12. September 2021, 22:12 Uhr

Dressur-EM Volleyball-EM

In einer eigenen Liga

Aus dem Nichts zur neuen Tennis-Queen. Emma Raducanus sensationeller Triumph bei den US Open versetzt die Briten in Euphorie. Für den Hamburger Alexander Zverev war es wieder nichts mit dem ersten Grand-Slam-Titel nach der Halbfinal-Niederlage gegen Novak Djokovic.
12. September 2021, 22:12 Uhr
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Von DPA
Von Bredow-Werndl

Mit nassem Frack und leuchtenden Augen berichtete die neue Dressur-Königin von der wilden Champagner-Party auf dem EM-Podium. »Sie war richtig aggressiv«, erzählte Jessica von Bredow-Werndl von der Schaumwein-Schlacht nach der Siegerehrung, bei der sie zuvor ihre dritte Gold-Medaille erhalten hatte.

Von Bredow-Werndl hatte allen Grund zum Feiern, denn mit den drei Siegen bei der Heim-EM in Hagen bei Osnabrück stellte sie einen Rekord auf: Innerhalb von nur sechs Wochen räumte sie fünf goldene Medaillen ab. »Es ist unglaublich, es fühlt sich an wie ein Märchen«, schwärmte die Doppel-Olympiasiegerin von Tokio. »Sie ist im Moment das Maß der Dinge, das steht außer Frage«, kommentierte Isabell Werth, die sich am Samstag in der abschließenden Kür im Sattel von Weihegold mit Rang vier begnügen musste.

In diesem Sommer reitet von Bredow-Werndl mit Dalera in einer eigenen Liga. Sie dominierte mit ihrer Stute die EM in einer Art und Weise, wie die Dressurfans es bisher nur von Werth kannten. »Bisher war ich die Jägerin, jetzt bin ich die Gejagte«, sagte die Siegerin. Zum EM-Abschluss gab es die Jagd allerdings nur bei der Champagner-Schlacht. Für die Kür mit Dalera zu Musical-Melodien des Films »La La Land« erhielt von Bredow-Werndl 91,021 Prozent und ritt zum dritten Sieg nach dem Team- und dem Einzel-Gold im Grand Prix Special vor Cathrine Dufour (Dänemark) mit Bohemian (88,436) und der Britin Charlotte Dujardin mit Gio (87,246). FOTO: DPA

Elegantes Abendkleid, goldene Ohrringe - und den Silberpokal fest im Arm: Als die neue britische Tennis-Queen Emma Raducanu am späten Samstagabend in New York für geschichtsträchtige Fotos posierte, hatte sie keinen Schimmer, was für eine Welle der Begeisterung sie in ihrer Heimat ausgelöst hatte.

»Ich habe noch nicht auf mein Handy geschaut«, sagte die 18-Jährige Stunden nach ihrem Sensationstriumph bei den US Open. Die Glückwünsche von Königin Elizabeth II., des britischen Premierministers Boris Johnson und zahlreicher weiterer Promis aus Sport und Showbusiness liefen zunächst ins Leere. Raducanu wollte den Moment einfach nur genießen. Zuvor war der Senkrechtstarterin etwas gelungen, auf das die britischen Sportfans 44 lange Jahre warten mussten - der erste Grand-Slam-Sieg bei den Frauen seit Virginia Wade 1977 in Wimbledon. Als erste Qualifikantin überhaupt schaffte sie solch einen Coup. Und dann auch noch ohne Satzverlust.

Raducanus Vorgängerin verfolgte im Alter von 76 Jahre und mit Tränen der Rührung in den Augen von der Tribüne im Arthur-Ashe-Stadion, wie die Überraschungssiegerin im blau-weiß-roten Lamettaregen die Trophäe nach ihrem 6:4, 6:3-Triumph gegen die nur zwei Monate ältere und ebenso sensationell aufspielende Leylah Fernandez aus Kanada in die Höhe stemmte. Prompt folgten Glückwünsche aus dem königlichen Palast. »Das ist eine bemerkenswerte Leistung in einem so jungen Alter und zeugt von Ihrer harten Arbeit und Ihrem Engagement«, teilte die echte Queen mit.

Raducanus Coup kam aus dem Nichts, sie hat ja bislang noch nicht einmal ein Match auf der WTA-Tour gewonnen. Das Leben der Tochter einer chinesischen Mutter und eines rumänischen Vaters verändert sich mit einem Schlag. Sie ist 2,5 Millionen US-Dollar (ca. 2,1 Mio. Euro) reicher und macht einen Sprung von Rang 150 in der Weltrangliste auf Platz 23. Als No-Name in der Szene wird sie nun nicht mehr wahrgenommen. Doch Raducanu hatte zunächst keine Zeit für den Blick nach vorne, zu sehr war sie in dem Moment des Triumphs gefangen: »Im Moment ist mir alles egal, ich genieße einfach das Leben.«

Zverev fehlt nur ein Tick

Ganz anders war einige Stunden zuvor die Gefühlswelt von Alexander Zverev gewesen. Der niedergeschlagene Olympiasieger suchte nach einem Vergleich. »Es ist, als wenn die Freundin, die du seit Jahren liebst, mit dir Schluss macht«, sagte er dann und musste selbst schmunzeln.

Es war der einzige Moment nach dem Halbfinal-Aus bei den US Open gegen Novak Djokovic, in dem Zverevs Mundwinkel kurz nach oben zeigten. Ansonsten waren da in der Nacht zum Samstag nur Enttäuschung und Frust. Wieder einmal ist der 24 Jahre alte Hamburger bei dem Versuch gescheitert, seinen ersten Grand-Slam-Titel zu gewinnen.

Zverev war dreieinhalb Stunden in einem packenden Duell gerannt, hatte den Ball mit unbändiger Power in die Hälfte seines Gegners geprügelt, nie aufgegeben und mit großer Moral einen fünften Satz erzwungen. Am Ende des Turniers in New York stand er dennoch mit leeren Händen da. »Ich denke, mental ist er der beste Spieler, der je das Spiel gespielt hat«, musste Zverev nach der 6:4, 2:6, 4:6, 6:4, 2:6-Niederlage einräumen, die das Finale zwischen Djokovic und dem Russen Daniil Medwedew am späten Sonntagabend besiegelt hatte.

Zverev war gepusht von einer 16 Matches andauernden Siegesserie und dem Wissen aus Tokio, Djokovic schlagen zu können, in das Duell des Weltranglistenvierten gegen die Nummer eins der ATP gegangen. Und die Partie hielt alles, was sich die 21 139 Zuschauer im Stadion und Millionen vor den TV-Geräten versprochen hatten. Doch der Vorjahresfinalist erhielt am Ende erneut nur Komplimente. Und er wird auch eine Statistik vorgelegt bekommen, die er schon lange nicht mehr sehen will: Elfmal ist Zverev bei Grand Slams gegen Gegner aus den Top Ten angetreten, elfmal hat er verloren. Immer fehlt ein Tick. Es reichte wieder nicht für eine Verschiebung der Machtverhältnisse in Zverevs Richtung, der phasenweise groß aufspielte, aber seine Unterlegenheit letztlich akzeptieren musste.

Die deutschen Volleyballer haben bei der EM das Viertelfinale erreicht. Die Mannschaft von Bundestrainer Andrea Giani gewann das Achtelfinale am Sonntagabend im tschechischen Ostrau gegen Bulgarien mit 3:1 (25:14, 18:25, 25:19, 25:22). Nächster Gegner ist am Mittwoch Italien. Deutschland geht dann als Außenseiter in das Duell mit dem sechsmaligen Europameister, der im Achtelfinale Lettland beim 3:0 keine Chance ließ.

Star Georg Grozer und sein Team fanden sehr gut in die Partie und dominierten den ersten Durchgang. Doch dann nahm die Fehlerquote zu, die Bulgaren erzielten den Ausgleich. Der Verlauf der Sätze drei und vier ergab ein ähnliches Bild. Die Deutschen holten den frühen Vier-Punkte-Rückstand im vierten Abschnitt jedoch beim 13:13 auf. Eine erneut starke Service-Serie von Außenangreifer Moritz Karlitzek, der mit 19 Punkten diesmal Topscorer war, sorgte für die Vorentscheidung.

Johannes Vetter genoss auf der blauen Bahn im Berliner Olympiastadion mit der deutschen Fahne seine einsame Ehrenrunde. Zwar blieb dem besten Werfer des Olympia-Jahres auch beim Saisonabschluss ein Wurf über 90 Meter versagt, doch mit dem fünften Sieg beim ISTAF konnte sich der in Tokio so enttäuschte Vetter mit einem gefeierten Erfolg in den Urlaub verabschieden. Während der Offenburger mit 88,76 Metern beim 100-Jahre-Jubiläum des Leichtathletik-Meetings erneut dominierte, fehlten der zuletzt angeschlagenen Malaika Mihambo mit 6,70 Metern am Sonntag drei Zentimeter zum Sieg im Weitsprung.

Die knapp 20 000 Zuschauer - 25 000 hätten es sein dürfen - bejubelten die Olympiasiegerin aber wie alle Sportlerinnen und Sportler, die das nach der sterilen Atmosphäre ohne Fans in Tokio genossen. Nach dem letzten Wurf, der in der Abendsonne zugleich die Traditionsveranstaltung beschloss, pustete Vetter durch und dankte lächelnd den Fans, dann ließ sich der Olympia-Neunte auf seiner Runde feiern. Mihambo gelang nach einer Fersenprellung zumindest im fünften Durchgang ein Absprung genau vom Brett aus, die Britin Jazmin Sawyers sprang aber danach noch drei Zentimeter weiter.

Für das sportliche Glanzlicht sorgte gleich zum Auftakt Diskus-Olympiasiegerin Valarie Allman. Die 26 Jahre alte Amerikanerin warf mit 71,16 Metern eine Weltjahresbestleistung und löschte den 42 Jahre alten bisherigen ISTAF-Rekord von Margitta Pufe aus. Die Olympia-Zweite Kristin Pudenz aus Potsdam belegte mit 64,52 Metern erneut den zweiten Rang. »Ich habe einen ganz guten Wettkampf gemacht zu Abschluss«, sagte Pudenz. »Dass Valarie hier so eine Weltbestleistung hinlegt, zeigt, dass das Olympiastadion ein gutes Pflaster ist.«

Für einen deutschen Erfolg sorgte auch Gesa Krause über 3000 Meter Hindernis. Die Olympia-Fünfte und zweimalige Europameisterin aus Trier setzte sich in für sie eher mäßigen 9:26,00 Minuten souverän durch und ging noch auf eine verdiente Ehrenrunde. »Man kann nicht immer Bestleistung laufen. Für mich war es wichtig, vor heimischem Publikum noch einmal den Sieg einzufahren«, sagte Krause, »der Sport ist ohne Publikum einfach nicht das Gleiche.«

Dagegen verlor Konstanze Klosterhalfen beim ersten Rennen in Deutschland seit 25 Monaten über die 1500 Meter schon vor der letzten Runde den Kontakt zur Spitze, die Langstrecklerin wurde in 4:05,26 Minuten Fünfte. Trotzdem meinte sie auch angesichts der Anfeuerung durch das Publikum: »Ich weiß, was ich vermisst habe.« Ihre Leistung beurteilte sie für die ersten 1500 Meter in diesem Jahr als »okay«.

Weltrekordler Karsten Warholm aus Norwegen siegte über die 400 Meter Hürden in 48,08 unangefochten, blieb aber sechs Wochen nach seiner Fabelzeit bei Olympia gut zwei Sekunden über der Bestmarke. »Mein Körper ist müde«, räumte Warholm ein.



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