26. August 2017, 16:10 Uhr

Wetzlarer Premiere

Auswärts in Gummersbach

Endlich geht es wieder los: Die HSG Wetzlar startet am Sonntag in ihre 20. Saison in der Handball-Bundesliga. Das Auftaktspiel zur ungewohnten Anwurfzeit um 12.30 Uhr steigt beim VfL Gummersbach.
26. August 2017, 16:10 Uhr
Philipp_Keßler
Von Philipp Keßler
Muss einmal mehr mit gutem Beispiel vorangehen und seine HSG Wetzlar beim Bundesliga-Auftakt in Gummersbach führen: Spielmacher Filip Mirkulovski. (Foto: dpa)

Erwartungen sind der Anfang von Enttäuschungen«, sagt der Wetzlarer Trainer Kai Wandschneider vor dem Bundesliga-Auftakt seiner Mannschaft beim VfL Gummersbach. Er will, dass seine Spieler mit dem buddhistischen Anfängergeist an die Aufgabe herangehen und möchte daher nichts von einer Favoritenrolle wissen. Dabei stehen die Zeichen für einen Auswärtssieg im Bergischen Land so gut wie lange nicht.

In Gummersbach herrscht zu Saisonstart maximal Zweckoptimismus. Zu schlecht lief die vergangene Saison, in der gerade so der Abstieg verhindert wurde, zu dünn ist die Personaldecke mit den prominenten Verletzten, darunter der Ex-Wetzlarer Linksaußen Kevin Schmidt (Knorpelschaden im Sprunggelenk), Neuzugang Maximilian Hermann (Schulterverletzung) und Spielmacher und Neu-Kapitän Simon Ernst (Kreuzbandriss) – um nur die prominentesten Ausfälle zu nennen, und zu groß ist der personelle Umbruch insgesamt, denn mit Julius Kühn ging nicht nur der beste Torschütze des Teams zur MT Melsungen, gleich fünf weitere Abgänge hat der Verein zu verkraften. Hinzukommt, dass auch Trainer Dirk Beuchler erst seit Januar im Amt ist.

Immerhin: Der Verein hat auf die angespannte Personalsituation reagiert und den Linksaußen Marvin Sommer aus Leipzig verpflichtet, der mit sieben Treffern im Finale des DHB-Pokal-Erstrundenturniers am Wochenende das Ausscheiden gegen Zweitligist HSG Saarlouis zwar nicht verhindern konnte, aber immerhin sofort einschlug.

Baustellen in eigenen Reihen

»Natürlich hat Gummersbach mit Kühn seine Gallionsfigur verloren, aber Sommer ist ein starker Außen, Josef Pujol ist ein glänzender Spielmacher und Moritz Preuss am Kreis eine echte Verstärkung«, sagt Wandschneider und schlägt damit eher leise Töne an. Stärkster Trumpf der Gummersbacher ist ohnehin Nationaltorwart Carsten Lichtlein, der »uns schon manches Mal den Zahn gezogen hat. Da müssen wir geduldig und ruhig bleiben, auch wenn er uns nervt«.

Trotz allen Umständen, die seiner Mannschaft einen Vorteil verschaffen könnten, sieht Wandschneider vielmehr die Baustellen in seinen eigenen Reihen. Die Langzeitverletzten Joao Ferraz und Maximilian Holst würden zwar Fortschritte machen, seien aber noch nicht auf dem Niveau vor ihrer knapp einjährigen Zwangspause.

Zudem bräuchte auch Youngster Olle Forsell Schefvert noch Zeit, um sich an das Tempo und die Härte in der Bundesliga zu gewöhnen, und auch mit dem zweiten Halb-Linken, Alexander Hermann, müsse – wie in der ganzen Mannschaft – das Zusammenspiel noch feinjustiert werden. Die größte Baustelle ist aber zweifellos die Verletzung von Abwehrchef Evars »Ebbe« Klesnik, über dessen Bandscheibenvorfall in der kommenden Woche die Entscheidung fallen wird, ob er nicht doch operiert werden muss. »Es sieht so aus, als wenn er uns sehr, sehr lange fehlen wird«, sagt Wandschneider und schließt mittlerweile sogar eine Nachverpflichtung für den lettischen Abwehrhünen nicht mehr aus.

Bis dahin aber hat er ein Problem: »Ebbe ist neben Filip Mirkulovski einer der zwei Chefs, an denen sich alle orientieren«, sagt der Trainer. Für Klesniks muss am Sonntag wie schon im Pokal Kreisläufer Anton Lindskog neben Stefan Kneer im Mittelblock ran, Forsell Schefvert ist Backup. Das schränkt jedoch die taktischen Möglichkeiten in der Defensive ein. »Beim 3:3 war Ebbe der einzige, der das hinten in der Mitte geregelt bekam und das 5:1 war im Pokal eine einzige Katastrophe.« Deshalb bildete die Abwehrarbeit auch einen Schwerpunkt in der Trainingswoche vor dem Auftakt.

Wandschneider will Chance nutzen

All das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass die Wetzlarer es mit einer Mannschaft zu tun bekommen, die in diesem Jahr einzig und allein gegen den Abstieg spielen wird. Gerade das macht Wandschneider Sorgen »Gummersbach steht unter massivem Druck, da geht es ums nackte Überlegen. Das ist für beide Teams ein Big-Point-Spiel. Wir wollen dort gewinnen, aber Gummersbach muss es zu Hause. Es wird ein Spiel, das in den Köpfen entschieden wird. Da haben wir auf jeden Fall eine Chance.«

Die zu nutzen wäre wichtig, denn es folgen mit dem Heimspiel gegen Minden, der Auswärtspartie in Hannover und dem Derby gegen Hüttenberg drei weitere richtungsweisende Spiele für die HSG, die bei erfolgreichem Abschneiden Kai Wandschneider, dem »Meister der Motivation und der taktischen Analyse« (Handballwoche), etwas Ruhe verschaffen würden, auch in dieser Runde wieder eine Wetzlarer Truppe zu formen, die für positive Überraschungen gut ist.



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