21. Oktober 2015, 13:29 Uhr

Ausgesprochen Henni

(htr) Hendrik "Henni" Nachtsheim über Finanzen, Spritzen und VW.
21. Oktober 2015, 13:29 Uhr

Hallo Herr Nachtsheim, ich gebe Ihnen ein ganz böses Wort: Abstiegskampf. Können Sie damit etwas anfangen?

Henni: Ja, für einen langjährigen Fan, der schon vier Abstiege miterlebt hat, ist das so ähnlich, wie wenn einem der Arzt erklärt, dass das Magengeschwür wieder da ist. Man hat gehofft, es kommt nicht mehr, aber man fällt jetzt auch nicht gleich in Ohnmacht deswegen, weil man eben schon Erfahrung damit hat.

Ich gebe Ihnen noch ein Wort und Zahlen dazu: 1:5, Platz 13.

Henni: Das ist es, was ich an Ihnen so schätze. Nicht nur, dass Sie den Finger auf die Wunde legen, Sie bohren am Liebsten auch noch drin rum.

Zum vorläufigen Abschluss nur Wörter, fünf Spiele, null Siege.

Henni: Genau das mein ich! Wundenbohrer!

Es ist, wie es ist. Vor Wochen noch in den Himmel gelobt, nun zum Teufel gejagt. Gibt es bei der Eintracht immer nur Himmel oder Hölle, heiß oder kalt?

Henni: Noch hat niemand die Mannschaft oder den Trainer zum Teufel gejagt. Aber diese extremen »Temperatur-Unterschiede« sind Ausdruck einer Mentalität. Die Mannschaft ist nach dem Köln-Spiel wie schon des Öfteren an der »Megalomania sine causa« erkrankt, das ist eine vor allem in Hessen weitverbreitete Krankheit. Übersetzt »Größenwahn ohne Grund«.

Auf was für ein Wechselspiel der Gefühle müssen sich die zahlreichen treuen Fans in dieser Saison vermutlich einstellen? Viele von ihnen haben am Samstag vorzeitig das Stadion verlassen, andere blieben noch eine Weile und haben gepfiffen. Was haben oder hätten Sie gemacht?

Henni: Ich hatte Glück und durfte mit Badesalz in Idar-Oberstein spielen. Als wir auf die Bühne gegangen sind, kannte ich nur den Halbzeitstand, das Endergebnis habe ich dann erst nach dem Auftritt erfahren. Wenn du gerade zufrieden von der Bühne kommst, erreicht dich so ein Ergebnis nicht so, wie wenn du zum Beispiel im Stadion live dabei bist. Gewissermaßen ein Privileg meines Berufes!

Trainer Armin Veh sagte nach dem 1:5, er möchte Taktik und Aufstellung für das nächste Spiel gegen Hannover über den Haufen werfen. Warum nicht auf den Haufen?

Henni: Weil man Dinge, die auf dem Haufen liegen, immer noch sieht. Wirft man sie aber über den Haufen, bleiben sie dahinter liegen und man sieht sie eben nicht. Was red ich hier eigentlich…?

Sie erlauben einen Schwank, sorry Schwenk zum Thema aller Themen. Der DFB soll bei der Vergabe der WM 2006 nach Deutschland kräftig nachgeholfen haben. Reichen denn zum Beispiel Adidas-Bälle, Puma-Schuhe und original Kuckucksuhren aus dem Schwarzwald wirklich aus, um den Tatbestand der Bestechung zu erfüllen?

Henni: Das kommt auf die Menge an. Wenn Sie zum Beispiel einem ärmeren Land eine Million Kuckucks-Uhren schenken, kann das schon was bewirken.

Im Ernst, es ist die Rede von 6,7 Millionen Euro. Damit lässt sich auf diesem Niveau kein Staat machen. Allerdings, hätten Sie 6,7 Millionen für Eintracht Frankfurt zur Verfügung, wie würden Sie die Finanzspritze investieren?

Henni: Natürlich würde ich versuchen, die deutsche Meisterschaft zu kaufen. Oder zumindest einen Platz unter den ersten vier. Wobei ich befürchte, dass das kohletechnisch nicht langt.

Apropos Finanzen und Spritzen. Einspritzer. Diesel. VW. Wolfsburg. Selbst der Vorzeigesponsor scheint keiner mehr zum Vorzeigen zu sein.

Henni: Ja, es ist schon interessant wie schnell das geht. Eben noch der gepamperte Vorzeigeverein mit den Megaperspektiven, und auf einmal wackelt das Zukunftsgebäude bedenklich. Ich bin echt gespannt, wie das dort weitergeht!

Müssen jetzt alle Bundesligisten bibbern, die einen Autohersteller als Hauptsponsor auf der Brust tragen?

Henni: Ich befürchte ja!

Welcher Hauptsponsor würde momentan am besten zur Frankfurter Eintracht passen?
a) Nutella, b) Birkenstock, c) Fielmann.

Henni: Ich würde »ILS« vorschlagen. Das ist eines der größten Zentren für Fernstudien. Wenn die Mannschaft so weiterspielt, wäre es für den ein oder anderen Spieler vielleicht ganz nützlich, sich schon mal nach beruflichen Alternativen umzuschauen.

Zum Schluss vielleicht noch ein Tipp von Ihnen. Armin Veh will ja nun das Spielsystem ändern. Haben Sie da eine Idee?

Henni: Ich wäre für das gute alte »Vornne nei!« Damit haben wir seinerzeit mit unserer Musiker-Mannschaft »Flamenco Kamasutra« gut zwei Drittel unserer Spiele gewonnen. Jeder, der von uns im Mittelfeld den Ball bekommen hat, hat ihn blind nach vorne gedroschen, dann laut »Vornne nei!« gerufen und dann sind bis auf den Torwart alle nach vorne gerannt!

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