01. September 2021, 22:28 Uhr

Viermal Gold

Es ist ein goldener Tag für die deutschen Athleten bei den Paralympics in Tokio. Für die größte Show sorgt am Ende aber nicht Para-Superstar Markus Rehm, sondern ein 19 Jahre alter Schwimmer.
01. September 2021, 22:28 Uhr
IMA
Gold im Weitsprung bei den Paralympics in Tokio für Markus Rehm mit 8,18 m. FOTO: IMAGO

Viermal Gold, zwei Weltrekorde, sieben Medaillen - das war wirklich der erhoffte Super-Mittwoch bei den Paralympics in Tokio! Die Flugshow von Para-Superstar Markus Rehm war letztlich wenig spektakulär, dafür war die von Elena Krawzow (Berlin) und vor allem von Taliso Engel (Leverkusen) umso größer. Sie holten innerhalb von sechs Minuten zweimal Gold über 100 Meter Brust und beendeten den Titelfluch der deutschen Schwimmer mit einem Paukenschlag.

Fast-Olympia-Starter Rehm feierte nach seiner 15. Goldmedaille im 15. großen internationalen Wettbewerb mit der Deutschlandfahne im verregneten Olympiastadion. Seine erhofften Zugaben hatte er aber verpasst. Mit 8,18 Meter hatte er weder seinen zwei Monate alten Weltrekord (8,62) ernsthaft angreifen können, noch sprang er weiter als der Grieche Miltiadis Tentoglou bei dessen Olympiasieg (8,41). Rehms Weite hätte bei Olympia nicht zu Bronze gereicht.

»Das juckt und ärgert mich schon. Das kann man nicht unter den Tisch kehren. Das muss ich ein bisschen sacken lassen und dann analysieren«, sagte Rehm, der in den Katakomben einen wahren Interview-Marathon absolvieren musste.

Der erst 19 Jahre alte Engel konnte derweil gar nicht mehr aufhören zu strahlen. Zunächst hatte er im Vorlauf mit 1:03,52 Minuten den acht Jahre alten Weltrekord des Ukrainers Oleksii Fedina verbessert, dann steigerte er sich ihn im Finale noch mal um über eine halbe Sekunde auf 1:02,97 Minuten. »Ich habe mich großartig gefühlt«, schwärmte der sehbehinderte Engel und erklärte: »Ich hätte niemals mit dieser Zeit gerechnet.« Nun ist er Welt- und Europameister sowie Paralympicssieger. Und das als Teenager.

Für die ebenfalls sehbehinderte Krawzow, die im vergangenen Oktober Playboy-Model gewesen war, ging ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Sie war schon Weltrekorde geschwommen, gewann WM-Titel und war Europameisterin geworden. Ein Paralympicssieg hatte der 27-Jährigen noch gefehlt. Bis Donnerstag. »Seit zehn Jahren arbeite ich darauf hin«, sagte die Berlinerin.

Gold holte auch Sportschützin Natascha Hiltrop (Lengers) im Zehn-Meter-Wettbewerb mit dem Luftgewehr. Die 29-Jährige gewann in einem spannenden Finale mit 253,1 Ringen und einem hauchdünnen Vorsprung von 0,1 Ringen vor der Südkoreanerin Jino Park (253,0).

Silber holte einen Tag nach ihrem Sieg im Zeitfahren Annika Zeyen (Bonn, ehemals RSV Lahn-Dill) im Straßenradrennen. Thomas Schmidberger (Düsseldorf) und Thomas Brüchle (Frickenhausen) haben Silber im Tischtennis-Teamwettbewerb sicher und versuchen sich am Donnerstag gegen China nach Finalniederlagen 2012 und 2016 zum dritten Mal beim Griff nach Gold. Bronze erhalten ihre Teamkollegen Björn Schnake (Thiede) und Thomas Rau (Solingen) in ihrer Klasse nach dem 0:2 im Halbfinale gegen China, weil Platz drei nicht ausgespielt wird.



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