29. August 2021, 21:31 Uhr

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Politt verteidigt Rotes Trikot

An den ersten vier Wettkampftagen bleiben die deutschen Athleten bei den Paralympics in Tokio ohne Goldmedaille. Gerade am Samstag gibt es viele unglückliche Entscheidungen. Zwei Siege in 77 Minuten am Sonntag sorgen für Erleichterung.
29. August 2021, 21:31 Uhr
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Von SID
Nils Politt sichert sich bei der Deutschland Tour den Gesamtsieg. FOTO: IMAGO

Nils Politt nahm erst einen kräftigen Schluck aus der Wasserflasche, dann ließ er sich von Pascal Ackermann herzlichst zu seinem Coup gratulieren. Auf der knallharten letzten Etappe der Deutschland Tour verteidigte Politt das Rote Trikot erfolgreich und sicherte sich nach seinem zweiten Platz 2018 zum ersten Mal den Gesamtsieg bei der Heim-Rundfahrt. Zweiter in der Gesamtwertung und am Sonntag im Zielsprint in Nürnberg wurde Politts Bora-Teamkollege Ackermann.

»Es war ein total schweres Rennen heute, die anderen Teams haben uns das Leben nicht einfach gemacht. Aber wir haben es geschafft, das Ding irgendwie zusammenzuhalten«, sagte Politt in der ARD und betonte: »Erster und Zweiter in der Gesamtwertung und zwei Etappensiege, besser kann die Rundfahrt nicht abgeschlossen werden.«

»Nils hat mehr als verdient gewonnen, wenn man gesehen hat, wie er heute über den ganzen Tag gearbeitet hat«, lobte Ackermann, der sich am Sonntag nur Alexander Kristoff geschlagen geben musste. Der norwegische Sprinter feierte seinen zweiten Tagessieg. »Ich bin froh, dass ich es überlebt habe. Ich bin happy über den Podiumsplatz«, ergänzte Ackermann.

Politt wurde im Sprint der übriggebliebenen 35 Fahrer 15., in der Gesamtwertung trennten ihn vom Zweiten Ackermann und Dritten Kristoff jeweils vier Sekunden.

Einen Tag nach seinem Etappensieg in Erlangen und der damit verbundenen Eroberung des Roten Trikots von Ackermann musste der Kölner Politt auf den 156,3 auf ihn zugeschnittenen Kilometern von Erlangen nach Nürnberg auf einige Attacken reagieren. Zwischen Kilometer 39 und 106 mussten die Fahrer sechs kurze, aber zum Teil knifflige Anstiege bewältigen.

Von Beginn an wurde trotz nasskalten Wetters ein hohes Tempo gefahren und mehrere Angriffe gesetzt. Eine Dreiergruppe schaffte es, sich abzusetzen, wurde aber wieder eingeholt. Gefährlicher wurde es für Politt, als sich der Belgier Dylan Teuns zusammen mit dem US-Amerikaner Matteo Jorgenson absetzte.

Präsident Friedhelm Julius Beucher stand Fähnchen schwenkend im Zielbereich und feuerte Martin Schulz lautstark an. Als der Triathlet am fünften Wettkampftag endlich den deutschen Gold-Fluch bei den Paralympics in Tokio gebannt hatte, war Beuchers Freude, vor allem aber die Erleichterung, greifbar. »Endlich hat die erste Goldrakete gezündet«, sagte der 75-Jährige: »Da ist schon eine Last abgefallen.«

Umso mehr, als Tischtennisspieler Valentin Baus kurz darauf das zweite Gold für den Deutschen Behindertensportverband holte. In der Nacht zum Sonntag hatte sich das DBS-Team mit einem Schlag von Platz 40 auf Rang 17 im Medaillenspiegel katapultiert.

Der Leipziger Schulz hatte den entsprechenden Druck, im 157. Wettbewerb der Spiele für einen deutschen Sieg sorgen zu müssen, durchaus gespürt. »Es ist nicht so, dass mir jemand die Pistole auf die Brust gedrückt hätte. Aber ich habe schon gemerkt: Keiner konnte sich vorstellen, dass ich etwas anderes hole als Gold«, sagte der 31-Jährige, der ohne linken Unterarm geboren wurde und schon in Rio gewonnen hatte. »Das war schon Druck. Aber es hat mich auf dem letzten Kilometer auch unheimlich gepuscht.«

Zwar starten aufgrund des Terminplans die meisten deutschen Gold-Hoffnungen erst in der zweiten Halbzeit der Spiele. Ohne Gold nach fünf von zwölf Wettkampftagen dazustehen, wäre für die interne Stimmung wie auch die Außenwirkung aber fatal gewesen. Am Sonntag war Beucher dann schon wieder kämpferisch. »Die Paralympics sind am 5. September zu Ende«, sagte er: »Gezählt und abgerechnet wird am Ende. Wir haben noch einige Goldraketen am Start.«

Etwas mehr als eine Stunde später erwies sich Baus als die nächste. Mit 3:2 Sätzen kämpfte der in Bochum geborene Düsseldorfer den Weltranglistenersten Ningning Cao aus China nieder. »Das kann man einfach nicht beschreiben«, sagte der 25-Jährige, der an der erblichen Glasknochenkrankheit leidet: »Ich wollte hier meinen Traum von Gold verwirklichen. Wir haben so lange so hart gearbeitet.«

Deutlich getrübter war die Stimmung tags zuvor gewesen. Zwar hatte das DBS-Team da gleich fünf Medaillen gewonnen, dennoch bleibt der Samstag als ein unglücklicher in Erinnerung. Der klare Goldfavorit Leon Schäfer wurde als Weltmeister und Weltrekordler in der Klasse der Beinamputierten mit fünf Zentimetern Rückstand im Weitsprung nur Zweiter. »Der Ärger überwiegt«, gestand der Leverkusener: »Ich bin einfach zu spät aufgewacht. Ich weiß, dass ich mehr kann. Vielleicht war ich zu entspannt.« Den 19 Jahre alten Südafrikaner Ntando Mahlangu, der Gold holte, habe er »so nicht auf dem Schirm gehabt.«

Tischtennisspieler Thomas Schmidberger unterlag nach großem Finalkampf mit 9:11 im entscheidenden Satz gegen seinen Dauerrivalen Panfeng Feng aus China. »Es war knapp, aber es ist eine Niederlage«, sagte der querschnittsgelähmte Düsseldorfer. Stephanie Grebe (Berlin), ebenfalls im Tischtennis, Sprinterin Lindy Ave (Greifswald) über 100 Meter und Schwimmerin Verena Schott (Cottbus) über 100 Meter Brust holten Bronze. Sie holte bereits Bronze über 200 Meter Lagen.

Dagegen fehlten dem ehemaligen Olympia-Dritten Robert Förstemann im Zeitfahren auf der Radbahn acht Hundertstelsekunden zu Bronze. Der 35-Jährige war nicht nur deshalb frustriert. »Wir haben uns den Arsch aufgerissen. Aber man fühlt sich im Stich gelassen«, sagte der gebürtige Thüringer, der seit 2019 als Guide des sehbehinderten Rostockers Kai Kruse fungiert: »Da sind im Vorfeld einige Dinge schiefgelaufen, die man offen ansprechen und aufarbeiten muss. Das war alles andere als professionell.«

Und auch am Sonntag gab es nicht nur fröhliche Gesichter im deutschen Team. Leichtathletin Nicole Nicoleitzik (Püttlingen) jubelte zunächst über Bronze über 200 Meter. Doch die 26-Jährige wurde wegen Übertretung der Bahn disqualifiziert. Der DBS verzichtete auf einen Protest. »Der Lauf hatte sich eigentlich optimal angefühlt«, sagte Nicoleitzik traurig.

Überraschend Silber gewann derweil Speerwerferin Frances Herrmann aus Cottbus mit 17,72 Meter.

Shane Breen hat das Championat zum Abschluss des Reitturniers im Derby-Park in Hamburg gewonnen. Der Ire setzte sich am Sonntag auf Ipswich im Stechen des mit 95 000 Euro dotierten Springens durch. Dank des schnellsten fehlerfreien Ritts sicherte er sich die Siegprämie von 23 750 Euro.

Zweiter wurde der deutsche Meister Tobias Meyer auf Greatest Boys vor Breens Landsmann Denis Lynch auf Chopin‹s Bushi. Insgesamt hatten elf Paare das Stechen erreicht. Von ihnen blieben auch im entscheidenden Umlauf acht ohne Strafpunkte.

Benedikt Duda und Titelverteidigerin Nina Mittelham haben sich nach ihrer Reservistenrolle bei Olympia mit dem Gewinn der deutschen Meistertitel im Einzel getröstet. Der Bergneustädter Duda besiegte im Finale der 89. Titelkämpfe in Bremen den 40-jährigen Bastian Steger (Bad Königshofen) mit 4:2. Mit dem identischen Ergebnis triumphierte auch die Berlinerin Mittelham über Final-Debütantin Chantal Mantz (Langstadt).

Die sechs Olympiastarter um Timo Boll und Einzel-Bronzemedaillengewinner Dimitrij Ovtcharov waren in der Hansestadt nicht am Start. Rekordsieger Boll hatte nach seiner letztmaligen Teilnahme 2019 sogar seinen offiziellen Verzicht auf weitere DM-Starts erklärt.

Der norwegische Radprofi Odd Christian Eiking hat auch auf der 15. Etappe der Spanien-Rundfahrt das Rote Trikot des Gesamtführenden verteidigt. Eiking erreichte das Ziel am Sonntag mit der Gruppe der Favoriten. Der Außenseiter hatte das Rote Trikot nach der zehnten Etappe vom zweifachen Gesamtsieger Primoz Roglic übernommen. Der Slowene ist mit 1:36 Minuten Rückstand weiterhin Dritter, Rang zwei belegt 54 Sekunden hinter Eiking der Franzose Guillaume Martin.

Den Tagessieg holte sich nach 197,5 Kilometern von Navalmoral de la Mata nach El Barraco der Pole Rafal Majka nach einer langen Soloflucht. Zweiter wurde mit 87 Sekunden Rückstand der Niederländer Steven Kruijswijk aus der Jumbo-Visma-Mannschaft von Titelverteidiger Roglic. Am Montag ist Ruhetag.

Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft der Frauen hat bei der Weltmeisterschaft in Kanada das Viertelfinale gegen die Gastgeberinnen verloren. Gegen Kanada unterlag die DEB-Auswahl am Samstag (Ortszeit) in Calgary klar mit 0:7 (0:3, 0:2, 0:2). Für das ersatzgeschwächte deutsche Team geht es nun gegen Russland um die Platzierungen. »Wir wollen diese Partie unbedingt gewinnen, um uns die Chance auf den fünften Platz zu wahren«, sagte Stürmerin Julia Zorn.

»Ich bin wirklich stolz auf die Mannschaft«, sagte Trainer Thomas Schädler. Vize-Kapitänin Anna Reich sagte: »Wir haben ein großes Herz gezeigt und alles auf dem Eis gegeben. Jede von uns hat ihr bestes Spiel gezeigt.«

Nach dem schlechtesten EM-Abschneiden seit 16 Jahren flossen bei den deutschen Volleyballerinnen auch Tränen. Star-Angreiferin Louisa Lippmann und Co. scheiterten krachend am selbstgesetzten Ziel Halbfinale und mussten bitter enttäuscht schon nach dem Achtelfinale aus Bulgarien abreisen. Der Traum von einer EM-Medaille bleibt für diese eigentlich hoffnungsvolle Generation vorerst unerfüllt.

»Wenn man sich das Ausscheiden im Achtelfinale anschaut, dann ist es sicherlich enttäuschend. Wir wollten mindestens ins Viertelfinale kommen«, resümierte Sportdirektor Christian Dünnes nach dem 1:3 (22:25, 25:23, 19:25, 23:25) am Samstag gegen die Niederlande.

Nachdem Deutschland siebenmal am Stück mindestens das Viertelfinale erreicht hatte, stand nun das schlechteste Resultat seit Platz elf 2005. »Ich hatte der Mannschaft viel zugetraut und mache das auch weiterhin«, beteuerte Dünnes nach dem durchaus überraschenden K.o. in Plowdiw. »Es ist ein Team, das eine schöne Mischung aus erfahrenen und jungen Spielerinnen mit viel Talent hat, die sich schon entwickelt haben und das auch in den kommenden Jahren tun werden.«



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