11. März 2020, 07:00 Uhr

Leichtathletik

Betty Will lotet gerne ihre Grenzen aus

Betty Will läuft gerne - am liebsten ausdauernd. Die Heuchelheimerin will unbedingt über 10 km die 40-Minuten-Marke knacken. Das dürfte für die Langstreckenspezialistin kein Problem werden. Sie ist in allem sehr zielstrebig.
11. März 2020, 07:00 Uhr
Mal entspannen - die Langstreckenläuferin Betty Will. FOTO: PRIVAT

Betty Will ist bei den heimischen Volksläufen ein gern gesehener Gast. Die 23-Jährige, die für den TSV Krofdorf-Gleiberg startet, sicherte sich erst kürzlich mit enormem Vorsprung den Gesamtsieg bei der beliebten und traditionsreichen Pohlheimer Limes-Winterlaufserie - mit einem Hattrick: Sie gewann über 10- und 15 km sowie über die Halbmarathonstrecke. Betty Will studiert Lehramt für Gymnasien mit den Fächern, Sport, Biologie und Deutsch. In Weilburg gibt sie Vertretungsunterricht im Rahmen der Unterrichtsgarantie plus. Sie agiert zielbewusst und lotet im Sport gerne ihre Grenzen aus, wie sie im Interview verrät.

Warum haben Sie sich ausgerechnet diese Fächer für das Studium ausgesucht?

Sport ist bei mir ja nahe liegend. Bio hat mich schon immer interessiert. Ich hatte erst überlegt, etwas in Richtung Sportwissenschaften zu machen. Deutsch mochte ich auch schon immer. Das habe ich dazu genommen, damit ich ein Hauptfach habe, falls ich mal eine eigene Klasse bekomme.

Wann hat Sie der Laufvirus befallen?

Früher habe ich geturnt. Über Freunde bin ich anschließend in Heuchelheim zur Leichtathletik gekommen - mit den Schwerpunkten Sprint und Weitsprung. Dann bin ich zum Langsprint - 400 m Hürden - und nach Wetzlar gewechselt. Ich hatte irgendwann keine Zeit mehr, regelmäßig dort hinzugehen, und bin danach ins Zuhauselaufen übergegangen. Es folgten die längeren Strecken.

Warum haben Sie sich für den Wechsel von Kurz- auf Langstrecke entschieden?

Die Langstrecke liegt mir. Beim Sprint habe ich irgendwann gemerkt, dass ich trotz des Trainings nicht mehr so viel rausholen kann. Und bei der Langstrecke sieht man schnell Erfolge.

Sind Sie schon einen Marathon gelaufen?

Ja. In Frankfurt. Der Wettkampf war schön, aber das ist mir einfach von der Strecke her zu lang .

Was sind Ihre bevorzugten Laufstrecken?

Fünf und zehn Kilometer hauptsächlich.

Sind Sie süchtig nach dem Laufen - im positiven Sinn?

Ja schon. Wenn ich abschalten muss oder will, dann laufe ich. Ich merke auch, dass ich unruhig bin, wenn ich mich nicht auspowern kann.

Das konnten Sie sich sicherlich beim Strongmanrun auf dem Nürburgring - was beinhaltet er?

Von dem besonderen Lauf hatte ich durch Trainingskollegen, die daran teilgenommen hatten, schon oft gehört. Mit Freunden habe ich mich dann letztlich dafür angemeldet. Er ist 24 km lang und beinhaltet 40 Hindernisse.

Und wie strapaziös war der Lauf?

Mehr strapaziös als ich erwartet hatte. Der Lauf an sich war für mich gut machbar, allerdings haben die Temperaturen - zwei Grad - und das Wetter es deutlich schwieriger gemacht. Die Muskeln wurden gar nicht richtig warm, was schweren Muskelkater an den Tagen danach zur Folge hatte.

Wie ging es Ihnen danach?

Ziemlich durchgefroren und erschöpft. Schwere Beine und großen Hunger - aber natürlich auch glücklich und stolz, im Ziel zu sein.

Nach was haben Sie sich als Erstes gesehnt?

Nach einer heißen Dusche und einem ausgiebigen Abendessen.

Wollen Sie so etwas noch einmal machen?

Irgendwann bestimmt, aber dann mit besserem Wetter. Vielleicht ein Lauf, der landschaftlich etwas mehr zu bieten hat als der Nürburgring, dafür in einem kleineren Rahmen. Das Anstehen vor den Hindernissen war nicht so schön.

Haben Sie einen Hang zum Extremen?

Einen Hang zum Extremen würde ich es nicht nennen, aber den Wunsch, neue Dinge auszuprobieren und die eigenen Grenzen auszutesten.

Warum haben Sie wilde Länder und die Berge als Lieblingsziele?

Natur ist der Ort, wo ich am besten abschalten und mich entspannen kann. In den Bergen genieße ich neben der Aussicht vor allem die Ruhe und frische Luft - kein Verkehr, kein Handy. Ich bin auch kein Fan von Strand- und Poolurlaub, sondern bin auch im Urlaub gerne aktiv und lerne am liebsten andere Orte kennen, die man so noch nie gesehen hat.

Sie wollen über 10 km die 40 Minuten-Marke knacken? Wie wollen Sie das angehen und was ist Ihre Bestzeit?

40:28 Minuten vom Adventslauf 2019. Beim Stadtlauf in Gießen 2017 bin ich einmal 40:10 Minuten gelaufen, da die Strecke aber immer als zu kurz erachtet wird, zähle ich ihn nicht so wirklich mit. Jetzt nach den längeren Wettkämpfen im Winter wird wieder mehr Tempotraining eingebaut. Besonders Tempodauerläufe - die mache ich sehr ungern - wären sinnvoll, um mein 5-km-Tempo auch auf längeren Strecken zu halten.

Sie haben die 3000-m-Hindernisläuferin Gesa Krause als sportliches Vorbild - warum?

Man kann sich mit ihr sehr gut identifizieren - ähnliches Alter und Wohnort. Und ich bewundere sie, wie sie kontinuierlich und immer mit einem Lächeln ihre Ziele verfolgt. Im Alltag ist sie eine ganz normale junge Frau, das macht sie so sympathisch.

Und Dirk Nowitzki als Vorbild allgemein - warum das?

Trotz seines Erfolges ist er immer bodenständig geblieben und einfach unglaublich sympathisch.

Als eine Ihrer Schwächen nennen Sie Ungeduld. Wie zeigt sich das in Ihrem Sport?

Im Sport zerbreche ich mir schnell den Kopf, wenn etwas nicht so läuft wie geplant oder Körper und Kopf nicht mitspielen. Auch wenn ich weiß, dass manchmal einfach die Tagesform ausschlaggebend ist. Im Alltag bin ich allgemein geduldiger.

Ihre Lieblingsserien sind King of Queens und Game of Thrones. Was fasziniert Sie daran?

King of Queens habe ich früher zusammen mit meiner Familie geschaut, kenne ich mittlerweile in- un auswendig und bringt mich immer noch zum Lachen. Gegen Game of Thrones hatte ich mich erst lange gewehrt - da es jeder geschaut hat, konnte nach den ersten beiden Folgen dann aber doch nicht mehr aufhören.

Gibt es ein spezielles Ritual vor Ihren Läufen oder vielleicht ein spezielles Essen?

Zum Frühstück dürfen Haferflocken nicht fehlen, entweder als Pfannkuchen oder im Müsli zusammen mit Obst. Vor langen Läufen - über 10 km - kaue ich ein Stück Ingwer als Beruhigung für den Magen.

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