08. Juli 2021, 22:16 Uhr

Politt krönt Attacke

Nils Politt hat den deutschen Radprofis bei der 108. Tour de France den ersten Sieg beschert. Der Kölner feiert den bislang größten Erfolg seiner Laufbahn.
08. Juli 2021, 22:16 Uhr
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Von SID
Überglücklich überquert Nils Politt die Ziellinie. FOTO: DPA

Nils Politt stemmte sein Rennrad mit Freudentränen in den Augen in die Höhe, dann gratulierte dem überwältigten Triumphator von Nimes sein stolzer Kumpel Andre Greipel. Gemeinsam waren die befreundeten deutschen Radprofis auf der zwölften Etappe der Tour de France in eine Fluchtgruppe gestürmt - am Ende feierte Politt den größten Erfolg seiner Radsport-Laufbahn. »Es ist unglaublich. Es ist ein Traum, eine Etappe bei der Tour zu gewinnen«, sagte Politt. Immer wieder schüttelte der Kölner vom Bora-hansgrohe-Team auf dem letzten Kilometer den Kopf, ungläubig über den bevorstehenden Erfolg schlug er sich auf den Helm, ehe er einen Kuss in den Himmel hauchte und die Arme ausbreitete.

Zeit hatte er dafür genug. 31 Sekunden betrug am Ende sein Vorsprung auf die Rivalen Imanol Erviti (Spanien/Movistar) und Harry Sweeny (Australien/Lotto-Soudal), die er mit einer fulminanten Attacke zwölf Kilometer vor dem Ziel düpiert hatte. »Als ich solo auf die Ziellinie zugefahren bin, war es unglaublich«, sagte Politt. Es war der erst zweite Profierfolg für den Roubaix-Zweiten von 2019..

Greipel, wie sein Trainingspartner Politt einer von 13 Ausreißern des Tages, wurde vorzeitig abgehängt und konnte seine Stärken im Sprint nicht ausspielen. Der »Gorilla« belegte am Ende den sechsten Rang. Im Gelben Trikot fährt weiter Titelverteidiger Tadej Pogacar, der das Ziel im Hauptfeld mit 15:53 Minuten Rückstand erreichte. Greipel, einer der ersten Gratulanten, trauerte der verpassten Chance kaum hinterher. Stattdessen freute sich der 38-Jährige für seinen Nachbarn. »Er lebt 500 m von mir entfernt. Wir trainieren jeden Tag zusammen«, sagte Greipel: »Man kann sich nicht genug für ihn freuen. Er ist immer motiviert, gibt immer sein Bestes.«

Der Tag begann hektisch, Windkanten sorgten nach dem Start für Nervosität. Das Peloton teilte sich bei hohem Tempo in mehrere Teile, ehe sich das Rennen beruhigte und die Fluchtgruppe stand. Das Rennen verlief in der Folge lange unspektakulär. Die Gruppe um das deutsche Duo fuhr einen großen Vorsprung heraus, zwischenzeitlich lag er bei über einer Viertelstunde.

Auch Sagan steigt aus

50 km vor dem Ziel sorgte ein erster Angriff Politts für neue Dynamik. Der Klassiker-Jäger forcierte das Tempo und riss eine Lücke, auch Greipel war zunächst abgehängt, fand wie der Rest der Gruppe aber wieder den Anschluss. Weitere Attacken folgten fast im Minutentakt. 40 km vor dem Ziel waren Politt und seine beiden Begleiter erfolgreich. Das Trio um den 27-jährigen Politt setzte sich von Greipel und Co. ab. Dann begann ein Ausscheidungsfahren - mit dem glücklichen Ende für Politt.

Nicht ins Geschehen eingreifen konnte Peter Sagan, der siebenmalige Gewinner des Grünen Trikots. Der slowakische Star von Politts Bora-Team leidet immer noch unter den Sturzfolgen der ersten Tour-Woche und stieg nicht mehr aufs Rad. Mark Cavendishs Rekordfahrt ist derweil vertagt. Der britische Starsprinter, den nur noch ein Erfolg vom Etappenrekord des legendären Eddy Merckx (34 Siege) trennt, rollte mit großem Rückstand hinterher. Vor der mehrtägigen Kletterei in den Pyrenäen am Wochenende bekommt »King Cav« heute aber noch einmal eine Chance. Die 13. Etappe führt über 219,9 km von Nimes nach Carcassonne und dürfte in einem weiteren Massensprint enden.



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