12. Mai 2018, 07:00 Uhr

Neumühle

Abschied von der Neumühle

Fritz Walter und Rudi Völler spielten schon an der Neumühle. Am Samstag tritt die erste Mannschaft des SC Teutonia Watzenborn-Steinberg zum letzten Mal an der Neumühle an.
12. Mai 2018, 07:00 Uhr
So wird man die Neumühle im Ligabetrieb heute zum letzten Mal sehen. Die Tribüne und das VIP-Zelt sollen abgebaut werden. (Foto: fro)

Am heutigen Samstag endet eine mehr als 85-jährige Geschichte an der Neumühle. Zum letzten Mal wird die erste Mannschaft des SC Teutonia Watzenborn-Steinberg im heimischen Pohlheim auflaufen. Nach der Hessenligasaison geht’s für den neuen FC Gießen ab dem Sommer im Gießener Waldstadion weiter.

»Da schwingt Wehmut mit«, meint Reinhard Schmandt, der in nahezu jeder erdenklichen Form von Spieler, Trainer und Jugendleiter bei der Teutonia aktiv war. »An der Neumühle hängen ganz, ganz viele Erinnerungen, die nicht so schnell verblassen.« Sein Vater Heinrich Schmandt war Gründungsmitglied 1926. Fünf Jähre später wurde die Neumühle fertiggestellt.

Anfang der 60er-Jahre ging es auf den jetztigen Rasenplatz »hoch«. Schon kurz zuvor erlebte der Verein an der Stelle des jetzigen Kunstrasenplatzes eines seiner größten Highlights. Der damals äußerst populäre 1. FC Kaiserslautern gastiert in Pohlheim. Mit dabei im Teutonen-Team: Der heute 90-jährige Karl Sommer.

»Die sind 1953 mit der kompletten Mannschaft hierher gekommen: Horst Eckel, Fritz Walter...Und zwei Jahre später sind sie Weltmeister geworden.« Das 2:15 vor 6000 Zuschauern sei eines der sportlichen Highlights an der Neumühle gewesen. »Danach haben wir zusammen gefeiert, ich saß zwei Stunden neben Fritz Walter, das waren ganz normale Typen wie wir auch.« Nur eine von vielen Anekdoten, die die heimische Spielstätte zu bieten habe.

Aus Verbundenheit zur Tradition haben viele Mitglieder nach der Bekanntgabe des neuen Vereinsnamen FC Gießen daher auch um eine Erweiterung in der Satzung gebeten, in der der Name Teutonia weiterhin existiert. Diesem wurde Rechnung getragen.

Nicht nur Fritz Walter spielte an der Neumühle, auch Rudi Völler lief mit der damaligen B-Jugend-Hessenauswahl in Pohlheim auf. »Viele Gespräche mit der Stadt um entsprechende Fördergelder, viele tolle Spiele vor großer Kulisse und ganz viele Feiern im Sportheim« würden Schmandt in Erinnerung bleiben.

Dass der Schritt zur Bündelung der Kräfte mit dem VfB 1900 Gießen notwendig sei, daran hat der 70-Jährige keinen Zweifel. »Wenn Jörg Fischer 2008 den Verein nicht übernommen hätte, würde die Teutonia jetzt wahrscheinlich in der B-Klasse spielen.«

Stattdessen ging es für die Grün-Weißen im Sommer 2016 sogar in die Regionalliga Südwest. Der Aufstieg vor über 2000 Zuschauern vor ziemlich genau zwei Jahren war ein weiteres Highlight der Neumühle, die nach diesem Wochenende peu a peu an Glanz verlieren wird.

Die mobile Stehplatztribüne wird nach der heutigen Hessenligapartie (15 Uhr) abgebaut, auch das VIP-Zelt soll planmäßig mit ins Waldstadion wandern. Künftig werden noch die zweite Mannschaft des FC Gießen und die Jugend in Pohlheim spielen. Für die erste Mannschaft soll es ab dem Sommer im Waldstadion weitergehen. Schmandt freut sich auch auf diese Zeit, stellt aber klar: »Die Heimat der Teutonia wird immer die Neumühle bleiben.«

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