12. August 2021, 20:55 Uhr

In Spitze verloren, in Breite gewonnen

Keine Panik, aber Vorsicht: Das Pokal-Aus hat für eine leichte Verunsicherung bei Eintracht Frankfurt gesorgt. Doch was ist nach der Rekordsaison in der Fußball-Bundesliga diesmal für die Adler-Träger drin? Wir liefern Antworten auf wichtige Fragen.
12. August 2021, 20:55 Uhr
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Aus der Redaktion

Trotz des peinlichen Scheiterns im DFB-Pokal beim Drittligisten Waldhof Mannheim, fühlt sich die Frankfurter Eintracht gerüstet für den Start in die Fußball-Bundesliga am Samstagabend (18.30 Uhr/Sky) in Dortmund. Kann sie auch. Die beiden Neuen, Sportvorstand Markus Krösche und Trainer Oliver Glasner, leisteten bisher gute Arbeit. Unaufgeregt geht es trotz einer gewissen personellen Fluktuation bisher im Stadtwald zu. Ob das auch für eine ähnlich erfolgreiche Saison wie die vergangene taugt? Wir vermuten schon, aber, ganz ehrlich: Wenn es am Ende doch schiefgehen sollte, wenn es bergab gehen sollte, dann haben wir es doch eh immer geahnt. Zumindest insgeheim.

? Wie stark ist der Eintracht-Kader?

In der Spitze haben die Frankfurter an Qualität verloren - im doppelten Sinne. Angreifer André Silva will nun lieber für Leipzig Torschützenkönig werden, hat er zumindest so formuliert. Da werden die Lewandowskis und Haalands dieser Welt wohl nur gelangweilt drüber lächeln. Sei’s drum. Silvas Abschlussqualität wird der Eintracht auf alle Fälle fehlen. In der Kaderbreite aber haben die Frankfurter zugelegt, spannende Leute kamen, vor allem schnelle, hungrige Profis. Jesper Lindström aus Dänemark, am Dienstag Jens Petter Hauge vom AC Mailand, Rafael Borré aus Kolumbien, auch der junge Fabio Blanco aus Spanien. Vorerst müssen es aber erst mal die Arrivierten wuppen. Kevin Trapp im Tor, Martin Hinteregger in der Abwehr, Makoto Hasebe, Djibril Sow und Neu-Kapitän Sebastian Rode im Mittelfeld, vor allem Filip Kostic auf dem Flügel. Genügend Personal mit vernünftiger Qualität ist also vorhanden.

? Worauf steht Trainer Oliver Glasner?

Er mag es gerne sachlich, der Oliver Glasner. Er ist kein Lautsprecher, keiner für markige Sprüche, Privates gibt er selten preis. Muss er auch nicht. Ins Reden kommt er immer dann, wenn es um die Belange seiner Truppe geht, vor allem um deren taktisches Verhalten. Darauf legt er großen Wert. Die Gegentorflut der Vorsaison soll eingedämmt werden, ohne dabei an Offensivpower einzubüßen (gut, in Mannheim hat das nicht optimal geklappt). Gar nicht so einfach, dafür feilt er an Details, unterbricht häufig die Trainingseinheiten, Glasner arbeitet eng zusammen mit Sportvorstand Krösche, sie harmonieren gut. Privat mag er offenbar die kurzen Wege - zum Stadion und in die Stadt. Er wohnt in Sachsenhausen, auch das dort ansässige österreichische Lieblingsrestaurant seines Vorgängers Adi Hütter soll der gebürtige Salzburger längst ausprobiert haben.

? Wo hapert es noch in der Mannschaft?

Trainer Glasner darf mit der Vorbereitung eigentlich zufrieden sein, mit dem Pokal-Auftritt aber nicht. Natürlich, weiter einspielen müssen sich die Frankfurter, gewöhnen an die Ideen ihres neuen Chefs - aber bei welchem Verein ist das nicht der Fall? Ansonsten: Dem Kader fehlt weiterhin ein echter Mittelstürmer, am besten ein groß gewachsener, der an der Seite des wuseligen Rafael Borré die Bälle für die Kollegen ablegen und - noch wichtiger - selbst versenken kann. Die 28 Ligatreffer von André Silva wollen schließlich irgendwie auf andere Leute verteilt werden, soll die Saison tatsächlich ähnlich erfolgreich wie die vorherige verlaufen. Auch die Abwehr wackelte im Pokal beim Drittligisten noch heftig. Allerdings hatten auch einige Stützen des Teams keinen allzu guten Tag erwischt.

? Wer sticht aus dem Team heraus?

Nachdem der Knipser weg ist, muss es der Vorarbeiter des Knipsers mehr denn je richten: Filip Kostic ist der beste Frankfurter Feldspieler, auch in der Vorbereitung wieder. Er flankt, rennt, schießt, und dann wieder alles von vorne, unermüdlich der Mann. Wichtig, dass er bleibt - danach sieht es trotz einiger Gerüchte zumindest aus. Defensiv soll Martin Hinteregger den Laden zusammenhalten, das kann er, das hat er längst bewiesen.

? Wie geht’s dem Schatzmeister?

Persönlich wieder gut. Finanzboss Oliver Frankenbach hat eine recht schwere Corona-Infektion zum Glück hinter sich gebracht. Seinen Job verrichtet er mit gewohnter Akribie und Augenmaß, geklotzt wird nicht. Lediglich Lindström kostete bisher eine Ablöse: sieben Millionen Euro. Aber klar, der angegebene Verlust aus der ersten Corona-Saison ist groß, auf 45 Millionen Euro beziffert ihn die Eintracht. Auch sei nicht viel Spielraum für weitere Monate ohne Fans im Stadion, wie Aufsichtsratchef Philip Holzer betont. Alles in allem aber geht’s anderen Klubs schlechter - kleiner Trost in schweren Zeiten. Der Verkauf von Silva brachte viel Geld, dazukommen Einnahmen für Ex-Trainer Adi Hütter und Ex-Vorstand Fredi Bobic. Zuletzt mussten einige Kicker aus der Tiefe des Kaders gehen. Auch wichtig für den Geldbeutel.

? Was ist in dieser Spielzeit drin?

Manch Spieler träumt vom Einzug in die Champions League, andere von europäischen Festtagen. Beides zu vereinen wird schwierig, wäre dann schon ein hartes Programm. Dennoch: In der Liga sind nur wenige Teams deutlich besser besetzt, im Grunde nur die Topdrei (Bayern, Dortmund, Leipzig). Leverkusen und Gladbach könnten ein bisschen besser sein, dahinter aber wird sich die Eintracht mit einer Reihe von Klubs um die erneute Quali für die Europa League balgen.



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