07. Juli 2021, 22:05 Uhr

Mit Feuer, Herz und Glaube

Das Halbfinale in Wimbledon gegen Ashleigh Barty ist die bislang größte Herausforderung für Angelique Kerber. Helfen sollen ihr die vielen guten Erinnerungen und die Zuneigung der Zuschauer.
07. Juli 2021, 22:05 Uhr
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Von SID
Voller Vorfreude: Angelique Kerber ist bereit für das Halbfinale gegen die Weltranglistenerste Ashleigh Barty. FOTO: IMAGO

Ein bisschen Aberglaube kann ja nicht schaden, dachte sich Angelique Kerber. Und deshalb schnappte sich die deutsche Nummer eins auch am Mittwoch wieder »ihren« Court 14 auf der Aorangi-Trainingsanlage in Wimbledon. Ganz hinten, abgeschieden vom Trubel und außer Reichweite der TV-Kameras, hatte sie sich schließlich schon 2018 immer auf ihre Matches vorbereitet. Und wie bei ihrer Sternstunde vor drei Jahren will Kerber aus dieser Ruhe heraus erneut zum großen Sturm auf den Titel ansetzen.

Mit vielen positiven Erinnerungen geht die 33-Jährige in das schwere Halbfinale am Donnerstag (ab 14.30 Uhr/Sky) gegen die Weltranglistenerste Ashleigh Barty. »Es ist ein gutes Gefühl, die Trophäe schon zu Hause stehen und hier gewonnen zu haben«, sagte Kerber. Und nur noch zwei Siege fehlen, um sich die Venus Rosewater Dish ein zweites Mal aufs Sims stellen zu können. »Die Reise ist noch nicht zu Ende«, meinte Kerber vielsagend.

Dass für die Kielerin neun Jahre nach ihrem ersten Halbfinale in Wimbledon, fünf Jahre nach dem ersten verlorenen Finale gegen Serena Williams und der Krönung 2018, der Titel auf dem »heiligen Rasen« erneut zum Greifen nah ist, ist nach den schwierigen vergangenen Monaten mit vielen Rückschlägen und Niederlagen alles andere als selbstverständlich. Sie habe aber »nie daran gezweifelt, dass ich es zurückschaffen kann«, sagte Kerber.

Dieser unerschütterliche Glaube an sich selbst, der Kerber zur Nummer eins der Welt gemacht hat, trug sie nun zum vierten Mal ins Halbfinale. »In dem Moment, in dem so eine Spielerin weiterarbeitet, das Feuer, das Herz und den Glauben hat, ist das möglich. Und das sieht man jetzt«, sagte die deutsche Frauentennis-Chefin Barbara Rittner im Gespräch mit dem sid. Sie habe nie gespürt, dass bei der dreimaligen Grand-Slam-Siegerin »die Luft raus ist, dass sie nicht mehr brennt«.

Das ist auch Turnierfavoritin Barty nicht verborgen geblieben. »Sie kämpft um jeden einzelnen Punkt. Sie hat Grand Slams gewonnen«, sagte die Australierin respektvoll, die Bilanz gegen Kerber ist mit 2:2 ausgeglichen: »Sie weiß, wie man in brutalen Momenten durchhält.«

Wie sehr das Feuer brennt, zeigt Kerber in Wimbledon allein mit ihrer selbstbewussten Körpersprache, genährt vom Titelgewinn in Bad Homburg und schon zehn Siegen in Folge.

»Dieses Selbstverständnis und der eigene Glaube sind zurückgekehrt, die Zweifel sind verschwunden - das sieht man an ihrer Ausstrahlung und an ihren Blicken«, sagte Rittner. Und das spüren auch die Fans an der Church Road, die Kerber für ihren unermüdlichen Kampfgeist lieben.

Diese Unterstützung von den Rängen - seit Dienstag sind in Wimbledon sogar volle Stadien erlaubt - ist für Kerber ein ganz großer Schlüssel für ihren Erfolgslauf. »Ich liebe Tennis. Und ich liebe es, rauszugehen und vor den Fans zu spielen«, sagte sie: »Ich glaube, das treibt mich gerade an, hier mein bestes Tennis zu spielen.« Ohnehin sei Wimbledon ein »magischer Ort« für sie, wie Kerber schon mehrfach betonte.

»Sie fühlt sich da einfach geliebt, anerkannt und bewundert von den Engländern«, erklärte Rittner, dazukämen die Erinnerungen an die großen Erfolge in London: »Angie ist ein sehr emotionaler und leidenschaftlicher Mensch, da kann das viel bewirken.« Und natürlich kann es sie auch bis ins Finale tragen.



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