebi« Klotz, ein heimischer Journalisten-Kollege, brachte die Pokalpartie abschließend in der Mixed-Zone der Barclaycard-Arena treffend auf den Punkt: »Die Realität hat heute an die Tür der HSG Wetzlar angeklopft!«

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