16. Februar 2021, 07:00 Uhr

Basketball-Bundesliga

46ers-Trainer Scholz: »Es wird sehr, sehr schwer«

Vier Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz, mit Ausnahme der Partie in Oldenburg keine konstanten Leistungen. Bei den Gießen 46ers ist es zum Abschluss der Vorrunde nicht rund gelaufen.
16. Februar 2021, 07:00 Uhr
Noch viel Arbeit vor sich haben 46ers-Trainer Rolf Scholz und seine Spieler Diante Garrett und Chad Brown (im Hintergrund), der allerdings auf unbestimmt Zeit ausfallen wird. FOTO: FRIEDRICH

Gießen 46ers


Am Tag nach der 78:95-Niederlage gegen Hamburg kam die nächste Hiobsbotschaft für die Gießen 46ers: Der abstiegsbedrohte Basketball-Bundesligist muss auf unbestimmte Zeit auf den im Januar verpflichteten Center Chad Brown verzichten. Er leidet an einer »akut schmerzhaften Wirbelsäulenerkrankung« und unterzieht sich einer stationären Therapie, heißt es in einer Mitteilung. »Es ist wohl ein leichter Bandscheibenvorfall«, präzisierte Trainer Rolf Scholz. »Jetzt kommt es darauf an, wie die Schmerztherapie anschlägt. Es kann sein, dass er ein paar Tage oder Wochen ausfällt. Es kann aber auch sein, dass es für Chad eng wird, in dieser Saison noch einmal spielen zu können.«

Team lernt nicht aus den Fehlern

Der Trainer schaut mit gemischten Gefühlen zurück auf die Wochenendspiele mit dem 97:93-Sieg in Oldenburg am Freitag und der vermeidbaren Niederlage gegen Hamburg am Sonntag. »Hätte mir einer vorher gesagt, wir holen aus diesen beiden Spielen einen Sieg, hätte ich gesagt: Ja, da bin ich dabei«, sagte der 40-Jährige. Dass aber sein Team gegen die Hanseaten nach einer 46:41-Pausenführung derart den Faden verlor, sorgt für Frust. Scholz’ Erklärungsversuch dafür: »Hamburg ist eine gute Mannschaft, die die Intensität erhöht hat, ähnlich wie es andere Mannschaften in dieser Saison gemacht haben, und wir in der ganzen Struktur noch nicht so gefestigt sind. Wenn wir in Stress geraten, fallen wir in alte Muster zurück. Das hat auch mit Qualität zu tun.« Besonders ärgerlich für ihn: »Hamburg hat ja nichts Überraschendes gemacht. Von daher ist es schade, vor allem, weil wir unsere Fehler wiederholen. Das ist so frustrierend. Zum einen diese Turnover-Geschichten, zum anderen die in meinen Augen nicht vorhandene Verteidigung. Wir haben in der zweiten Halbzeit das Verteidigen komplett eingestellt. Ich glaube nicht, dass wir es in diesem Jahr noch hinkriegen mit unserem Kader, eine der besten Verteidigungen der Liga zu stellen. Aber wenn wir konzentriert und diszipliniert vorgehen, dann können wir viel kaschieren.«

Dass den 46ers Schnelligkeit und Dynamik fehlt, war in der Vorrunde unübersehbar - aufgrund der Tatsache, dass vier Ü30-Spieler im Kader stehen, ist dies aber auch kein Wunder. Hinzukommt, dass ihnen aggressive Verteidiger fehlen. Angesichts dieser Umstände stellt sich schon die Frage: Reicht die Qualität des Kaders aus, um die Klasse zu halten? »Ich glaube, dass es ganz, ganz schwer wird. Gerade wenn man auf unsere Schwachstellen guckt - die Entscheidungsfindung im Angriff und unsere Verteidigung - und sich dann die Hinrunde anschaut, dann kann man berechtigte Zweifel haben«, sagt Scholz, der seit Mitte Dezember die Verantwortung trägt: »Gerade wenn man sich die Frage stellt: Welche Spieler sind als Verteidiger geholt wurden? Ich weiß nicht, wer dafür verpflichtet wurde und wer in diesem Punkt in den letzten Jahren seine Stärken gezeigt hat.«

Nachholspiel wohl am 24. Februar

Damit ist auch klar, was auf das Team nach den zwei freien Tagen ab Mittwoch wartet: »Wir werden an den Abläufen in der Defense arbeiten und versuchen, sie zu stabilisieren. Wir werden versuchen, uns vielseitiger aufzustellen. Es wird nicht ausreichen, nur eine Verteidigungsvariante zu spielen. Ich glaube, damit ist man zu ausrechenbar. Dazu haben wir auch zu viele unterschiedliche Spielertypen.« Der Schnitt von fast 96 zugelassenen Punkten pro Partie soll schnellstmöglich gesenkt werden. »Das Letzte, was wir machen werden, ist aufgeben. Wir glauben daran, dass wir uns verbessern können. Wir reden hier von Grundlagen der Verteidigung.« Allerdings fällt die Länderspielpause für die 46ers wohl kürzer aus, als gedacht: Die letzten Dienstag abgesagte Partie in Würzburg wird laut Scholz vermutlich am 24. Februar nachgeholt.

Bis dahin bleiben aber einige Trainingseinheiten, in denen auch der neue Aufbauspieler Diante Garrett besser integriert werden und das Team durch die personellen Veränderungen lernen muss, mit der veränderten Rollenverteilung umzugehen. Natürlich haben der Trainerwechsel von Ingo Freyer auf Scholz und die Verpflichtungen von Brown, Garrett und John Bryant das Team durcheinandergewirbelt. »Eine Mannschaft im laufenden Betrieb umzubauen, ist kompliziert. Wir müssen auch nicht weg diskutieren, dass nicht jeder eine kleine Garten-Party veranstaltet, wenn Spieler nachverpflichtet werden und die eigenen Minuten weniger werden. Das ist etwas, was man in der Regel vor einer Saison oder in der Verpflichtungsphase mit den Spielern bespricht - ihre Rolle und das Rollenverständnis. Bin ich bereit, mich auf diese Rolle einzulassen. Oder habe ich elf oder zwölf Spieler, die von sich das Verständnis haben, dass sie starten müssen«, meint der Trainer. Er räumt auch ein, dass dieser Veränderungsprozess nicht reibungslos verläuft. »Das hängt auch davon ab, wie ich meine eigene Rolle sehe. Wie sehr bin ich bereit, etwas von meinem eigenen Stück Kuchen abzugeben. Nichtsdestotrotz ist das etwas ganz Normales im Leistungssport. Es muss auch nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen sein. Wichtig ist, dass man vernünftig damit umgeht. Und ich glaube schon, dass es im Großen und Ganzen bei uns in Ordnung ist, sonst würden nicht solche Ergebnisse wie in Oldenburg Zustandekommen.«

Noch haben die Gießener 16 Saisonspiele vor der Brust - mit einer Serie wäre der Rückstand von vier Punkten auf einen Nichtabstiegsplatz schnell aufgeholt. Aber klar ist auch: Das wird sehr schwer.

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