01. September 2020, 20:52 Uhr

Die Hausaufgaben sind gemacht

Auch die Fußballer der Kreisliga A Gießen stehen in den Startlöchern. Die Saison 2020/21 wird für alle eine Fußball-Reise ins Ungewisse.
01. September 2020, 20:52 Uhr
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Von Martin Ziehl
Es geht wieder los. Nach der Corona-Zwangspause hoffen Marcel Müller (12, FC Großen-Buseck) und Maurizio Berti (l., SV Annerod) auf einen reibungslosen Saisonstart in der Fußball-Kreisliga A Gießen. FOTO: FRIEDRICH

Schon in der abgelaufenen Saison der Fußball-Kreisliga A Gießen lieferten sich mit der SG Birklar und der FSG Bessingen/Ettingshausen/Langsdorf zwei Teams ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titelgewinn. Birklar wurde bekanntlich in der abgebrochenen Saison Meister und die FSG folgte als Zweiter in die Kreisoberliga Süd. Dies könnte sich in dieser Saison durchaus wiederholen, denn nun stehen der letztjährige Tabellendritte FSG Biebertal und der Sechste SV Annerod als mögliche Kronprinzen parat. Einziger Unterschied ist - diesmal steigt nur der Tabellenerste auf.

SV Annerod: Aus Sicht von Annerods Trainer Yves Lohwasser muss der Titelaspirant eine perfekte Saison spielen, um am Ende ganz oben zu stehen. Ob das sein Team ist oder die Mannschaft aus Biebertal, wird sich in der langen Saison zeigen. Schon im Winter kam Ürkan Özen zum SV Annerod und ist im Mittelfeld sicher eine Bereicherung. Ansonsten blieb der SVA-Kader ohne große Veränderungen, wobei Simon Ulbricht, Tobias Schulz, Kevin Zimmer (alle TSV Großen-Linden) die Mannschaft ergänzen. Die Offensivabteilung, aus der die Torjäger Maurizio Berti und Lucas Smajek besonders herausragen, ist das Aushängeschild der Lohwasser-Elf.

FSG Biebertal: Nach zwei dritten Plätzen in den vergangenen Spielzeiten will die FSG Biebertal auch in dieser Saison mindestens unter die ersten Drei. Aus Sicht von FSG-Trainer Andre Weinecker hat der Kader durch die Neuzugänge Seiyithan Aksoy (Birklar), Di-yer Elen (Lollar/Staufenberg), Jan Grau (Klein-Linden) und Sven Döring (Großen-Linden) in Spitze und Breite an Qualität gewonnen. In der Vorbereitung galt es nun Laufwege und Spielsysteme im neuen Kader zu festigen. Im Sturm zeigten sich die Neuzugänge Jan Grau und Sven Döhring schon treffsicher. Die Biebertaler Defensive hat viel Erfahrung und ließ in der vergangenen Saison im Schnitt nur gut ein Gegentor pro Spiel zu.

FSG Lollar/Staufenberg: Neben Annerod und Biebertal wird aber auch die Lollar/Staufenberg als möglicher Titel-aspirant gehandelt, wobei die FSG durch die zusätzliche zweiwöchige Corona-Pause laut Trainer Ümit Komac doch ein wenig Rückstand aufzuholen hat. Aber der letztjährige Tabellenvierte konnte sich gezielt verstärken und hatte in der zurückliegenden Saison mit 76 Toren den besten Sturm. Die Offensivabteilung setzt auf die Qualitäten von Osman Koyuncu, der letzte Saison in 18 Spielen 17 Tore erzielte. Jedoch verlor die Komac-Elf ihren zweitbesten Torschützen Diyer Elen an den Ligarivalen Biebertal. Corrado Russo (TSV Allendorf/Lahn) verstärkt die Defensive, während Max Dörfler und Max Schöber vom TSV Großen-Linden in der Abwehr und im Mittelfeld zum Einsatz kommen.

TSV Rödgen: Welche Rolle diese Saison der TSV Rödgen spielen kann, hängt davon ab, wie die Elf von Trainer Robel Ambaye den Abgang von Tor-jäger Christopher Reuling (20 Tore) zum RSV Büblingshausen verkraftet. Reuling war schon im Winter gewechselt und nun müssen andere Spieler die Lücke in der Offensive des letztjährigen Tabellenfünften schließen. Froh ist Trainer Ambaye, das sich mit Neuzugang Adem Avci vom Kurdischen FC Gießen ein bärenstarker Torwart dem Team angeschlossen hat. So bleibt nur die Innenverteidigung das Sorgenkind des TSV. Doch diese Lücke könnte durch Coach Ambaye ausgefüllt werden.

FC Großen-Buseck: Nach dem letztjährigen Aufstieg möchte der FC Großen-Buseck in dieser Saison gleich andere Ziele verfolgen und sich auf die Hinterbeine stellen. Hessenligaspieler Daniel Erben war natürlich im Winter die Sensation als Zugang des abstiegsgefährdeten Aufsteigers. Am Ende stand Platz zehn - und das soll sich laut FC-Trainer Thorsten Hillgärtner nicht wiederholen. Dass Erben den Buseckern sehr weiterhelfen kann, zeigten die vergangenen Testspiele. Beim 4:4 gegen die gegen die Spvgg. Mücke erzielte Erben drei Tore, beim 1:0 gegen den SV Harbach den entscheidenden Siegtreffer. Aber auch Mathis Lang konnte schon mehrfach treffen und so die Form der letzten Saison bestätigen.

TSV Allendorf/Lahn: Ganz andere Sorgen hat Andreas Groschopp, Trainer des TSV Allendorf/Lahn, obgleich ihn freut, das der Gießener Vorstadtclub wieder ein Reserveteam stellen kann. Vor dem coronabedingten Abbruch kämpfte der TSV um den Klassenerhalt. Derzeit befindet sich die Groschopp-Elf im Umbruch und vor allem die Neuzugänge Mario Reis (TSV Rödgen) und Halim Gündogan (Spfr. Burkhardsfelden) sollen für Stabilität und Qualität sorgen. Als Ziel steht ein einstelliger Tabellenplatz.

Die FSG Villingen/Nonnenroth/Hungen steckt ebenfalls im Umbruch und hat dafür den neuen Trainer Andreas Offermanns verpflichtet. Offermanns bringt von seinem ehemaligen Verein SG Melbach die Spieler Niclas Knoll, Markus Offermanns und Marvin Rauch mit. Weitere Zugänge sollen die Abgänge von Benedikt Keck und Dominik Bender zur FSG Bessingen/Ettingshausen/Langsdorf und Simon Groos zum MTV 1846 Gießen kompensieren. Die Hungener SG konnte in den zurückliegenden Spielzeiten immer durch ihre geschlossene Mannschaftleistung und ihre kämpferische Einstellung überzeugen. Konstanz und Routine sind Dinge, an denen Trainer Offermanns mit dem Team noch arbeiten will.

Die SG Utphe/Trais-Horloff/Inheiden ist die zweite Dreier-SG aus den Hungener Stadtteilen. Mit Andreas Seum wurde ebenfalls ein neuer Trainer installiert. Im Gegensatz zum Mitbewerber aus der Gemeinde konnte sich die UTI nur David Fischer von der SG Obbornhofen/Bellersheim als Zugang sichern. Coach Seum hält es beim sehr »dünnen« Kader für extrem schwierig, auch noch eine schlagkräftige Reservemannschaft zu stellen. Dennoch ist er nach den gemischten Vorbereitungsergebnissen vorsichtig optimistisch.

FSG Garbenteich/Hausen: Die FSG Garbenteich/Hausen ist als Aufsteiger ebenso guter Dinge, denn neben Stürmer Rene Maus ist Gabriel Ersoy ebenfalls von der SG Trohe/Alten-Buseck zur Mannschaft gestoßen. Weiterhin verstärkt Ather Ahmad von Gruppen- ligist SCC Juno Burg den Kader. Trainer Tim Aff hatte mit der neuen Aufgabe jede Menge zu tun, denn die Entscheidung, dass die SG aufsteigt, war nur dem Rückzug des 1. SC Sachsenhausen Gießen geschuldet und kam für Coach Aff doch sehr spät. Dennoch hält der FSG-Coach in der ausgeglichenen Liga den Klassenerhalt für machbar.

Türkiyemspor Gießen gibt sich dabei schon etwas selbstbewusster. Mit einem neuen Umfeld aus alten Spielern im Vorstand und soliden Verstärkungen möchte der Gießener Verein eine feste Größe in der Liga sein. Zahlreiche Spieler konnten dabei zurückgewonnen werden. Somit nimmt der Club zumindest einen nicht ausrechenbaren Gegner in der Liga ein.

TSF Heuchelheim II: Eine feste Größe in der Liga ist nach fünf Jahren die Gruppenligareserve der TSF Heuchelheim. Als Tabellensiebter niemals gefährdet, setzen die TSF auch weiterhin auf Kontinuität. Schon zum Winter wurde nach dem Aufstieg von Daniel Marx zum Trainer der ersten Mannschaft Sebastian Auriga von Gruppenligist SG Waldsolms als Trainer gewonnen. Und erste Testspielergebnisse zeugen von einer guten Vorbereitung. Somit gilt auch die TSF-Reserve bei gutem Verlauf als unangenehmer Gegner.

Die FSG Wettenberg II - Aufsteiger aus der B-Liga - dient als Paradebespiel, denn der Verein bemüht sich seit Jahren um eine gute Jugend- arbeit auf möglichst hohem Niveau. Und die Spieler sind geblieben und stärken einen eingespielten Kader, der ebenfalls nicht klanglos untergehen will. Zudem hat der Verein ebenfalls eine dritte Mannschaft gemeldet.

Turabdin Babylon II: Der neue Trainer Daniel Akyüz gibt eine vorsichtige Prognose ab, denn der Verein möchte durch Spielpraxis besonders junge Talente an die Verbandliga heran führen. Das jedoch auch ehemalige Größen dafür in der dritten Mannschaft Platz genommen haben, die auch weiterhin der zweiten zur Verfügung stehen, ist mit einem Augenwinkern mitzunehmen. Dass einige Favoriten auch Respekt vor der Verbandsligareserve haben, ist demnach nachvollziehbar.

FSV Fernwald II: Gleiches gilt auch für Aufsteiger FSV Fernwald II, obgleich Goalgetter Cameron Stokes zu Gruppenligist TSF Heuchelheim gewechselt ist. Die Mannschaft von Trainer Matthias Lehmann konnte sich gezielt für die Liga verstärken und könnte das selbst gesteckte Ziel Klassenerhalt sicher erreichen. In den Vorbereitungsspielen stand zudem Tom Sinkel als Torwart aus dem Hessenliga-Kader zur Verfügung, weshalb aus gutem Grund die Ligarivalen auch den Aufsteiger als potenziell unangenehmen Gegner einschätzen.

TSV Lang-Göns II: Nach dem ersten Jahr als Aufsteiger möchte auch die Reserve von Gruppenligist TSV Lang-Göns eine bessere Rolle in der Liga spielen. Mit dem FSV Fernwald II stellt der TSV das jüngste Team in der Liga, das punktuell durch erfahrene Kräfte unterstützt wird. Das ist für das Team von Trainer Georg Hoppe zugleich »Fluch und Segen«, denn führt Unbekümmertheit zu Punkten, fragt keiner mehr nach dem Wie.

MTV 1846 Gießen II: Last but not least bleibt die Gruppenligareserve des MTV 1846 Gießen. Auch hier hat Trainer Armin Rahmani wieder eine schlagkräftige Truppe zusammen. Aufgrund der Vielzahl der Studierenden stellen sich die Mannschaften des MTV ja teilweise selbst auf, sodass eine Prognose für die kommende Saison wiederholt schwierig ist.

Fazit: Kopf-an-Kopf-Rennen denkbar, eine ausgeglichene Saison wahrscheinlich, vor allem wegen dem straffen Spielplan im September und Oktober. Alle Vereine haben ihre Hausaufgaben gemacht, sodass 2020/21 eine der spannendsten Spielzeiten erfolgen könnte, wenn es Corona wettbewerbsfrei erlaubt.



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