30. September 2015, 13:51 Uhr

Ausgesprochen Henni

(htr) Hendrik "Henni" Nachtsheim über Mentalität, Qualität und die FIFA.
30. September 2015, 13:51 Uhr

Hallo Herr Nachtsheim, sehen Sie es mir bitte nach, aber das überraschendere und prickelndere Bundesliga-Unentschieden am Sonntag war jenes in Dortmund, oder?

Henni: Da gebe ich ihnen, wenn auch unter gewissen Schmerzen, recht! Das in Frankfurt war eher eins aus der Abteilung »Na ja...«, das in Dortmund eines der Kategorie »Das gibt’s doch gar nicht!«

Und sehen Sie mir es bitte nach, dass ich mich ausnahmsweise zuerst bei Ihnen danach erkundigen möchte, was Sie von den Darmstädtern derzeit halten?

Henni
: Der eifersüchtige Eintracht-Fan in mir blickt neidisch zu ihnen rüber, der Fußball-Liebhaber in mir ist allerdings begeistert!

»Mentalität schlägt Qualität«, sagte Peter Niemeyer von den »Lilien« nach dem 2:2, das geht momentan auf. Ein Rezept auch für andere Vereine?

Henni
: Ja, es war ja schon immer ein legitimes Mittel, mangelnde spielerische Klasse durch Kampfgeist auszugleichen. Wenn Du den feinen Diagonal-Pass oder das elegante Dribbling nicht beherrschst, dann solltest du wenigstens die gute alte Blutgrätsche oder das ebenfalls sehr effektive »In die Eier petzen« draufhaben.

Beim Frankfurter 1:1 gegen die Berliner Hertha, wer oder was stand dort für Mentalität und wer oder was für Qualität?

Henni
: Ich finde schon, dass die Eintracht von der Spielanlage eine gewisse Qualität hat, es fehlt derzeit nur der letzte Wille, die guten Phasen des Spiels auch mit Toren zu krönen. Es gibt ein altes hessisches Fußball-Gedicht, das die derzeitige Situation recht passend beschreibt. Es stammt von Willy Bichelmeier, Trainer der SG Heppenheim von 1944-1949 und lautet: »Ei was nutzt uns dann die scheenste Raut, wenn mer vorne die Chance versaut?« Dem ist nichts mehr hinzufügen!

Ganz sicher für Mentalität und Qualität steht Alexander Meier, der seinen vierten Saisontreffer erzielt hat.

Henni
: Er ist ein Phänomen, etwas ganz Besonderes. Genau genommen ist Alex Meier die »Blaue Mauritius« unter den Comeback-Spielern. Und die ist im Besitz von Eintracht Frankfurt!

Noch ein Wort zu Meier, zunächst von ihm selbst über sich auf die Frage, ob er sich noch Hoffnungen auf sein Nationalmannschaftsdebüt mache: »Ich bin zu alt und damit beschäftige ich mich nicht. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.« Was haben Sie dazu zu sagen?

Henni
:  Da hat er recht! Außerdem vergrößert sich bei einer fußballerischen Zweitbeschäftigung die Verletzungsgefahr, von daher habe ich Jogi Löw in einem Brief persönlich drum gebeten, Alex Meier nicht mal gedanklich in den erweiterten Kreis zu holen!

Sie haben doch immer was zu sagen, was sagen Sie zur Entwicklung im Fall FIFA-Präsident Sepp Blatter?

Henni
: Im Moment denken ja alle, dass er nun doch endlich bald dran ist und sie ihn doch noch überführen … aber wahrscheinlich mogelt er sich da auch wieder noch raus, und statt Platini ihn ablöst, löst er Platini ab und ist plötzlich Chef der FIFA und UEFA. Und übernimmt noch die Leitung des Roten Kreuzes!

Wenn sie eine Rangfolge aus Mafia, FIFA und Camorra erstellen müsste, wie sähe die aus? Oder haben sie ganz spontan noch andere Kandidaten zur Hand?

Henni
: Sagen wir es so, über die FIFA habe ich mich zumindest in den letzten Jahren mehr aufgeregt als über die Mafia. Wobei es auch in der Unterhaltungsbranche haufenweise Drecksäcke gibt, das dürfen Sie mir glauben!

Was ist in der noch jungen Bundesliga-Saison der bisher größte Irrtum?

Henni
: Dass Huntelaar »een lecker Jong« ist! Er ist ein heimtückischer… Kerl.

Kurios, der unkündbare Lucien Favre geht von selbst und plötzlich gewinnen die Gladbacher? Ist das erklärbar?

Henni
: Nicht wirklich. Aber ich erinnere mich noch, wie der Opa eines Freundes gestorben ist. Danach war seine Oma plötzlich auch wie befreit und hat noch mal ordentlich Gas gegeben!

Können Sie uns bitte wenigstens erklären, was Stuttgarts Sportvorstand Robin Dutt bei seiner Verteidigungsrede für Trainer Alexander Zorniger meinte: »Der Trainer ist nicht das Problem, sondern die Lösung.«

Henni
: Was soll ich denn da erklären. Das bedeutet so viel wie »Er ist nicht die Frage, sondern die Antwort!« Oder »Er ist nicht der Fehler, sondern die Korrektur!« Oder »Er ist nicht der Schmutz, er ist Meister Propper!« Also so in etwa ...

Ich verabschiede mich jetzt, auch wenn ich glaube, dass das Problem erst der Beginn einer Lösung ist.

Henni
: Komisch, und ich dachte immer, dass Sie der ständig wiederkehrende Beginn eines Problems sind, aber da hab ich mich dann wohl geirrt. Dann bis zum nächsten Mal!

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