11. Januar 2020, 16:00 Uhr

Gießen 46ers

Die Führungsspieler der Gießen 46ers müssen mehr liefern

Schwere Zeiten für die Gießen 46ers! Die beiden Auswärtsniederlagen in Bayreuth und in Frankfurt haben Trainer Ingo Freyer und das Team weiter in die Bredouille gebracht und den Druck im Kampf um den Bundesligaerhalt massiv erhöht. Centerstar John Bryant spielte in beiden Partien in Hälfte zwei keine Rolle mehr. Wir gehen der Sache auf den Grund.
11. Januar 2020, 16:00 Uhr
Im Austausch: Gießens Trainer Ingo Freyer und sein Kapitän John Bryant, der als Führungsspieler wie Brandon Thomas mehr zeigen muss. FOTO:HF

Gießen 46ers


Der zum Saisonende scheidende Geschäftsführer Heiko Schelberg sagte einmal: »John Bryant ist unsere Lebensversicherung.« Er meinte damit, solange der 2,11-m-Mann in den Diensten der Gießen 46ers und auch auf dem Feld steht, dürften die Korbjäger von der Lahn mit dem Abstieg aus der Basketball-Bundesliga nichts zu tun haben. Das sieht aktuell ein bisschen anders aus. Die 46ers stecken nach drei Niederlagen in Folge im Überlebenskampf - auch wenn der Abstand zum MBC Weißenfels noch vier Punkte beträgt. Die können aber bei der Ausgeglichenheit der Liga ruckzuck aufgebraucht sein. Bekanntlich steigt in dieser Spielzeit nur ein Team ab.

Die Mannschaft von Cheftrainer Freyer benötigt unbedingt Siege, damit sie sich selbst aus dem Schlamassel herauszuziehen kann. Nach der knapp 14-tägigen Pause - ein paar Tage davon gab Freyer seinen Spielern frei, »damit sie mal runterkommen, das war schon lange so ausgemacht« (O-Ton Freyer) - steht am nächsten Samstag das bedeutsame Heimspiel gegen die Baskets aus Bonn an, die in der Tabelle hinter den 46ers stehen. Die Bonner kommen mit vielen Ex-Gießenern wie Benjamin Lischka und TJ DiLeo in die Osthalle und werden besonders motiviert sein. Danach folgen zwei weitere Heimauftritte gegen die bärenstarken Riesen aus Ludwigsburg und gegen die sich im Aufwind befindenden Bayreuther.

Umso wichtiger ist bei diesem schweren und richtungsweisenden Programm, dass die Gießener Mannschaft so schnell wie möglich in die Erfolgsspur zurückfindet und noch enger zusammenrückt. Zudem müssen die Führungsspieler der Gießen 46ers einfach besser funktionieren.

Mit John Bryant ist das Team in der Defensive limitiert. Mit ihm kann man bei der Pick-and-Roll-Verteidigung nur spielen, wenn er weit hinten steht und nicht nach vorne rauskommt, um zu attackieren. Liegt die Mannschaft aber punktemäßig hinten und startet eine Aufholjagd, muss sie eine aggressivere Gangart wählen, um den Gegner zu Stopps zu zwingen. Das ist mit dem langsamen Bryant einfach nicht möglich. »Mit John Bryant strahlen wir keine Aggressivität aus. Er kann nicht die Art der Verteidigung spielen, die man braucht, um wieder heranzukommen«, konstatiert Freyer.

In Bayreuth und in Frankfurt lagen die 46ers mit über zehn Punkten zurück. Beide Male verzichtete Freyer dann auf den 2,11-m-Mann Bryant, nahm dafür den agileren Kendall Gray ins Team, um die Intensität zu erhöhen. In beiden Partien gelang es, zumindest den Rückstand zu minimieren. Somit liegt es auf der Hand, warum Bryant in den beiden Auswärtspartien fast die gesamte zweite Hälfte auf der Bank saß. »Jeder Spieler hat eine Aufgabe, die er erfüllen muss. Wenn er auf das Feld kommt, ist er für sich selbst verantwortlich - und im Endeffekt auch für die Mannschaft«, erklärt Freyer.

Auffällig war aber auch, dass Bryant in der Crunchtime, als vorne Punkte gefragt waren, nicht zum Einsatz kam. Das dürfte daran liegen, dass es dem 32-Jährigen in dieser Saison nur spärlich gelingt, trotz guter Position unter dem Korb abzuschließen. Zu oft favorisiert er aktuell den Pass zum Mitspieler und nimmt sich dadurch die Flexibilität. Über die gesamte Saison betrachtet, scheint er Probleme zu haben, sich bei heftiger körperlicher Gegenwehr durchzusetzen. In früheren Jahren war das für ihn überhaupt kein Problem.

Gelingt es Bryant, seine Raffinesse und seine Stärken ins Spiel zu bringen, hat der Gegner daran mächtig zu knabbern. Nimmt er ihm aber das weg und Bryant bleibt unter seinen enormen Möglichkeiten, dann ist er auch vorne kein entscheidender Faktor. Der persönliche Gameplan sei mit Bryant abgesprochen. Wie der in Frankfurt. »Wenn Kratzer spielt, war klar, dass auch John spielt«, so Freyer. Dass er dann ausgewechselt wird, wenn es nicht läuft oder ein anderer Skyliners-Spieler die Kratzer-Position einnimmt, sei für Bryant eine Selbstverständlichkeit, merkt Freyer weiter an.

Eine Stellungnahme seitens Bryant zu dem Themenkomplex blieb aus - trotz Anfragen. Er hat immer noch mit seinen Gewichtsproblemen aus dem verpassten Sommertraining zu kämpfen. In einem Interview der »Big« räumt er ein, dass familiäre Gründe dazu geführt hätten, dass er in dieser für ihn so wichtigen Phase darauf nicht so fokussiert gewesen sei wie in den vergangenen zwei Jahren zuvor. Zudem erklärte er, dass er in der BBL seine Karriere ausklingen lassen will. Sein Vertrag in Gießen endet nach dieser Saison.

Doch nicht nur Bryant hinkt den Erwartungen als Führungsspieler hinterher - Brandon Thomas ebenfalls. Beim Routinier fällt auf, dass er nicht unbedingt den direkten Körperkontakt sucht. Ein Blick auf seine statistischen Werte beim Rebound und bei den Steals verdeutlicht das. Nach 13 Spielen, bei einer durchschnittlichen Einsatzzeit von 30,44 Minuten - die höchste aller Akteure im 46ers-Kader - weist der 35-Jährige 28 defensive und zwei offensive Rebounds auf, zudem fünf Ballgewinne. Zu wenig für einen Leistungsträger.

Thomas entgegnet dieser Feststellung: »Angesprochen auf mein Rebound-Verhalten muss ich sagen, dass ich nie bekannt dafür war, ein außergewöhnlich guter Rebounder zu sein. Ich bin ein Allrounder, der sein Spiel gut finden und das Team über Minuten führen kann. Ich weiß nicht, ob ich mir eine aggressive Grundhaltung attestieren würde. Ich würde jedoch sagen, dass ich immer Mittel und Wege finden konnte, ein Team in der notwendigen Art und Weise möglichst effektiv zu führen. Natürlich brauchen wir konkrete Statistiken als Team, dennoch glaube ich, dass es für jeden individuell und als Team darum geht, Woche für Woche zusammen alles zu geben und uns als Einheit zu präsentieren.«

,, Mit John Bryant strahlen wir keine Aggressivität aus

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