14. September 2019, 16:00 Uhr

Basketball-Bundesliga

Berlins Vision ist klar zu erkennen

Letzte Saison war Alba Berlin kurz davor, Meister, Pokalsieger und Eurocup-Sieger zu werden. Am Ende blieben viele Komplimente und keine Trophäen für die Vitrine. Ob das nun besser wird?
14. September 2019, 16:00 Uhr
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Von Martin Vogel
An Ruhestand ist nicht zu denken: Der 72-jährige Trainer Aito Garcia Reneses will mit Alba Berlin in dieser Saison Titel gewinnen. (Foto: dpa)

Einmal Bayern München, einmal Bamberg, einmal Valencia - dreimal nur Silber für Berlin. Dennoch ist die Saison als Erfolg für die Basketballer von der Spree zu werten, da sie die Qualifikation für die Euroleague schafften und nun zum ersten Mal seit 2015 wieder im höchsten europäischen Wettbewerb an den Start gehen.

Die Lage: Alba Berlin ist die Avantgarde des deutschen Basketballs. Mit dem spanischen Einschlag, der NBA-reifen Halle und dem durchgehenden Jugendkonzept ist es vielleicht der klarste Topklub im deutschen Basketball; ein Verein, dessen Vision klar zu erkennen ist. Dass die Berliner das schafften, nachdem sie nach dem Aufstieg von Bayern München und der Dominanz von Bamberg zwischenzeitlich ein bisschen den Anschluss verloren hatten und eher wie der grummelige alte Mann des deutschen Basketballs wirkten, ist eine nicht zu unterschätzende Leistung.

Das Team: Marco Baldi und Co. schafften es im Sommer, fast die komplette Mannschaft zu halten: Peyton Siva, Luke Sikma und Niels Giffey verlängerten ihre Verträge, dazukamen mit dem Schweden Marcus Eriksson (Gran Canaria/Spanien), Makai Mason (Baylor, NCAA) und Tyler Cavenaugh (Utah Jazz, NBA) drei starke Neuzugänge. Wehtat der Abgang von Franz Wagner: Der Flügelspieler war bereits vor seinem 18. Geburtstag fester Bestandteil der Berliner Rotation, entschied sich aber gegen einen Verbleib an der Spree und trat in die Fußstapfen seines Bruders Moritz: Er schrieb sich an der University of Michigan ein. Dass man Joshiko Saibou nach Bonn ziehen ließ, verschafft Spielern wie Mason, aber auch Jonas Mattisseck, Kenneth Ogbe und dem aufgrund seiner schweren Verletzung schon fast vergessenen Stefan Peno mehr Spielzeit. Auf dem Flügel ist man mit Eriksson, Giffey, dem litauischen Nationalspieler Rokas Giedraitis und dem Isländer Martin Hermannsson gut aufgestellt, unter dem Korb räumen Landry Nnoko, Johannes Thiemann, Tim Schneider, Sikma und Cavenaugh auf.

Der Coach: In diesem Sommer war Aito Garcia Reneses das letzte Puzzleteil für die Berliner - bis dahin stand bereits die gesamte Mannschaft. Doch der 72-Jährige, der 1976, und damit noch zwei Jahre vor dem bislang letzten Gießener Meistertitel, erstmals in seiner Heimat Spanien als »Trainer des Jahres« ausgezeichnet wurde, unterschrieb noch einmal - trotz der Aussicht, die anstrengenden Reisen quer durch Europa in der Euroleague antreten zu müssen.

Stärken und Schwächen: Die Albatrosse spielen mit den schönsten Basketball der Liga, sind offensiv kaum zu stoppen und eingespielt. Zwei Faktoren dürften den Saisonverlauf aber erheblich beeinflussen. Einerseits die Megabelastung Euroleague: 34 zusätzliche Spiele, 17 davon in ganz Europa verteilt. Wie fokussiert sind die Berliner an einem Sonntag gegen Gießen, wenn man Dienstags in Madrid und Donnerstags in Moskau antreten musste? Die jungen Spieler werden vor allem in der Bundesliga viel Verantwortung übernehmen dürfen und müssen. Dazu die Erfahrung, fünf Finals in Folge verloren zu haben: Kann Luke Sikma in den entscheidenden Spielen der Mann für die Berliner sein?

»Player to watch«: Es kommt nicht häufig vor, dass Fans erstmals von einem Spieler hören, wenn er für die A-Nationalmannschaft ihres Landes berufen wird, aber bei Makai Mason war das für fast jeden deutschen Basketballfan so. Der Guard spielte damals, 2016, noch für Yale an der Seite des Ex-Gießeners Justin Sears und wurde aus dem Nichts ins DBB-Team berufen. Insgesamt 15-mal trug er den Adler auf der Brust, unter anderem beim 93:58 über Portugal in der Osthalle. Nachdem er sein letztes College-Jahr an der Baylor University verbrachte, holten die Berliner Mason im Sommer für zwei Jahre an die Spree. Es wird spannend zu sehen sein, ob sich der Sohn einer Deutschen und eines Amerikaners wieder in Richtung der Nationalmannschaft spielen kann. Immerhin, mehr Fans dürften ihn dann kennen.

Die Prognose: Die Berliner bleiben die Nummer zwei im Land und bringen genug Qualität für das Finale mit. Können sie die Euroleague nutzen, um daran zu wachsen, könnten sie den Bayern den Titel streitig machen. Laugt die Europa-Tournee hingegen zu sehr aus, sinken die Chancen auf die erste Meisterschaft seit 2008 beträchtlich.



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