31. August 2021, 22:33 Uhr

Zeyen schreibt in Tokio Geschichte

31. August 2021, 22:33 Uhr
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Von SID
Annika Zeyen, die als Rollstuhlbasketballerin von 2004 bis 2009 für den RSV Lahn-Dill spielte und mit dem deutschen Nationalteam 2012 Gold holte, feiert ihren Paralympics-Sieg im Zeitfahren mit dem Handbike. FOTO: DPA

Erst die Medaillenflut am Fuji Speedway mit der goldenen Krönung durch Jana Majunke und Multitalent Annika Zeyen - und dann auch noch der Silber-Sprint von Irmgard Bensusan im Olympiastadion: Schon am Tag vor dem »Mega-Mittwoch« mit Para-Star Markus Rehm hat das Team D bei den Paralympics in Tokio wie erwartet geliefert. Vor allem die Radsportler sorgten mit acht Medaillen für strahlende Gesichter - mittendrin Zeyen.

»Es ist einfach unglaublich«, sagte die querschnittgelähmte Zeyen, die erst 2019 zum Radsport gewechselt war: »In zwei verschiedenen Sportarten Gold bei Paralympics zu gewinnen, das kann man nicht toppen.« Die Handbikerin triumphierte im Einzelzeitfahren über 16 km und holte sich ihr viertes Edelmetall bei Paralympics. Alle vorherigen Medaillen sammelte die 36-Jährige noch als Rollstuhlbasketballerin (in der Bundesliga spielte sie u. a. für den RSV Lahn-Dill), 2012 in London hatte sie sogar Gold gewonnen. In Zeiten der Professionalisierung im Para-Sport sind Siege in zwei so unähnlichen Sportarten eigentlich kaum machbar. »Schon als Basketballerin bin ich für die Ausdauer immer Handbike gefahren. So ganz abwegig war das also nicht«, sagte Zeyen lachend. Als sie 2016 ihre Basketball-Karriere beendete, versuchte sie sich dennoch zuerst als Rennrollstuhlfahrerin in der Leichtathletik. »Das hat mir Spaß gemacht, aber ich konnte es verletzungsbedingt nicht fortsetzen«, sagte sie: »Heute bin ich überglücklich, dass ich das Handbike gewählt habe.« Ein Zeitfahren hatte sie zuvor noch nie gewonnen. »Heute war ein wirklich guter Augenblick dafür«, sagte sie fröhlich.

Dreiradfahrerin Majunke nahm ihren Triumph gelassen auf. »Es scheint ja so zu sein, dass ich Erste geworden bin. Das freut mich natürlich«, sagte die 31-Jährige, die spastische Bewegungsstörungen hat, nach ihrem überlegenen Sieg trocken.

Bei Irmgard Bensusan reichte es über die 200 m zwar nicht ganz wie erhofft zum Gold-Coup, doch auch mit Silber wie in Rio war die gebürtige Südafrikanerin zufrieden. »Ich kann stolz auf mich selbst sein. Ich finde, ich habe Silber gewonnen«, sagte die 30-Jährige. Über 100 m hat Bensusan am Donnerstag eine zweite Chance.

Für viel Glanz sorgten aber vor allem die Radsportler, die wie erwartet die deutsche Bilanz in Japan am Zeitfahrtag enorm aufpolierten. Rio-Champion Vico Merklein und Steffen Warias gewannen Silber, Fahnenträger Michael Teuber, Kerstin Brachtendorf, Matthias Schindler und Angelika Dreock-Käser rundeten das tolle Ergebnis mit jeweils Bronze ab. Vor allem für Dreock-Käser war es ein höchst emotionaler Moment, nachdem ihr Mann vor vier Wochen gestorben war. »Er hat sich das so gewünscht, dass ich eine Medaille hole. Das bedeutet mir so viel«, sagte die Weltmeisterin (54) gerührt.

In der Leichtathletik sicherte sich Kugelstoßer Sebastian Dietz (36) mit Saisonbestleistung Bronze. »Mental und körperlich war das der schwerste Weg, den ich gegangen bin.«

Heute sollen weitere Spitzenplatzierungen folgen. Weitsprung-Weltrekordler Rehm hat Gold fest eingeplant, will aber weiter als der Olympiasieger springen und ein Zeichen setzen. Im Schwimmen gelten Elena Krawzow und Taliso Engel als heiße Kandidaten. Und bei den Radfahrern soll sich in den Straßenrennen die Medaillenflut fortsetzen.



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