14. April 2017, 13:03 Uhr

Rückschlag für Teutonia

»Das war der Abstieg«

Wieder ein Gegentor in der Nachspielzeit, wieder unglücklich verloren – der Klassenerhalt für Fußball-Regionalligist Watzenborn-Steinberg rückt nach dem 0:1 in Trier in ganz weite Ferne.
14. April 2017, 13:03 Uhr
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Von Sven Nordmann
Niedergeschlagen liegt Teutonen-Stürmer Damjan Marceta nach der Last-Minute-Niederlage in Trier am Boden. (Foto: sno)

Die Aktionen der Teutonen nach dem Spielende im Trier Moselstadion waren geprägt von Frust. Verständlich, schließlich droht der Abpfiff am Donnerstagabend irgendwie auch zum Schlusspfiff für Watzenborn-Steinberg in der Fußball-Regionalliga Südwest zu werden. Dennis Lemke zog sich nach dem 0:1 (0:0) seiner Grün-Weißen bei Eintracht Trier alleine auf den Trainerstuhl zurück. Der Offensivspieler wollte sich nach seinem folgenschweren Fehlschuss in der 89. Minute nicht äußern.

Kapitän Jonatan Kotzke wollte sich dem erst anschließen, sagte dann aber doch zwei Sätze: »Wenn du die Tore nicht machst, kannst du nicht gewinnen. So schlecht ist kein Gegner in dieser Liga, dass er das nicht irgendwann ausnutzt.« Anschließend rauschte er schnurstracks in die Katakomben. Die »Krönung« aber lieferte Trainer Stefan Hassler, der – sicher auch getrieben von den Emotionen – den Abgesang auf seine Mannschaft anstimmte: »Das war der Abstieg«, meinte der 47-Jährige nach der Niederlage beim bis dato Tabellenvorletzten. »Die Qualität reicht einfach nicht. Wenn du in einem Spiel so viele Torchancen hast und dann wieder das späte Gegentor kassierst, dann bist du nicht ligatauglich, dann hast du in der Regionalliga nichts verloren. « Bevor Hassler seine Mannschaft schonungslos kritisierte, zündete er sich schon während der 90 Minuten eine Zigarette an, um Druck abzulassen.

Der Abstiegskrimi vor 1227 Zuschauern in Trier war in der Tat kein Spiel für schwache Nerven. Vor allem die Schlussphase war aufreibend. Dort rollte ein Teutonen-Angriff nach dem anderen auf den Trierer Strafraum, mehrere beste Möglichkeiten wurden liegen gelassen, sodass sich Kian Golafra später fragte, »ob wir innerhalb von zwei Wochen das Toreschießen verlernt haben«. Wie schon im Spiel zuvor in Nöttingen kassierten die Pohlheimer dann in der Nachspielzeit den entscheidenden Gegentreffer: Ein langer Ball genügte, um die in dieser Szene ungeordnete Teutonen-Defensive auszuhebeln, drei Trierer fanden sich frei vor Torhüter Tolga Sahin, Patrick Lienhard schoss letztlich zum umjubelten 1:0 (90.) ein.

Der Klassenerhalt rückt für Watzenborn-Steinberg nun in ganz weite Ferne. Im schlechtesten Fall beträgt der Rückstand auf den sicheren 13. Platz nach dem Oster-Wochenende acht Punkte, im besten Fall bleibt er bei fünf Zählern – bei nur noch fünf auszustehenden Spielen. »Wir stehen jetzt mit dem Rücken zur Wand. Jetzt helfen nur noch drei Siege am Stück«, meinte Kian Golafra.

Zuletzt gab’s allerdings drei Niederlagen am Stück. Nach dem Heimsieg gegen die TSG Hoffenheim II am 25. März war die Hoffnung auf den Klassenverbleib noch groß – mittlerweile ist davon nur noch wenig übrig geblieben, Trainer Hassler hat sie offenbar schon komplett verloren. Klar ist: Wer in der entscheidenden Saisonphase Duelle gegen Kassel (7.), Nöttingen (19.) und Trier (17.) allesamt verliert, steigt normalerweise folgerichtig in die Hessenliga ab. Sollten die Grün-Weißen den Klassenerhalt noch schaffen, käme aus jetziger Sicht einer Sensation gleich – die soll’s im Fußball schon öfter gegeben haben. Bundesligist FC Ingolstadt hat vorgemacht, wie man durch drei Siege in Serie zurückkommen kann.

Unglaubliche Fahrlässigkeit

Klar ist aber auch: Eine derartige Fahrlässigkeit wie am Donnerstagabend muss bestraft werden. In der 89. Minute lief die Teutonia mit drei gegen eins auf das Trierer Tor zu, als Dennis Lemke völlig überhastet aus rund 16 Metern abschloss und die Riesenchance zur verdienten Führung vergab. Schon kurz zuvor hatte Damjan Marceta (84., 86.) zwei ausgezeichnete Möglichkeiten liegen gelassen. So folgte auf der Gegenseite der Knockout in der Schlussminute. Vor allem das Ende war packend, die ersten 70 Minuten zeigten, dass zwei Abstiegskandidaten gegeneinander spielen. Wenige Aktionen wurden klar zu Ende gespielt. Bei der Teutonia lief mal wieder das heimische Außenverteidigerduo Julian Simon/Julian Scheffler auf. Der erst 20-jährige Scheffler machte seine Sache ordentlich und zeigte sich nach Spielschluss trotz aller Enttäuschung nüchtern: »Wir haben nicht schlecht gespielt, aber es fehlt die Effizienz. Hinten gibt’s einen Bock und schon steht’s 0:1. Jetzt können wir nur noch hoffen.«

Eintracht Trier: Keilmann – Riedel, Dingels, Cinar, Heinz – Zinram (76. Boesen), Garnier (86. Szimayer), Telch, Papadimitriou – Lienhard, Alawie (90. Maurer).

Teutonia Watzenborn-Steinberg: Sahin – Simon, Koutny, van Gelderen (64. Vidosevic), Scheffler – Golafra (74. Müller), Spang, Kotzke – Lemke, Azaouaghi (46. Kodes) – Marceta.

Im Stenogramm: Schiedsrichter: Osmanagic (Stuttgart). – Zuschauer: 1227. – Tore: 0:1 (90.) Lienhard.



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