23. Januar 2019, 07:00 Uhr

Turnkunst

Akrobatik der Extraklasse: »Feuerwerk der Turnkunst« in Wetzlar begeistert

Rappelvoll ist die Rittal-Arena in Wetzlar, auf der Showfläche jagt ein Höhepunkt den nächsten. Es ist Mitte Januar – das »Feuerwerk der Turnkunst« ist wieder zu Gast.
23. Januar 2019, 07:00 Uhr
Das »Feuerwerk der Turnkunst« hat viele Höhepunkte zu bieten, so auch die Vorführung des Spaniers Saulo Sarmiento an der Flying Pole, dem fliegenden Mast. (alle Fotos: Rainer Schmidt)

Bereits seit 32 Jahren auf Tour, darf das »Feuerwerk der Turnkunst« als erfolgreichste Turnshow Europas angesehen werden. Da bleibt es natürlich nicht aus, dass die Macher auch mit Anfragen von Artisten, Künstlern und Turnern aus aller Welt konfrontiert werden. »Wir können da eigentlich aus dem Vollen schöpfen«, lässt Regisseurin Heidi Aguilar wissen, und Produktionschef Wolfram Wehr-Reinhold schränkt schon im Vorfeld ein: »Natürlich muss eine Darbietung zu unserem jeweiligen Tournee-Titel passen.« Will heißen, die Warteliste ist gefüllt.

Tournee-Titel? »Connected« heißt das Zauberwort für die Tournee 2019, die am 29. Dezember in Oldenburg startete und am kommenden Sonntag in der Köln-Arena ihren krönenden Abschluss finden soll. Dort, wo die deutschen Handballer parallel zur Turnshow in Wetzlar am Montag einen furiosen 22:21-Sieg über Kroatien vor 19 250 Zuschauern feierten und heute Abend im letzten Hauptrundenspiel Spanien vor der Brust haben.

 
Fotostrecke: Turnshow

Rittal-Arena ausverkauft

Zurück nach Wetzlar, zu »Connected« – in Verbindung gebracht. Das Motto der 2019er-Tour steht dabei auch für die Kraft der Verschmelzung, für die Verbindung der einzelnen Protagonisten auf der Showfläche und nicht zuletzt für das Einswerden der Artisten mit dem Publikum. Natürlich war die Rittal-Arena ausverkauft, und natürlich ist der Funke auf die voll besetzten Ränge sofort übergesprungen. Allerdings sei auch angemerkt, das im zweiten Teil der Show ein wenig die tänzerischen Elemente überwogen haben, während der erste Block als ausgewogener empfunden wurde und auch mehr Höhepunkte zu bieten hatte.

Wie beim »Feuerwerk der Turnkunst« üblich, durfte mit der Mädchen-Wettkampfgruppe des TV Wallau ein hessischer Vertreter den bunten Reigen eröffnen und wusste mit einer beeindruckenden Tanzchoreografie Appetit auf mehr zu machen. »Alle Jahre wieder«, begrüßte Ulrich Müller, der Vizepräsident des Hessischen Turn-Verbandes, das Publikum und verabschiedete sich mit einer Empfehlung an Alt und Jung: »Treiben Sie Sport.«

 

Waghalsig auf dem Schleuderbrett

Außerordentlich gut gelungen ist dem aktuellen »Feuerwerk der Turnkunst« die Vernetzung der einzelnen Programmteile, wobei das Turnfest-Showteam, Musiker Ryk, Comedian und Tänzer Poppin Greg sowie Hip-Hoper Philip Mulamba und Sängerin Diana Montaya immer wieder kurzweilige Brücken zu den Showacts schlugen, beziehungsweise diese flankierten. Ein erster Höhepunkt war gleich zu Beginn der in seinem Multi-Schlappseil nur scheinbar gefangene Alexander Weibel Weibel, der sich perfekt zwischen Chaos und Klarheit durch das Seilgestrüpp bewegte und auch noch die Muße fand, unter höchster Körperanspannung Geige zu spielen. Die beiden Polizeibeamten Daniel Schmidt und Tom Nowak folgten mit einer rasanten Trampolin-Show und zeigten eindrucksvoll auf, was Gleichzeitigkeit im Turnen bedeuten kann. Nationalmannschaftsturner Helge Liebrich und Rhönrad-Weltmeister Marcel Schawo lieferten sich unter tatkräftiger Mithilfe des Showteams einen Schlagabtausch, ehe das Team Circolombia mit seinem Russischen Barren ein wahres Feuerwerk abbrannte: Vom Liveauftritt der Sängerin Diana Montoya untermalt, entfachte die atemberaubende Flugshow Begeisterungsstürme auf den Zuschauerrängen. Nicht minder spektakulär die folgende Darbietung von Jules & Jérôme auf dem Schleuderbrett – die jungen Franzosen, die ihr Handwerk im »Cirque Eloize« erlernten, kombinierten ihre waghalsige Akrobatik mit Slapstickeinlagen und gehörten zweifelsohne zu den Höhepunkten von »Connected«.

Apropos Höhepunkte, die folgten Schlag auf Schlag bis zur Pause. Die Jonglierkünstler von »Diabolo Walker« schleuderten ihre Diabolos mit einer Affengeschwindigkeit durch Raum und Zeit und verkörperten mit ihren Zusammenspiel fliegender Rollen perfekt das Tour-Motto »Connected«. Das Partnerduo Alex & Felice verzückte das Publikum mit einer hoch emotionalen Tanzeinlage. Und Saulo Sarmiento, der auf den Kanaren geborene Spanier und mit dem Cirque Du Soleil Special Price dekorierte Artist, setzte mit seinem Vortrag an der Flying Pole dem ersten Durchgang die Krone auf, als er perfekte Körperbeherrschung am fliegenden Mast präsentierte.

 

Auf, neben und unter dem Trampolin

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Das Team Diabolo Walker verkörpert eindrucksvoll das Tour-Motto »Connected«.

Immer wieder spielte die »Connected«-Tour nicht nur auf die Vernetzung und Verschmelzung an, sondern auch auf die Reizüberflutung mittels ständiger Handy-Erreichbarkeit. Poppin Greg holte per Anruf Professor Wacko nach der Pause aus dem Publikum, der mit seiner Slapstick-Nummer auf, neben und unter dem Trampolin durchweg für Lacher im Publikum sorgte. Parallel-Akrobatik mit dem ukrainischen Duo Ignatov/Ganzyuk auf Handstandklötzen sowie ein mit Feuerfontänen untermalten Tonnentanz der Dancefloor Destruction Crew (DDC) folgten, ehe Ryk und Felice einen Tanz auf dem Klavier zelebrierten. Circolombia mit einem zweiten Auftritt mit Wurfakrobatik, erneut die DDC aus Schweinfurt mit Breakdance zu Jodelmusik und Helge Liebrich am Barren im Zusammenspiel mit dem Showteam führten den bunten Reigen fort. Höchste Körperbeherrschung war anschließend gefragt, als Leidy & Victor den Balance-Akt »Perch-Ring« darboten. Dabei balancierte Victor auf dem Kopf ein ringförmiges Metallgerüst, in dem seine Partnerin turnte. Lidar, Yannay, Efraim und Daniel, die vier Weltmeister der Sportakrobatik, lockerten tänzerisch die Stimmung nach dem zuvor hoch konzentrierten Beitrag wieder auf und stimmten auf den dritten Auftritt der DDC ein, wobei der Vortrag der Schweinfurter von gesprochenen Texten perfekt untermalt wurde.

 

Turkeev in luftiger Höhe

Natürlich durfte ein Höhepunkt zum Abschluss nicht fehlen, das Duo Turkeev hatte leichtes Spiel, mit seinen akrobatischen Einlagen an den Strapaten in luftiger Höhe das Publikum zu begeistern. Dass sie neun Jahre Teil der Cirque-du-Soleil-Show »Corteo« waren, das glaubt man ihnen gern. Übrigens: Neun Jahre müssen die heimischen Turnfreunde nicht auf das nächste Wiedersehen mit dem »Feuerwerk der Turnkunst« warten. Unter dem Titel »Opus« gastiert die beliebte Turnshow am 13. Januar 2020 wieder in Wetzlar.

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