05. März 2019, 16:00 Uhr

Tischtennis-DM

Climbacherin Roswita Hartmann erlebt die Tischtennis-Stars Welt hautnah

Die Climbacherin Roswita Hartmann ist internationale Schiedsrichterin im Tischtennis. Sie erlebt die Stars der Szene hautnah - auch bei den deutschen Meisterschaften in Wetzlar.
05. März 2019, 16:00 Uhr
Philipp_Keßler
Von Philipp Keßler
Die Climbacherin Roswita Hartmann ist seit Jahren als internationale Schiedsrichterin auf den Tischtennisbühnen dieser Welt unterwegs. (Foto: ras)

Als Nina Mittelham zum ersten Mal deutsche Meisterin wurde, nachdem sie am Sonntagnachmittag in der mit 3300 Zuschauern ausverkauften Rittal-Arena die große Favoritin Petrissa Solja mit 4:1 von der Platte fegte, hatte Roswita Hartmann einen Platz in der allerersten Reihe. Denn die Climbacherin war als Schiedsrichterin des Frauenfinales bei dem dreitägigen Turnier im Einsatz. Bereits in den Halbfinals von Damen und Herren hatte sie als zusätzliche Zählerin die Zuschauer bis in die letzten Ecken der Arena mit dem aktuellen Punktestand versorgt, ehe ihr großer Auftritt kam.

 
Fotostrecke: Die Tischtennis-DM in Wetzlar in Bildern


Tischtennis-DM: Roswita Hartmann hat schon (fast) alles in ihrem Sport gesehen

Für Hartmann war das nicht einmal etwas Besonderes, ist die 51-Jährige doch seit Jahren als internationale Schiedsrichterin auf den großen Tischtennisbühnen dieser Welt unterwegs. Egal, ob Weltmeisterschaften in Dortmund, Europameisterschaften in Stuttgart oder andere große, internationale Turniere wie die German Open – Hartmann war bereits bei allen dabei. Und hat dementsprechend viel schon in »ihrem« Sport gesehen. »Ich habe als Jugendliche schon früh Tischtennis gespielt, hatte dann aber eine größere Verletzung und bin 1989 zum Bezirksschiedsrichterlehrgang nach Stadtallendorf gegangen«, erzählt Hartmann, die mit der Damenmannschaft des TSV Allendorf/Lumda auch heute noch selbst als Spielerin in der Bezirksliga aktiv ist. Schnell stieg sie von der Verbands-, zur Bundes- und schließlich zur internationalen Schiedsrichterin auf. Ihre Einsätze außerhalb Deutschlands führten sie schon zu Weltmeisterschaften der Senioren nach Finnland oder nach Alicante. Aber auch in den deutschen Ligen ist sie im Einsatz, etwa in Fulda in der Bundesliga.

Das ist einfach eine ganz andere Ebene im Vergleich zu dem, was ich selbst spiele

Roswita Hartmann

»Für mich ist es immer ein tolles Erlebnis, die Stars wie Timo Boll und Co. zu schiedsrichtern und diese Spiele aus nächster Nähe zu erleben. Das ist einfach eine ganz andere Ebene im Vergleich zu dem, was ich selbst spiele«, erzählt sie. »Das ist einfach Wahnsinn, was bei diesen Spielern alles möglich ist.« Der Vorteil im Vergleich zu vielen anderen Sportarten aus ihrer Sicht: Im Tischtennis ist Fairness weiterhin ein hohes Gut. »Unfaires Verhalten ist wirklich eine Ausnahme. Im Großen und Ganzen verhalten sich die Spieler auch gegenüber uns Schiedsrichtern sehr freundlich. Da gibt es so gut wie gar keine Beschwerden«, sagt Hartmann. Small Talk mit den Profis gehört allerdings nicht auf die Tagesordnung, dafür sei die professionelle Distanz zwischen den Spielern und den Unparteiischen meistens zu groß.


Tischtennis-DM: Drei Prüfungen sind für die Schiedsrichterin nötig

Dafür herrsche aber unter den Schiedsrichtern, die sich oft schon lange kennen, ein gutes Klima. Das ist wichtig, schließlich verbringen sie oft mehrere Tage gemeinsam in der Halle und im Hotel. »Die Verfahrensweisen der Schiedsrichter sind so gleich, dass man jederzeit neue Teams zusammenstellen kann und trotzdem weiß am Ende jeder, was er zu tun hat«, erklärt die Climbacherin. »Wir sind dahingehend vom Verband sehr gut vorbereitet und entsprechend ausgebildet.« Denn die entsprechende Aufgabenverteilung zwischen dem Hauptschiedsrichter und dem Assistenten sei wichtig. Jeder müsse genau wissen, wer welche Zeiten und wer welche Punkte nimmt. »Wenn das so ist, kann man die Teams problemlos wechseln.«

Damit im Wettkampf alles klappt, müssen Schiedsrichter eine schriftliche, eine mündliche und eine praktische Prüfung absolvieren. »Diese Prüfungen sollte man nicht unterschätzen, aber ich finde es richtig, weil die Spieler einfach einen guten Schiedsrichter verdient haben«, sagt Hartmann. Mit dieser Philosophie hat sie auch ihre Tochter schon für das Ehrenamt gewinnen können – auch wenn es außer einer kleinen Aufwandsentschädigung sowie Kost und Logis keinen Lohn gebe. »Man weiß ja, worauf man sich einlässt, und dafür bekommt man tolle Spiele zu sehen«, sagt Hartmann. Das bedeutet aber auch einen vollen Terminkalender, doch daran sei die Familie gewöhnt, denn neben der Tochter sind auch ihr Mann und ihr Sohn selbst tischtennisbegeistert. »Irgendeiner von uns ist immer unterwegs«, sagt sie und lacht. »Bei mir ist es ja auch ganz unterschiedlich, wie viele Einsätze ich habe. Es macht mir aber sehr viel Spaß, denn ansonsten würde ich es gar nicht machen, zumal eben ein hohes Maß an Professionalität von uns erwartet wird.«


Tischtennis-DM: Hartmanns Sonderlob für Wetzlar und das Turnier in der Rittal-Arena

Ein Sonderlob der erfahrenen Schiedsrichterin bekamen die »Deutschen« in Wetzlar außerdem: »Das Turnier ist wirklich sehr gut organisiert, hier kann sich niemand beschweren. Ich denke, deutsche Meisterschaften wie diese brauchen sich auch auf dem internationalen Parkett nicht verstecken.«



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