12. März 2021, 12:00 Uhr

Basketball-Bundesliga

46ers gegen angeknockt ins »halbe Derby«

Duelle zwischen Gießen und Frankfurt sind etwas Besonderes für beide Klubs. Vor dem Derby am Samstag in der Rhein-Main-Metropole könnten die Voraussetzungen kaum unterschiedlicher sein.
12. März 2021, 12:00 Uhr
Schöne Erinnerung: Am 30. Dezember bezwingen die Gießener um ihren Topscorer Brandon Bowman (l.) die Skyliners um Quantez Robertson mit 75:74. Auf einen ähnlichen Ausgang hoffen die 46ers-Fans auch im zweiten Hessen-Derby der Saison am Samstag in Frankfurt. FOTO: IMAGO

Gießen 46ers


Die Frankfurt Skyliners gehen am Samstag (18 Uhr/MagentaSport live) mit viel Selbstvertrauen in das Duell. Der Playoff-Aspirant erwartet in der Fraport-Arena in den 46ers einen verunsicherten Abstiegskandidaten, der sich Schritt für Schritt aus seinem Tief befreien möchte. Am besten mit einem Sieg im Derby - für viele 46ers-Fans sind die Partien gegen den unbeliebten Nachbarn aus dem Süden ohnehin die wichtigsten Spiele des Jahres. In der Hinrunde ging Teil eins der inoffiziellen Hessenmeisterschaft in der Basketball-Bundesliga kurz vor dem Jahreswechsel mit 75:74 an die Gießener.

Die Lage: Mit 8:36 Punkten liegen die 46ers auf einem Abstiegsplatz und sechs Punkte hinter fünf Klubs, die bislang sieben Siege eingefahren haben. Darunter sind auch die Würzburger, die am Dienstag das Kellerduell gegen den Mitteldeutschen BC verloren. Hinterher sagte Denis Wucherer, der Coach der Unterfranken: »Ab heute muss wirklich jedem klar sein, dass es nur gegen den Abstieg geht, und dafür müssen noch drei Siege her.« Macht summa summarum zehn Erfolge - und wenn Wucherer Recht behalten sollte, würde dass für die Gießener bedeuten, dass sie aus den verbleibenden zwölf Spielen noch sechs Erfolge brauchen. Aber die 46ers schauen momentan nicht so sehr auf die Tabelle. »Für uns gilt, dass wir uns erst wieder fangen, unsere Leistung regelmäßig abrufen und ein vernünftiges Spiel gegen Frankfurt zeigen. Und das haben wir uns als Mannschaft vorgenommen: Schritt für Schritt gehen. Wenn wir uns selbst in eine bessere Situation gebracht haben, macht es auch wieder Sinn, auf die Tabelle zu gucken«, sagt Trainer Rolf Scholz.

Die Stimmung: Die ist bei den 46ers derzeit natürlich nicht allzu gut - dem Team mangelt es vor allem an Selbstvertrauen. In der Woche nach der 75:92-Niederlage gegen Bonn haben die Verantwortlichen viel mit den Profis gesprochen. »Die Jungs sind auch sehr enttäuscht nach Leistungen wie am Samstag. Aber auf der anderen Seite kriegen wir es schon hin als Mannschaft, in der darauffolgenden Woche eine Situation zu schaffen, in der vernünftig gearbeitet wird, in der der Blick wieder nach vorne geht. Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass wir uns jetzt nicht in unserem Selbstmitleid suhlen, sondern dass wir uns etwas vornehmen. Das haben wir auch diese Woche gemacht«, berichtet Scholz.

Der Gegner: Die Skyliners klopfen als Neunter an die Tür zu den Playoffs, sie haben die letzten beiden Begegnungen gegen Schlusslicht Vechta und den Tabellen-15. Göttingen für sich entschieden. Vor allem in Göttingen beeindruckten die Frankfurter, als sie nach einem 20-Punkte-Rückstand im dritten Viertel am Ende mit 93:89 gewannen. »Wir sind immer in der Lage, einen Run zu starten«, sagte Trainer Sebastian Gleim unter der Woche im »Podcast Basketball«. Der 36-jährige Bad Hersfelder gilt als akribischer Arbeiter, der sehr viel Wert auf die Defensive legt. Die Hauptlast in der Offensive tragen Matt Mobley (19,1 Punkte pro Spiel) und der isländische Aufbauspieler Jon Axel Gudmundsson (12,1). Neben den etablierten Kräften haben zuletzt auch zwei Nachwuchs-Guards für Furore gesorgt: Gegen Vechta war Bruno Vrcic (20) mit 13 Punkten der X-Faktor, in Göttingen das 18-jährige Riesentalent Len Schoormann. Er war maßgeblich an der Aufholjagd beteiligt und kam auf 14 Punkte und vier Rebounds in 13 Minuten Einsatzzeit. Absoluter Führungsspieler ist Quantez Robertson (36), der seine zwölfte Saison für die Skyliners absolviert und so etwas wie ihr Verteidigungsminister ist.

Die Schlüsselspieler: Bei den Frankfurter ist Mobley nur schwer zu stoppen. »Er ist jemand, der uns über gewisse Grenzen hilft«, sagt Gleim über den Guard, der treffsicher aus der Distanz ist und auch sehr gerne zum Korb zieht. Zudem ist der US-Amerikaner ein excellenter Rebounder. »Er darf nicht heißlaufen«, sagt Scholz, dessen Team im Angriff in der Person von Center John Bryant leichte Vorteile am Brett haben dürfte - wenn er vernünftig angespielt wird.

Personelles: Die 46ers werden höchstwahrscheinlich weiterhin auf die seit Wochen fehlenden Chad Brown (Rücken) und Isaac Hamilton (Knie) verzichten müssen. Bei Frankfurt fallen Konstantin Konga (Schulter) und der Langzeitverletzte Richard Freudenberg (Fuß) aus. Powerforward Rasheed Moore (Handgelenk) ist angeschlagen, sein Mitwirken noch offen.

Der Derby-Charakter: »Spiele gegen Frankfurt sind immer etwas Besonderes«, sagt Scholz, auch wenn er das Duell durch das Fehlen der Fans nur als »halbes Derby« bezeichnet. Aber natürlich sei der Charakter dieser Partie das große Thema in der Kabine, erzählt der Trainer. »Und wenn es mal einen Moment lang kein Thema ist, dann machen wir es wieder zu einem.« Inzwischen dürfte auch der letzte Amerikaner verstanden haben, was es bedeutet, als 46ers-Profi gegen Frankfurt zu spielen.

Das sagen die Protagonisten: 46ers-Kapitän Brandon Thomas: »Weihnachtszeit, Sommerzeit und Derbyzeit sind meine Lieblingszeiten des Jahres. Ich werde mir Wellen von Menschen vorstellen, die in Rot oder Blau gekleidet sind, und Gesänge, die die Arena füllen. Diese Saison war für alle sehr schwierig, aber mit zwölf verbleibenden Spielen können wir unsere Köpfe nicht in den Sand stecken. Wir müssen gemeinsam stark werden.« Skyliners-Trainer Gleim: »Wir müssen hellwach sein. Es gilt, ihre Scorer zu stoppen und aggressiv zu verteidigen. Sie haben sich seit dem ersten Derby in dieser Saison personell verändert und mit John Bryant einen alten Bekannten zurückgeholt. Er kann ihr Spiel immer beeinflussen.«

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