02. Mai 2019, 17:33 Uhr

Athletik ist wichtig für das Golfen

Von wegen mal einen lockeren Spaziergang machen und dabei mit einem Schläger Bälle von A nach B befördern. Golfen erfordert Fitness. Auf einer 18-Loch-Runde werden zwischen 100 und 200 Schwünge absolviert, dabei legen die Spieler bis zu zehn Kilometer zurück und sind über vier Stunden unterwegs.
02. Mai 2019, 17:33 Uhr
Athletiktrainer und Physiotherapeut Dirk Lösel zeigt eine Übung mit dem Band zur Verbesserung der Schulter- und Brustwirbelsäulenmobilität (Chop & Lift). (Foto: privat)

Nicht nur die Profis müssen an ihrer Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer und allgemeinen Fitness arbeiten, sondern auch die »Normalgolfer«. Wobei es den Begriff für den Physiotherapeuten Armin Köhring mit Praxis in Buseck nicht gibt. Der 51-Jährige unterteilt ihn in verschiedene Kategorien: den ambitionierten Amateur; den jugendlichen Amateur; den Amateurgolfer ohne körperliche Beeinträchtigungen und den Amateur mit körperlichen Beeinträchtigungen (z. B. künstliche Gelenke, fortgeschrittene Arthrosen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen).

Dirk Lösel (Physiotherapeut und Athletiktrainer aus Wettenberg), der seit über zehn Jahren Golftrainer in ganz Europa im Bereich Athletik schult, hebt hervor, dass regelmäßig an den Bausteinen Mobilität und Stabilität gearbeitet werden sollte. Beide stellen unisono fest, dass es sinnvoll ist, wenn Golflehrer, Physiotherapeuten, Fitnesstrainer, Orthopädie-Techniker und Ärzte zusammen mit dem Golfer arbeiten.

? Warum ist Athletiktraining im Golfsport so wichtig?

»Zunächst vor dem Hintergrund der Verletzungsprophylaxe: Man weiß aus aktuellen Studien, dass acht von zehn Golfern regelmäßig mit Rücken- und Schulterproblemen zu kämpfen haben. Nicht verwunderlich, wenn man sich vor Augen führt, dass ein guter Spieler bis zu 3000 Watt Leistung bei einem Drive erzielt. Die Energie hierfür kommt zu 60 Prozent aus dem Rumpf und den Beinen. Die Wirbelsäule stellt hierbei den sensibelsten Punkt dar. Vor allem der Übergang der Lendenwirbelsäule zur Brustwirbelsäule ist durch die Rotation beim Schwung speziell betroffen«, erläutert Lösel. Vor allem beim Downswing, bei dem der Schlägerkopf mit 160 km/h und mehr bewegt werde, als auch beim Backswing komme es zu Spitzendruckbelastungen auf die Wirbelsäule vom Achtfachen des eigenen Körpergewichtes (beim Joggen bis zum Dreifachen). Die Rotationsbewegungen in Schultern und Hüfte seien enorm und eine Einschränkung der Beweglichkeit, insbesondere in der Brustwirbelsäule und in den Schultern, führe oft zu Verletzungen oder Überlastungen, so Lösel weiter.

Für ihn ist ein zweiter Aspekt, bei dem sowohl Mobilität als auch Kraft eine große Rolle spielen, die Schlaglänge. Mehr Schlaglänge werde unter anderem dadurch generiert, dass man mehr Mobilität im Rumpf brauche, um den Oberkörper gegenüber dem Becken aufdrehen zu können. Um zum Zweiten aus diesem mehr an Bewegung schneller beschleunigen zu können, wird zudem ein höheres Kraftpotenzial benötigt.

? Der Golfschwung ist komplex. Was ist aus Sicht des Physiotherapeuten in Bezug auf die körperliche Fitness von Golfern von Bedeutung?

»Was jeder Golfer braucht, sind möglichst bewegliche und gut funktionierende Gelenke, Muskeln, Faszien, gutes Gleichgewicht, eine gewisse kardiovaskuläre Grundausdauer, eine gute Hand-Auge-Koordination«, erklärt Köhring. Seines Erachtens sei ein Fitnesstraining ab einer gewissen Spielstärke unabdingbar. Zum Profigolf gehöre es unbedingt dazu. Der Weltranglistenerste Dustin Johnson trainiert fünf- bis sechsmal pro Woche im Fitness-Studio, gibt Köhring als Beispiel an.

Lösel weist zudem auf das Aufwärmen hin, bei dem die Muskulatur auf die folgende Belastung vorbereitet wird. Schwerpunkt hierbei sei die Aktivierung der Hüftmuskulatur, eine Mobilisierung der Innen- und Außenrotation der Schultern sowie die Mobilisation der Brustwirbelsäule. Im Cool Down gehe es dann hauptsächlich darum, den Tonus der Muskulatur nach der Belastung zu regulieren, sodass eine Detonisierung der Brustmuskulatur und der Schulterrotatoren bei gleichzeitiger Aktivierung der Gegenspieler erreicht werde. »Zu guter Letzt funktioniert dies alles nur, wenn unsere Atmung das System aus Belastung und Entlastung optimal unterstützt. Deshalb öffnet und schließt jede Trainingssession bei mir mit einer Atemübung«, sagt Lösel.

? Welche Tipps gibt es vom Physio für einen normalen Golfer bezüglich Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer und der allgemeinen Fitness?

Für Köhring liegt das auf der Hand: »Möglichst wenig Sitzen! Viel Sitzen führt zu einer enormen Schwächung des wichtigsten Golfmuskels – des großen Gesäßmuskels«, konstatiert der Bu- secker Physio, der selbst auf den Golfplätzen in Lich und Winnerod unterwegs ist. Beim Bauchmuskeltraining sollte vor allem die schräge Bauchmuskulatur beansprucht werden. »Treppen steigen statt Aufzug fahren, zu Fuß Golf spielen, ein golfspezifisches Training mit dem eigenen Körpergewicht, wenn möglich ein golfspezifisches Krafttraining zweimal pro Woche unter fachkundiger Anleitung«, gibt Köhring weitere Ratschläge.

? Welche Ratschläge geben die Head-Pros aus Lich und Winnerod zusätzlich?

Für Uwe Tappertzhofen (Head-Pro Licher Golfclub) und Uwe Wagener (Head-Pro GC Winnerod) ist in Verbindung mit den Golfstunden unter anderem im Bereich Schwungtraining von enormer Bedeutung, dass mit den richtigen Schlägern gespielt wird. »Obwohl viele Spieler schon bei einem Fitting waren, sind doch Schlägergruppen wie Eisen, Hybride, Fairwayhölzer und Driver nicht harmonisch abgestimmt und daher nicht gut mit einer Golfbewegung zu bedienen. Ein falscher Schläger im Bag kann sehr viel ruinieren«, stellt Tappertzhofen fest. Und sein Kollege aus Winnerod Wagener stimmt dem zu und fügt an: »Eine Sache muss auf jeden Fall stabilisiert und verbessert werden – das ist der Smash, die Mittigkeit des Treffens. Dazu hilft das Fitting enorm.« In Sachen Mentaltraining sind sich beide ebenfalls einig. Es sei ein unterschätzter Bereich. »Viele denken, dass sei nur was für Profis. Dabei ist die mentale Stabilität elementar wichtig«, so der Licher Golflehrer Tappertzhofen. Wagener spricht diesbezüglich auch den richtigen Umgang mit Ängsten, Nervosität und Enttäuschungen an. Natürlich helfen die Pros, wo sie können. Aber die meisten seien keine ausgebildeten Mentaltrainer.

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