26. März 2020, 07:00 Uhr

Breitensportvereine in der Corona-Krise

»Der Verein wird’s überleben!«

Die Corona-Krise trifft alle hart - auch die Breitensportvereine, die in unserer Gesellschaft wichtige Funktionen erfüllen und bei denen finanzielle Aspekte nur eine ganz kleine Rolle spielen.
26. März 2020, 07:00 Uhr

Der Sportplatz in Alten-Buseck ist menschenleer, das Eingangstor verschlossen. »Bis vorerst 10. 04. 2020 kein Trainings- und Sportbetrieb«, steht auf einem großen Schild. Auch in der Harbig-Halle nebenan herrscht gespenstige Ruhe. Normalerweise würden hier an diesem Nachmittag rund 100 Kinder zwischen 15 und 18 Uhr in verschiedenen Kursen turnen, toben und Spaß haben. »Dass alles ausfällt, ist schon sehr traurig. Aber es muss sein«, sagt Bruno Endrejat, der Vorsitzende der 1400 Mitglieder zählenden TSG Alten-Buseck.

Sein Verein hat den Sportbetrieb eingestellt, noch bevor die öffentliche Hand Verbote wegen der Corona-Epidemie ausgesprochen hat. »Die Maßnahme findet breite Akzeptanz. Bis jetzt gab es bei uns nur positive Rückmeldungen«, sagt Endrejat. Seine TSG hat zwölf Abteilungen und bietet normalerweise ein breites Angebot an - von Kursen wie »Fit in den Tag« morgens um 9 Uhr, über Eltern-Kind- und Vorschulturnen am Nachmittag bis hin zu Konditionsgymnastik, Tischtennis, Volleyball oder Fußball bis in den späten Abend. »Die Maßnahme müssen wir natürlich verlängern«, erklärt der 64-Jährige. Wie lange der Sportbetrieb ruhen wird, kann derzeit niemand voraussagen.

Eine weitere negative Auswirkung hat die Situation für ein Bauprojekt der TSG. Das Vereinsheim soll mit viel Eigenleistung erweitert werden. Noch im Frühjahr sollte der Startschuss fallen. »Das wird leider nicht klappen«, sagt Endrejat: »Ob das dieses Jahr überhaupt noch etwas wird, kann ich nicht sagen.«

Not macht auch in Buseck erfinderisch: Wie bei anderen Vereinen in der Region gibt es Bemühungen, die Mitglieder digital zu erreichen - so könnte es bald ein Video-Angebot für Yoga geben. »Aber wir haben auch in vielen Abteilungen, zum Beispiel der Gymnastik, viele ältere Teilnehmer. Da bieten sich digitale Angebote kaum an«, gibt Endrejat zu bedenken. Ansonsten geht er davon aus, dass zum Beispiel Fußballer und Tischtennisspieler sich zu Hause betätigen und unter anderem mit Waldläufen fit halten.

Sorgen, dass sich Übungsleiter künftig nicht mehr für die TSG engagieren oder ihr komplettes Honorar einfordern, sieht der TSG-Vorsitzende nicht auf den Verein zukommen. »Wir haben keine festangestellten Trainer. Wir haben im Vorstand gesagt: Wenn die Krise vorbei ist, setzen wir uns hin und überlegen, wie wir das Problem mit den Übungsleitern angehen. Vielleicht mit einer Ausgleichszahlung oder einer Pauschale.« Und Endrejat geht auch davon aus, dass die Mitglieder Verständnis für die Notsituation haben: »Wir kämen wohl nicht umhin, die Kursbeiträge zumindest zum Teil zu erstatten, wenn das gewünscht würde. Bis jetzt kam aber noch niemand auf uns zu und wollte Geld zurück.« Vereinsmitglieder sind meist treue Seelen, die sich erst recht in unsicheren Zeiten solidarisch zeigen.

Das ist beim TV Lich sicher nicht anders, der mit 1800 Mitgliedern in acht Abteilungen zu den größten Vereinen im Sportkreis Gießen gehört - hinzukommen 400 Teilnehmer im Rehasport. »Für unseren Verein sehe ich die Corona-Krise insgesamt nicht so dramatisch«, sagt die TV-Vorsitzende Brigitte Freitag. »Ich hoffe auf das Verständnis unserer Mitglieder.«

Wie ihre Busecker Kollegen hat sie vor allem Mitleid mit den Mitgliedern, die auf ihr Sportangebot und das soziale Miteinander verzichten müssen. »Bei uns sind auch viele ältere Leute, für die sind die Sportstunden die wichtigsten Wochentermine, die sie genießen.« Die Übungsstunden für die Risikogruppen wie Herz- und Lungenkranke oder Diabetes-Patienten waren ohnehin schon abgesagt worden, ehe auch die übrigen Abteilungen den Betrieb eingestellt haben. Die Übungsleiter halten per E-Mail oder WhatsApp Kontakt zu ihren Sportlern, um beispielsweise Übungsinhalte zu vermitteln oder sie zu motivieren.

Auch beim TV Lich ist der Großteil der Übungsleiter nach den Worten Freitags nicht auf das Geld angewiesen, das es als Aufwandsentschädigung für die Kursleitung gibt. »Wir haben allerdings Leute, die selbstständig sind. Die übrigen halten nur zwei, drei Stunden pro Woche ab. Bei den Selbstständigen haben wir schon überlegt, wie wir ihnen helfen können. Aber wir können keine Übungsstunden bezahlen, die nicht abgehalten worden sind. Da sind uns durch das Vereinsrecht auch die Hände gebunden«, sagt die Vorsitzende, die mit ihren Kolleginnen - beim TV Lich setzt sich der geschäftsführende Vorstand ausschließlich aus Frauen zusammen - im Gespräch über eine Unterstützung ist. Ansonsten hat Brigitte Freitag eine ebenso unmissverständliche wie gute Botschaft für alle Mitglieder: »Der Verein wird’s überleben! Und wir hoffen, dass alle gut durch diese Krise kommen.«

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