13. Mai 2021, 22:31 Uhr

HSG Wetzlar

30 Treffer nach nur 45 Minuten

Rekorde sind da, um aufgestellt zu werden. Die HSG Wetzlar hat dies getan. Nach nur 45 Minuten erreichte sie beim 35:26 gegen die HSG Nordhorn-Lingen die 30-Tore-Grenze.
13. Mai 2021, 22:31 Uhr
Starkes Wetzlarer Linkshänder-Duo auf der rechten Seite: Kristian Björnsen (links) und Ivan Srsen. FOTO: VOGLER

HSG Wetzlar


Diesen Rekord hatte selbst die HSG Wetzlar nicht auf ihrer Agenda. Beim ungefährdeten 35:26 (20:9)-Erfolg gegen die HSG Nordhorn-Lingen am Donnerstag erzielten die Mittelhessen bis zur 45. Minute bereits 30 (!) Treffer. Das hatte es in ihrer mittlerweile über 20-jährigen Erstliga-Geschichte noch nicht gegeben. In den Wettbüros würde es in dieser Kategorie sicher eine Top-Quote geben.

»Wir waren in der Abwehr von Beginn an aggressiv und haben im Angriff konzentriert abgeschlossen«, war der starke HSG-Linkshänder Ivan Srsen an den Sky-Mikrofonen hochzufrieden. Auch Trainer Kai Wandschneider attestierte ihm eine gute Leistung: »Das war die beste Version seiner selbst.«

Die HSG Wetzlar legte dank fünf Torhüter-Paraden von Till Klimpke und drei Treffern von Spielmacher-Routinier Filip Mirkulovski bis zur zwölften Minute bereits einen 7:2-Blitzstart hin. Erste Welle gut (Björnsen, 3:1), zweite Welle gut (Lindskog, 5:2), Positionsangriff gut (Rubin, 7:2).

Aber es wurde noch besser. Gästecoach Daniel Kubes gab die flache 3:2:1-Deckung schnell wieder auf, Till Klimpke nahm den nächsten Wurf im Gegenstoß von Nordhorns Robert Weber weg (10.) und Lenny Rubin steigerte sein Niveau der Vorwochen nochmals und übernahm die Verantwortung für die fehlenden Stefan Cavor und Olle Forsell-Schefvert im Aufbau und Abschluss gleich mit (!). Beim Gegenstoß-13:3 (17.) von Maximilian Holst hatte HSG-Trainer Kubes längst seine zweite Auszeit genommen, die Abwehr in die auch nicht stabilere 6:0-Formation beordert und das Gegenstoßspiel (Mickal (14:6, 20.) zu forcieren versucht.

Vergebens. Der taktische Schachzug von Trainer Kai Wandschneider mit Filip Mirkulovski in der Startformation hatte für die Nordhorner die Partie an Himmelfahrt schnell zu einem Himmelfahrstkommando werden lassen. Das Pausen-20:9 der Grün-Weißen schmeichelte den abstiegsbedrohten Gästen sogar noch etwas. Deren Auftritt in den ersten 30 Minuten ließ mitunter vermuten, dass die Stegefelt und Co. zuvor den Vatertag - überspitzt formuliert - wohl eher in bierselliger Tradition als in voller Konzentration angegangen waren. Auch die offensivere Variante der 3:2:1-Deckung mit dem Ex-Hüttenberger Markus Stegefelt auf der Eins mutierte zum Sturm Wasserglas.

Der Ex-Wetzlarer Nils Torbrügge im Nordhorner Dress zeigte sich enttäuscht: »Wir waren nicht griffig und fuchsig genug. Wir wollten eigentlich hier etwas mitnehmen, verlieren das Spiel aber schon in den ersten 15 Minuten.«

Auf der Gegenseite schienen die lautstark eingestreuten typischen »Reiß die Hütte ab«-Vatertagsschlager des Hallen-DJ die Wetzlarer Bundesliga-Cracks zusätzlich anzuspornen. Till Klimpke parierte früh zweistellig, Kristian Björnsen versenkte von Rechtsaußen zu 100 Prozent (25:12, 37.) und die 6:0-Abwehr war schneller auf den Beinen als die Nordhorner ihre Kreuzbewegungen ausführen konnten.

Bezeichnend für den niveaulosen Auftritt der abstiegsbedrohten Kubes-Schützlinge waren deren zwei Gegentreffer, die diese bei eigener Unterzahl und sechstem Feldspieler durch Maximilian Holst und Antron Lindskog nacheinander unaufmerksam zum 16:28 (41.) und 17:29 (42.) ins leere Tor kassierten. Weiteres Indiz: In der 45. Minute hatte die HSG Wetzlar mit dem 30:18 von Magnus Fredriksen bereits die 30-Tore-Grenze erreicht.

Was folgte, war allerdings ein nicht mehr ganz so fokussiertes Scheibenschießen in der Schlussviertelstunde. Rubin und Björnsen durften Feierabend machen, so dass den Nordhornern eine noch heftigere Klatsche als das 26:35 erspart blieb. In dem Tempo der ersten 45 Minuten hätte die HSG Wetzlar sicher locker die 40-Tore-Grenze überschritten und sich wie schon so oft in dieser Saison einmal mehr an sich selbst berauscht. Kein Wunder, dass Trainer Kai Wandschneider eine Stunde nach Spielschluss beim Gang in die Abenddämmerung urplötzlich mit einem »Super«-Ausruf beide Arme in die Höhe riss.

Wetzlar: Till Klimpke, Ivanisevic; Srsen (3), Henningsson, Björnsen (8), Ole Klimpke, Mirkulovski (3), Weissgerber (1), Holst (4/1), Fredriksen (2), Gempp (2), Mellegard (3), Rubin (5), Lindskog (4).

Nordhorn-Lingen: Ravensbergen, Buhrmester, Torbrügge, Leenders, Weber (7/5), Mickal (4), Miedema (2), Stegefelt (1), Terwolbeck, de Boer, Zare, Vorlicek (4), Visser, Possehl (2), Pöhle (1), Kalafut (4).

Stenogramm / SR: Linker/Schmidt (Recklinghausen/Bochum). - Zeitstrafen: Srsen (19.), Henningsson (48., beide Wetzlar); Pöhle (20.), Kalafut (35.), Leender (40., 47.). - Siebenmeter: 1/1:5/5. - Torfilm: 5:2 (8.), 13:3 (17.), 20:9 (Halbzeit); 25:15 (40.), 30:18 (45.), 35:26 (Endstand).

Schlagworte in diesem Artikel

  • HSG D/M Wetzlar
  • HSG Wetzlar
  • Handball
  • Kai Wandschneider
  • Mittelhessen
  • Rekorde
  • Ralf Waldschmidt
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos