10. Juli 2020, 07:00 Uhr

Basketball

Der NBA-Star vertraut einem Gießener

Filip PiIjanovic ist in der Gießener Basketball-Szene ein bekanntes Gesicht. Im Hintergrund arbeitet der Rechtsanwalt für den deutschen NBA-Star Dennis Schröder.
10. Juli 2020, 07:00 Uhr
So kennt man ihn: Rechtsanwalt Filip Piljanovic als Trainer des Oberliga-Teams des MTV 1846 Gießen. FOTO: FRIEDRICH

Dennis Schröder ist der aktuell beste deutsche Basketballer. Der Nationalspieler steht bei den Oklahoma City Thunder unter Vertrag. Für Aufsehen sorgte der NBA-Star aber nicht nur mit seinen sportlichen Leistungen vor der Corona-Pause, sondern auch mit dem alles andere als geräuschlos verlaufenen Einstieg bei seinem Heimatklub Löwen Braunschweig.

Seit Dienstag nun ist er Alleingesellschafter der Löwen. Der 26-Jährige, der 2017 einen mit 70 Millionen Dollar dotierten Vierjahresvertrag unterzeichnet hat, vertraut dabei einem basketballverrückten Gießener: Filip Piljanovic, der sich als Spieler und Trainer in der Szene einen Namen gemacht hat. Der Rechtsanwalt führte für Schröder die Verhandlungen und arbeitet intensiv mit an der Zukunft der Löwen.

Doch wie kam es zu dem Mandat? »Der Kontakt zu Dennis besteht indirekt schon seit Jahren, denn ich habe ein gutes Verhältnis zu seinem Entdecker und Förderer Liviu Calin. Er war damals auch einer der Gründe, weshalb ich meinem Jugendspieler Robin Amaize vor circa sieben Jahren riet, nach Braunschweig zu wechseln, um mit Liviu die nächsten Schritte, in seiner Entwicklung zum Basketballspieler zu machen«, erzählt Piljanovic. »Was ganz offensichtlich gut funktioniert hat. Daher war ich mit Liviu in einem engen Austausch.« Der Gießener Amaize steht inzwischen beim FC Bayern München unter Vertrag, war zuletzt an die Baskets Oldenburg ausgeliehen und zeigte dort starke Leistungen.

»Liviu Calin vertrat ich dann letztes Jahr ab September in seinem Kündigungsschutzprozess gegen die Löwen Braunschweig. In diesem Zusammenhang wurde auch der Kontakt zu Dennis intensiver«, erklärt Piljaovic weiter. Calin (66), der zu diesem Zeitpunkt als Trainer und Nachwuchskoordinator in Braunschweig angestellt war, gilt als väterlicher Freund und Mentor Schröders. Calins Kündigung ist längst vom Tisch und er ist mit im Boot bei der Neuausrichtung der Löwen.

Als Schröder sich in diesem Frühjahr dazu entschloss, den Klub in Braunschweig komplett zu übernehmen, vertraute er erneut dem Gießener Anwalt. Es begann ein reger Austausch zwischen dem Basketballprofi und Piljanovic. Meist über Skype und WhatsApp lief die Kommunikation zwischen den USA und Mittelhessen. Was genau zu den Aufgaben des Juristen gehört, möchte er aufgrund der rechtsanwaltlichen Verschwiegenheitsverpflichtung aber nicht im Detail verraten. »Ich bin rechtlich beratend tätig gewesen und habe verhandelt, was ein Rechtsanwalt halt so macht«, sagt der 43-Jährige schmunzelnd. Als sicher gilt, dass Piljanovic unter anderem die Gespräche mit den drei übrigen Gesellschaftern über den Kauf deren Anteile an der GmbH geführt hat, in wesentliche Personalentscheidungen eingebunden ist und auch viel Zeit in die Zusammenstellung der Lizenzunterlagen investiert hat.

Mit Übernahme ist Job nicht erledigt

»In der Anfangsphase hatte ich als Vertreter des alleinigen Gesellschafters einiges zu tun, was in das Tagesgeschäft Auswirkung hatte, da der neue Geschäftsführer noch nicht benannt war«, sagt Piljanovic über seinen Aufwand, der nun etwas geringer werden sollte. Denn seit Dienstag ist nach etlichen Grabenkämpfen in Braunschweig die Ablösung des alten Geschäftsführers Sebastian Schmidt beschlossene Sache und in Ex-Nationalspieler Oliver Braun, der bereits von 2007 bis 2014 Sportdirektor und Geschäftsführer der Niedersachsen war, wurde ein neuer Mann an der Spitze des Bundesligisten präsentiert. »In Zukunft werde ich nicht in das Tagesgeschäft eingebunden sein, dafür sind nun der Geschäftsführer samt Backoffice zuständig«, sagt Piljanovic. Aber er wird weiter für Schröder ein Auge auf die Geschäfte haben.

Denn der NBA-Profi verfolgt mit seinem Einstieg bei den Löwen einen klaren Plan. Nicht nur, dass er ein nach Angaben der »Braunschweiger Zeitung« dickes sechsstelliges Loch geschlossen und damit eine drohende Insolvenz abgewendet hat. Er garantiert künftig zudem einen Mindesetat für die Mannschaft. »Erstmal wollen wir eine gesunde Organisation schaffen und dann mit der Region und den ganzen Sponsoren nach vorne gehen, um sich Richtung Playoffs zu etablieren. Mein großes Ziel in den nächsten paar Jahren wird sein, dass wir irgendwann ein Contender (Anwärter) auf die Meisterschaft werden. Das wird auf jeden Fall eine Herausforderung, aber nichts ist unmöglich«, sagte Schröder Mitte Juni in einem Interview bei Magentasport, in dem er auch verriet, nach seiner Zeit in der besten Liga der Welt noch einmal als Spieler für seine Heimatstadt auflaufen zu wollen: »Ich weiß natürlich noch nicht wann, aber das steht auf jeden Fall auf meiner Liste. Ich will auf jeden Fall nochmal für Braunschweig spielen.«

Weitere Mandate aus der Sportwelt

Auch Piljanovic sieht eine positive Perspektive für den Klub aus Niedersachsen: »Die Löwen haben in Dennis Schröder einen alleinigen Gesellschafter, der etwas Nachhaltiges für seine Heimatstadt aufbauen möchte. Vorteilhaft ist, dass er in der NBA selbst miterlebt, was eine Top-Organisation ausmacht. Dies möchte er in gewissen Maßen in die Bundesliga übertragen. Und Veränderung kann er nun durch seine Stellung einfacher umsetzen«, meint der Jurist, der nicht nur aufgrund seiner Arbeit für Schröder beruflich dem Basketball verbunden ist: »Neben Dennis Schröder vertrete ich noch die aus Gießen stammenden Spieler Robin Amaize, Alen Pjanic und Benedikt Turudic. Diverse Mandate aus dem professionellen Sport kommen immer wieder mal rein«, erzählt Piljanovic, der auch zur Mannschaft der Fußball-Spieleragentur »team11eleven« des heimischen Ex-Profis Claudius Weber gehört.

Und dann ist Piljanovic ja auch noch im heimischen Basketball aktiv, ist Abteilungsleiter des MTV 1846 Gießen und Trainer des Männer-Oberliga-Teams. »Um ehrlich zu sein, ist bei dem Engagement für Dennis wenig Zeit geblieben, um meine Aufgaben als Abteilungsleiter beim MTV 1846 ordentlich zu erfüllen. Hier muss ich einen ganz großen Dank an meine Stellvertreterin Petra Cramer und meine Trainer beim MTV aussprechen, die das zusammen aufgefangen haben, was ich die letzte Zeit nicht erledigen konnte«, sagt Piljanovic, für den das Spiel mit der orangen Kugel weiter ein fester Bestandteil seines Lebens ist: »Wenn du einmal mit dem Basketball-Virus infiziert bist, lässt es dich nicht mehr los.«

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