27. Mai 2020, 12:00 Uhr

Frauenfußball

Bundesligaspielerin Lara Schmidt: »Wir wurden nicht gefragt«

Lara Schmidt zählt zu den wenigen Menschen in Deutschland, die derzeit zweimal wöchentlich auf Corona getestet werden. Die Cleebergerin spielt für Turbine Potsdam in der Frauenfußball-Bundesliga.
27. Mai 2020, 12:00 Uhr
Lara Schmidt kommt in der laufenden Saison der Frauenfußball-Bundesliga auf bisher vier Einsätze für Potsdam. FOTO: IMAGO (Foto: OB via www.imago-images.de (www.imago-images.de))

Corona kann auch positive Effekte haben: Lara Schmidt, die ihre mittelhessische Heimat in der Gemeinde Langgöns mit 16 Jahren in Richtung Jena verlassen hat und seitdem unter anderem 14 U19-Länderspiele für die Frauenfußball-Nationalmannschaft bestritt, schafft es im normalen Rhythmus »alle drei Monate einmal nach Hause«.

Durch die coronabedingte Unterbrechung von Frauenfußball-Bundesliga und Studium an der Uni Potsdam blieb die 19-Jährige von Ende März an ganze fünf Wochen lang in Cleeberg. »Das war eine sehr schöne Zeit, weil ich das so schon lange nicht mehr hatte. Ich habe mit meinen Eltern oft Fahrradtouren gemacht, wir haben viel gekocht.«

Fit gehalten hat sich Lara Schmidt auch - seit dem 18. Mai nun befindet sich Turbine Potsdam, Tabellenfünfter, wieder im Mannschafstraining, an diesem Wochenende sollen auch die besten Fußballerinnen Deutschlands unter strengen Hygienekontrollen einen Anlauf unternehmen, die unterbrochene Saison bei für die meisten Teams noch sechs auszutragenden Partien auf dem grünen Rasen zu Ende zu bringen.

Seit dem vergangenen Sonntag befindet sich die Cleebergerin mit ihren Teamkolleginnen in einem Potsdamer Hotel in Quarantäne - von dort aus schildert Schmidt im Telefongespräch ihre Gedankenwelt.

Frau Schmidt, der Deutsche Fußball-Bund hat entschieden, dass die Saison in der Frauenfußball-Bundesliga am 29. Mai fortgesetzt werden soll, elf von zwölf Vereinen haben sich dafür ausgesprochen, bei einer Enthaltung. Wie sieht Ihre Meinung als betroffene Spielerin aus?

Ich sehe das mit gemischten Gefühlen, um ehrlich zu sein. Wir waren zwei Monate komplett raus, konnten uns nur individuell fit halten. Wir werden vor dem Start nun zwei Wochen im Mannschafstraining gewesen sein und haben dann mehrere englische Wochen vor uns. Das Verletzungsrisiko wird dadurch ungleich höher.

Ist Ihre Befürchtung, sich durch die lange Pause zu verletzen größer, als sich möglicherweise mit dem Coronavirus anzustecken?

Das würde ich so sagen, ja. Noch ist die Wissenslage rund um das Virus dünn, aber ich denke, dass ich bei einer möglich Infektion gut durchkommen würde. Meine Sorge ist eher die körperliche Belastung für die Spielerinnen. Unser Verein steht noch im Viertelfinale des DFB-Pokals, bei idealem Verlauf wären das inklusive Finale drei zusätzliche Spiele. Zudem sollen sechs Spieltage bis zum 28. Juni absolviert werden. Das muss der Körper nach einer langen Auszeit vom Mannschaftstraining erst einmal wegstecken.

Seit Sonntag befinden Sie sich in Quarantäne, das Hygiene-Konzept gleicht dem der 1. und 2. Männer-Bundesliga. Wie nehmen Sie die Umstände und die Testungen wahr?

Wir werden seit der Einführung des Mannschaftstrainings zweimal wöchentlich getestet, täglich wird eine Fiebermessung vorgenommen. Einer der beiden wöchentlichen Tests muss immer am Tag vor dem Spieltag stattfinden. Im Hotel haben wir kein Kontakt zum Personal, sind quasi auf einer Etage abgeriegelt. Die Maßnahmen, um uns zu schützen, empfinde ich schon als gut. Und da ich BWL studiere, kann ich mir die Zeit auch gut vertreiben.

In der Männer-Bundesliga gab es kritische Stimmen von Spielern, u.a. von Neven Subotic, die mangelnde Einbeziehung in die Entscheidung beklagten.

Das kann ich für die Frauen-Bundesliga bestätigen. Auch wir Spielerinnen wurden nicht gefragt. Wir sind diejenigen, die das auszuführen haben. Ein bisschen traurig ist das schon.

Der DFB wirbt durch den geplanten Start der Frauen-Bundesliga mit gelebter Gleichbehandlung.

Es ist an sich auch schön, wenn die Frauen genauso wieder randürfen wie die Männer. Der Solidarfonds des DFB und die Unterstützung für Frauen und 3. Liga zeigen: Es ist möglich, dass alle an einem Strang ziehen. Es wäre schön, wenn die Gleichberechtigung nicht nur in Krisenzeiten zu sehen wäre. Denn letztlich kann man die 1. und 2. Männer-Bundesliga nicht mit uns vergleichen - das sind zwei verschiedene Welten.

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