03. August 2019, 16:00 Uhr

Radsport

Annett Förster auf dem »Trip meines Lebens«

»Annett, du hast gewonnen, den Trip deines Lebens zur Tour de France.« Der Anruf ließ den Puls von Annett Förster höher schlagen: Am Schlusstag der Tour in Paris als Gast eines der Profiteams.
03. August 2019, 16:00 Uhr
Annett Förster aus Lahnau beim Tour-Finale in Paris vor dem Eiffelturm. (Foto: privat)

Dem ersten »Schock« folgte gleich die »riesige Freude«, als Annett Förster per Telefon darüber informiert wurde, beim Cannondale-Gewinnspiel »Der Trip deines Lebens« gewonnen zu haben. Bei der letzten Etappe der Tour de France in Paris mittendrin statt nur dabeisein zu dürfen, davon hatte die Lahnauerin nicht mal zu träumen gewagt. Doch unverhofft kommt oft.

Und schon ging es los. Ein Taxi brachte die Verkäuferin und Einkäuferin von Delta Bike Sports in Gießen-Wieseck um 5 Uhr morgens zum Frankfurter Flughafen. Und nach nur 45 Minuten im Flieger hatte Förster in der französischen Hauptstadt wieder festen Boden unter den Füßen. Etwas flau war ihr trotzdem im Magen: »Respekt hatte ich schon vor dem Trip, da ich weder Französisch noch besonders gutes Englisch kann. Aber die Angst wurde mir genommen, da ich jederzeit meinen deutschen Kontakt hätte anrufen können, auch hatte ich mir eine Übersetzer-App auf mein Handy gezogen.«

Allerdings wurden der in ihrer Freizeit inzwischen vermehrt mit dem Mountainbike fahrenden Förster die Befürchtungen schnell genommen. Am Flughafen wartete schon »Jean-Philipp auf mich, ein Cannondale-Guide, der europaweit Schulungen durchführt«. Gleich wurde in Paris das Radgeschäft Kilomètre 0 angesteuert, wo das Testrad der Supersix-Evo-Reihe für die Tour am Sonntag auf die Körpermaße der Mittelhessin angepasst wurde. »Meine Pedale wurden montiert, meine Sitzhöhe eingestellt. Natürlich habe ich mir dort die Trikots, Helme und Schuhe und natürlich die Räder angeschaut. Ein schöner kleiner feiner Laden.«

Weiterfahrt ins Hotel Castille de Paris. »Wow, da fühlte ich mich gleich wie ein Star.« Danach kam es noch zum Treffen mit den beiden anderen Gewinnern aus England und den USA sowie den Verantwortlichen von Cannondale (»alle sehr nett, dank meines Übersetzers gab es auch kein Problem mit der Verständigung«). Nach dem Lunch im Hotel fiel die Lahnauerin gegen 23 Uhr »hundemüde« ins Bett, ein ereignisreicher Tag sollte auf die 40-Jährige warten. Nicht allerdings, ohne sich vorher über die Ereignisse der auf 59,5 km verkürzten 20. Etappe von Albertville hinauf nach Val Thorens informiert zu haben, bei der sich 2014-Tour-Sieger Vincenzo Nibali (Italien) vor Weltmeister Alejandro Valverde (Spanien) den Tageserfolg sicherte. Rigoberto Uran (Kolumbien) vom Team EF Education First belegte übrigens zeitgleich mit Emanuel Buchmann (Bora-hansgrohe) Rang sechs.

Nach dem Treffpunkt um 7.30 Uhr in der Lobby folgte der »gemeinsame Marsch durch Paris« zum Bike-Laden Kilomètre 0. Dort angekommen, schnell umgezogen und rauf aufs Rad. Start frei für das Abenteuer mit den Rennrad durch Paris: »Unser Guide führte uns zum Frühstück in ein kleines Bistro, und danach fuhren wir kreuz und quer durch Paris zu den verschiedenen Sehenswürdigkeiten. Besonders aufregend war die Passage über das Kopfsteinpflaster, von allen Sehenswürdigkeiten war natürlich der Eiffelturm das Highlight für mich. Knapp 50 Kilometer auf einem so tollen Rad durch Paris, das war sehr atemberaubend.« Denn schon wenige Stunden später würden die Profis teilweise den gleichen Asphalt unter ihre Räder nehmen - die 21. und letzte Etappe von Rambouillet über 128 km nach Paris warf dabei schon überall in der Stadt ihre Schatten voraus.

Doch zunächst stand nach einem Stopp im Hotel ein Besuch der US-Botschaft auf der Agenda. »Es gab eine Gästeliste, in die man sich einschreiben konnte und den Reisepass vorzeigen musste. Dann folgte eine Körperdurchsuchung, alles in Ordnung, ich darf rein, Glück gehabt.«

Auch wenn die Vorfreude auf die baldige Ankunft der Buchmann, Uran und Geraint Thomas (England) von Minute zu Minute wuchs, hielt das Bauwerk die Lahnauerin immer noch gefangen: »Ich glaube, ich bin die ersten zehn Minuten nur mit offenem Mund rumgelaufen.« Doch es sollte noch besser kommen, als sie den Balkon der US-Botschaft betrat: »In diesem Moment war mir klar, das ist der Trip deines Lebens und das ist einmalig für mich als Radsportlerin. Der Blick hinunter zur Champs Élysées, einfach nur unglaublich.«

Und überall in der Botschaft waren zudem Fernseher aufgestellt, um ja nichts zu verpassen. Dabei sah die auch schon den Dünsberg-Mountainbike- oder Black-Forest-Marathon absolvierende Förster, wie sich Tour-Sieger Egan Bernal (Kolumbien), Thomas und der drittplatzierte Steven Kruijswijk beim »Showlaufen« auf dem Weg nach Paris gegenseitig beglückwünschten.

Die Spannung stieg unaufhörlich, und als die Werbekarawane an der US-Botschaft vorbeigezogen war, rückte der Moment aller Momente näher. Sie kommen, sie kommen - flugs hatte Förster das Handy gezückt, um bei der ersten Durchfahrt Videos zu drehen und Fotos zu schießen. »Danach habe ich einfach jede Runde auf dem Balkon genossen. Diese Euphorie auf der Straße, sogar jene in der Botschaft, einfach nur unglaublich«, fühlte sich die »Delta-Bikerin« mitten im Herzen des Radsport-Kosmos, wobei der Australier Caleb Ewan um Millimeter vor Dylan van Groenewegen (Niederlande) über den Zielstrich huschte.

In das Innere der Botschaft gebeten, gaben Videorückblenden noch einmal Zeugnis vom Tour-Auftreten des Teams EF Education First, eine Frage-und-Antwort-Runde überbrückte die Zeit, bis das Profiteam um Uran, Simon Clarke (Australien), Mike Woods (Kanada) und Sebastian Langeveld (Niederlande) unter tosendem Applaus die US-Botschaft betrat. »Es war eine sehr lockere Atmosphäre. Die Stars vom Team mischten sich unter die Gäste und waren natürlich jederzeit für Bilder bereit.« Danach folgte in einem Bistro eine Aftershow-Party bis in die Morgenstunden, alle Teammitglieder samt Familien waren auch dabei. »Und irgendwann fiel ich ins Bett. Wachte wieder auf, frühstückte ausgiebig und machte mich auf den Weg zurück in die Heimat.«

Die Bilder bleiben derweil unvergessen, und es soll auch nicht der letzte Besuch bei der Tour de France gewesen sein: »›Der Trip deines Lebens‹, das was auch der Trip meines Lebens, die Stadt, die Menschen, das Hotel, die Radtour durch Paris auf einem unfassbar guten Rad, die US-Botschaft und dann die Tour de France. Das alles hautnah mitzuerleben, die Menschen, die hinter Education First und Cannondale stecken, kennenzulernen, das war überwältigend.«

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