02. Januar 2021, 07:00 Uhr

Gießen 46ers

46ers wollen dritten Sieg in Folge holen

Noch ist nicht alles gut, aber vieles ist sehr viel besser. Die Gießen 46ers haben mit einem Jahresendspurt ihre Anhänger begeistert - und wollen das auch am Samstag gegen Göttingen.
02. Januar 2021, 07:00 Uhr
Ihre Muskeln spielen lassen möchten Brandon Bowman und seine 46ers-Kollegen (vorne Frankfurts Quantez Robertson) in der Osthalle auch gegen Göttingen. FOTO: FRIEDRICH

Gießen 46ers


Es macht wieder Spaß, die Spiele der Gießen 46ers anzuschauen. Auf der Facebook-Seite des Basketball-Bundesligisten überschlagen sich die 46ers-Fans mit Lob und Komplimenten nach dem 75:74-Sieg im Hessenderby gegen Frankfurt am Mittwoch. Am Samstag (18 Uhr/MagentaSport live) möchten die Gießener gegen die BG Göttingen sofort nachlegen - und einen weiteren Schritt aus dem Tabellenkeller machen. »Die Mannschaft hat durch die beiden Siege auch das nötige Selbstvertrauen«, sagt Interimstrainer Rolf Scholz, der sein Team auch am Silvesterabend und am Neujahrstag zum Training bat.

Der Blick zurück: Was für ein Spiel - was für ein Happy End. Der Sieg im Hessenderby hat gezeigt, zu was die Mannschaft im Stande ist, wenn sie am oberen Limit agiert. Vor allem in der Verteidigung haben die 46ers unter Scholz mächtig zugelegt, sie agieren viel konsequenter und körperbetonter und kassieren dadurch deutlich weniger Punkte als noch unter Ingo Freyer. Was der Interimstrainer außerdem geschafft hat: Sein Team ist flexibler, spielt mit mehr Struktur im Angriff und fällt in brenzligen Situationen nicht mehr auseinander. »Ich sage den Jungs immer wieder: Es ist ein Teil des Basketballs, dass auch die Gegner immer mal wieder einen Run haben. Es ist die Frage, wie man damit umgeht. Und wir haben uns nicht unterkriegen lassen von den guten Momenten von Frankfurt«, blickt Scholz zurück.

Das neue Wir-Gefühl: »Wichtig ist, dass wir eine Gruppe werden«, sagte Scholz am 18. Dezember nach seinem Debüt bei der Niederlage gegen Chemnitz im Kellerduell. Allem Anschein nach, hat er es geschafft, dass die Mannschaft zusammengerückt ist. Gegen Frankfurt war richtig Leben auf der Bank. Die Spieler sprangen nach gelungenen Aktionen auf, sie jubelten und feuerten ihre Kollegen auf dem Feld immer wieder an. Die Mannschaft zeigte das, was die 46ers-Anhänger vor allem sehen möchten: Teamgeist, Kampf und Leidenschaft.

Die T-Frage: Angesichts der Terminhatz hat es noch keine Gespräche zwischen Sportdirektor und Geschäftsführer Michael Koch und Interimstrainer Scholz über eine endgültige Klärung der Trainerfrage gegeben. »Wir haben vereinbart, dass wir nach dem Berlin-Spiel (10. Januar) und auf dem Weg dahin in entsprechende Gespräche einsteigen«, erklärt Scholz, der die erste Januar-Woche noch regulären Urlaub hat. Wie es danach weitergeht für den Polizeibeamten, ist also offen.

Die Lage: Die 46ers stehen mit 4:16 Punkten nach wie vor auf einem Abstiegsplatz (17.) - vor Vechta (0:20) und hinter Göttingen (4:14). Bonn, Frankfurt, Würzburg und Chemnitz mit je drei Siegen sind in direkter Reichweite der Gießener. »Nach den beiden Siegen gegen Bayreuth und Frankfurt müssen wir die Emotionen, das Kämpferherz und die Art und Weise, wie wir Basketball spielen, mit ins neue Jahr nehmen. Es ist ein weiteres wichtiges Spiel im Abstiegskampf, aber nach den beiden letzten Leistungen sollte uns in dieser Hinsicht nicht bange werden«, blickt Sportdirektor Koch optimistisch voraus.

Der Gegner: Die personell gebeutelte BG Göttingen steckt in einer Krise. Die letzten sechs Begegnungen haben die Niedersachsen - zum Teil allerdings knapp - verloren, in Bonn gab es zuletzt eine deftige 87:102-Niederlage. »Wir haben in der Defensive viele Probleme und werden im Eins-gegen-eins zu leicht geschlagen«, schimpfte Trainer Roel Moors nach der Partie am 27. Dezember in der »HNA« und forderte vom Team: »Wir müssen unsere Mentalität ändern.« Besonders aufpassen müssen die 46ers auf den erfahrenen mexikanischen Pointguard Jorge Gutierrez (12,3 Punkte/5 Assists im Schnitt) sowie den athletischen und sprunggewaltigen Center Tai Odiase (2,06 m), der es auf durchschnittlich 16,1 Punkte und 6,1 Rebounds bringt. Zusammen mit Flügelspieler Aubrey Dawkins (14,8 Punkte) tragen sie die Hauptverantwortung im Angriff der BG, die im Oktober im BBL-Pokal mit drei Siegen ins Final Four eingezogen war - und unter anderem die 46ers nach Verlängerung mit 123:119 bezwungen hatte. Allerdings fehlten bei den Gießenern seinerzeit Jonathan Stark und Brandon Thomas. Scholz sagt: »Die Göttinger sind eine Mannschaft, die uns individuell überlegen ist - wie viele Mannschaften in der BBL.«

Personelles: Den Veilchen fehlt weiterhin Aufbauspieler und Topscorer Luke Nelson mit einem Muskelbündelriss, Mathis Mönninghoff musste in den letzten Partien wegen eines doppeltem Bänderrisses passen. Bei der BG gab es bislang schon reichlich Bewegung im Kader, zuletzt verpflichteten die Veilchen am ersten Weihnachtstag den US-Aufbauspieler Deishuan Booker (23). Er kommt vom polnischen Erstligisten Anwil Wloclawek und soll am Samstag bei seinem Debüt in der Osthalle vor allem für mehr Kreativität im Angriff sorgen. Bei den 46ers sind alle Mann an Bord.

Das sagen die Göttinger: »Gießens Stärken liegen zuerst in der Offensive. Sie haben viele Spieler, die im Eins-gegen-eins kreieren können, und einige gute Werfer«, wird BG-Co-Trainer Thomas Crab auf der Internetseite des Klubs zitiert. »Zudem schneiden sie sehr gut zum Korb. Das können alle ihre Spieler, sodass man am besten Augen auf dem Rücken haben müsste, um sie am Punkten zu hindern.«

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