07. Juni 2018, 12:00 Uhr

Handball

Abbas Kaplan beendet in Heuchelheim aktive Zeit - Ein Hintertürchen lässt er offen

Ein Leben ohne Sport? Für Abbas Kaplan undenkbar, doch nun, mit 35 Jahren, ist für den Bezirksoberliga-Handballer der TSF Heuchelheim Schluss. Er hängt seine Handball-Schuhe an den Nagel.
07. Juni 2018, 12:00 Uhr
Abbas Kaplan von den TSF Heuchelheim (mit Ball) beendet seine Laufbahn. (Foto: se)

Als Siebenjähriger kam Abbas Kaplan nach Deutschland, lebte in der ersten Zeit bei einem Onkel, ehe ein Jahr später seine Eltern aus der Türkei nachkamen. Zunächst wohnte er in Fellingshausen, später ließ sich die kurdische Familie jesidischen Glaubens mit ihren insgesamt acht Kindern – sechs Jungen, zwei Mädchen – in Heuchelheim nieder. Die Familie Kaplan wurde hier nicht nur bekannt, sondern wohl auch wegen ihrer Freundlichkeit sehr beliebt.

Und die Kinder machten etwas, was ihnen für ihr späteres Leben zum Vorteil gereichen sollte: Sie suchten den Kontakt zu gleichaltrigen Deutschen und bildeten keine eigene Gruppe. Und in welchem Bereich klappt die Integration am besten? Natürlich im Sport. Abbas Kaplan betrieb Leichtathletik, spielte Tischtennis und Fußball in Heuchelheim. Durchaus mit Erfolg. »Irgendwann hat mich ein Freund überredet, mit in die Halle zu gehen«, berichtete er. Der Anfang einer erfolgreichen sportlichen Laufbahn.

Zunächst aber verliefen seine sportlichen Ambitionen zweispurig: Bei der SG Kinzenbach mit den Trainern Lars Damm und Peter Bubbel spielte er Fußball, bei den TSF Heuchelheim (erste Trainer Karin Schwarz und Holger Schmidt) Handball. Mit den Heuchelheimer Handballern ging es später steil nach oben. Es folgten Aufstiege von der Bezirksoberliga in die Landesliga und dann in die Oberliga. 2010 wechselte Abbas Kaplan zur HSG Wettenberg (Landes- und Oberliga) und kehrte vor zwei Jahren zurück zu seinen sportlichen Wurzeln.

Es gab in den vergangenen Jahren zwar immer wieder Vorfälle, in denen er von Zuschauern in fremden Hallen verbal attackiert wurde, doch Kaplan misst dem keine allzu große Bedeutung bei. »Es gibt immer mal Spiele, in denen der Gegner provoziert wird«, stellt er fest. Mit dem Titelgewinn der TSF in der Bezirksoberliga sind die Heuchelheimer wieder in einer Klasse auf Ebene des Hessischen Handball-Verbandes vertreten. Der Rechtshänder Abbas Kaplan hat als Rechtsaußen keinen geringen Anteil am Meistertitel. Eine ungewöhnliche Konstellation. »Als bei uns in der Mannschaft der Rechtsaußen gefehlt hat, hatte der Trainer gefragt, wer das jetzt machen will. Ich habe aus Eifer – denn ich wollte spielen – Ja gesagt.«

Mit Folgen: »In der ersten Zeit hatte ich nach jedem Spiel blaue Flecken«, berichtete er. Doch nach und nach ist er in diese Position hineingewachsen, sodass er lieber auf seiner inzwischen angestammten als auf der Position des Linksaußen spielt. Mit dem Meistertitel seiner Mannschaft in der Bezirksoberliga hat Abbas Kaplan das gewünschte Ziel erreicht, doch die Früchte dieser Arbeit wird er nicht mehr ernten, jedenfalls nicht direkt. Kaplan beendet nach rund 23 Jahren seine aktive Laufbahn als Handballer.

In beruflicher Hinsicht hat Abbas Kaplan einiges erreicht und nach seinem Dienst bei der Bundeswehr bei der Volksbank Mittelhessen eine Lehre zum Bankkaufmann absolviert, sich später zum Fachwirt weitergebildet und danach noch ein Betriebswirtschaftsstudium abgeschlossen. Inzwischen wohnt er in den eigenen vier Wänden. Kaplan hat sich mit seiner Frau, einer Architektin, ein schmuckes, geschmackvoll eingerichtetes Eigenheim gebaut und damit den gemeinsamen Kindern Silas und Mira ein Heim geschaffen, in dem man sich wohlfühlt.

Der 35-Jährige beendet zwar seine aktive sportliche Laufbahn, bleibt den TSF Heuchelheim aber dennoch erhalten. In der kommenden Saison wird er als »Co« dem TSF-Trainer Claus Well zur Seite stehen. Und wenn es in personeller Hinsicht einmal eng wird beim Landesliga-Aufsteiger? Keine Frage, Abbas Kaplan lässt die Mannschaft nicht im Stich. Dann streift er sich noch einmal das Trikot über und hilft seinen Teamkollegen. Davon kann man ausgehen.

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