19. Oktober 2020, 07:00 Uhr

Gießen 46ers

Deutliche Worte von Verantwortlichen der Gießen 46ers

Nach dem 85:99 der Gießen 46ers in Spiel eins im BBL-Pokal in Vechta finden Trainer Ingo Freyer und Sportdirektor Michael Koch deutliche Worte.
19. Oktober 2020, 07:00 Uhr
Ein Lichtblick bei den Gießen 46ers bei der Pokalniederlage in Vechta - Spielmacher Andrew Rowsey (r.), der sich Jean Salumu gegenübersieht. FOTO: BF

Gießen 46ers


Ist das grausam anzusehen.« Der Kommentar eines Gießener Fans, der sich den Auftakt der 46ers im BBL-Pokal-Qualifikationsturnier der Gruppe B live über MagentaSport anschaute, sprach am Samstagabend vielen Anhängern aus der Seele. Kein Teambasketball, fast ausschließlich Ego-Gezocke, keine konsequente Reboundarbeit, keine Einstellung zur Mann-Mann-Verteidigung, fehlende Abstimmung im Angriff, keine Intensität, keine Aggressivität, keine Energie - ratlose Blicke bei den überforderten Protagonisten. Der 41:56-Halbzeitrückstand sprach Bände. Die ersten 20 Minuten der 46ers im zuschauerleeren Rasta-Dome in Vechta waren ganz schwere Basketball-Kost.

»Die erste Halbzeit war Katastrophe - die haben wir völlig verschlafen«, analysierte 46ers-Cheftrainer Ingo Freyer. Und Sportdirektor Michael Koch fügte an: »56 Punkte sind eindeutig zu viel. Wir müssen daran arbeiten, dass wir in der Verteidigung stabiler sind. Und für uns ist es wichtig, dass wir als Team auftreten. Das war in Hälfte eins nicht der Fall.«

Nach drei Minuten führten die »Rasta-Männer« bereits mit 7:0 - dank des bestens aufgelegten Philipp Herkenhoff, der mutterseelenallein abschloss. Die drei Turnover der 46ers in dieser Phase beflügelten den Gastgeber. Letztlich waren es sieben Ballverluste nach dem ersten Viertel, die die Gießener produzierten und die Vechta zu leichten Punkten nutzte.

Der gravierendste Unterschied zwischen den beiden Teams war aber das Reboundverhältnis: Vechta sicherte sich 43 Abpraller, davon 14 am offensiven Brett, Gießen insgesamt nur 22. Bei diesem Verhältnis hat es jede Mannschaft schwer, ein Spiel zu gewinnen. Dass die drei 46ers-Brettspieler Johannes Richter, Brandon Bowman und Scottie James JR zusammen gerademal sieben Rebounds fischten, bestätigt die insgesamt sehr mäßige Vorstellung der Big Men. Dass der bisher überzeugende James JR in knapp 20 Minuten Spielzeit keinen einzigen Korb erzielte und Vechtas Powerforward Gegenspieler Herkenhoff mit 20 Punkten zum Topscorer anvancierte, verdeutlicht den gebrauchten Tag der drei langen »Kerls«. Die Befürchtung, dass das Freyer-Team zu wenig Tiefe auf den großen Positionen habe, offenbarte sich in Vechta.

Doch es gab auch ein paar Lichtblicke. Der für den am Oberschenkel verletzten Guard Jonathan Stark nachverpflichtete Andrew Rowsey zeigte seine Stärken im Spielaufbau und beim Wurf aus der Distanz - vor allem seine Dreier im zweiten Durchgang ließen den Rückstand nicht noch größer werden. Aufbauspieler Liam O’Reilly gehörte auch zu den besseren Spielern an diesem Abend. In der Offensive setzte er vermehrt Akzente: Drei von vier Zweiern und zwei von vier Dreiern fanden das Ziel. Der US-Amerikaner agiert aber noch viel zu ungestüm auf dem Parkett. Erneut zog er sich schnell Fouls zu, die ihn auf die Bank beorderten, was anschließend den Gießener Spielfluss hemmte.

Zu den »Gewinnern« zählte zudem Brandon Thomas, der seine gute Frühform bestätigte. Mit knapp 38 Minuten auf dem Feld war der frisch ernannte Kapitän der Dauerbrenner im Gießener Team. Ebenfalls beachtenswert seine fünf getroffenen Dreier - bei zehn Versuchen. Manchmal müsste er aber zum Korb ziehen, anstatt aus der Distanz zu werfen.

Insgesamt war der Auftritt der Gießener in Hälfte zwei besser, die sie mit 44:43 gewannen. Das sah auch Freyer so: »Da haben wir mit viel mehr Einsatz und Engagement gespielt.« Er versäumte es in seiner Abschlussanalyse nicht, auf die kurze Vorbereitung seiner Mannschaft und auf die aus Verletzungsgründen von Stark kürzlich vorgenommene Nachverpflichtung auf der Eins hinzuweisen.

Außerdem erklärte er, dass einige seiner Spieler noch in der Bundesliga ankommen und sehen müssten, wie hart dort gespielt werde. Die Gießen 46ers haben bereits nächsten Samstag um 15 Uhr an gleicher Stelle die Gelegenheit, es besser zu machen. Dann steht Spiel Nummer zwei im BBL-Pokal an - ausgerechnet gegen den Hessenrivalen Frankfurt Skyliners. »Da wollen wir unbedingt gewinnen, um im Wettbewerb zu bleiben und das noch spannend zu halten«, versprüht Freyer vor dem brisanten Derby Zuversicht.

Vechta: Peno (5), Stenzel, Hasbargen (2), Young (4), Salumu (20), Herkenhoff (20), Hundt (2), Barnett (17), Rohwer, Christen (3), Vorhees (18), Clifford (8) / Gießen: Hamilton (5), O’Reilly (16), Kraushaar (3), Köpple, Uhlemann, Richter (12), Bowman (9), Zylka (7), Rowsey (14), James JR, Thomas (19). / Viertelergebnisse: 25:18, 31:23, 20:18, 23:26.

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