13. September 2021, 22:15 Uhr

Feuer durch Kostic und Jakic

Die Frankfurter Eintracht rangiert in der Fußball-Bundesliga auf Platz 15, hat einen kapitalen Fehlstart hingelegt und sollte nun zumindest wachsam sein. Es gibt aber auch Lichtblicke.
13. September 2021, 22:15 Uhr
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Aus der Redaktion
Körperlich präsent und zweikampfstark: Kristijan Jakic (r.) überzeugt bei seinem Eintracht-Debüt und stoppt hier den Stuttgarter Torschützen Omar Marmoush. FOTO: IMAGO

Das ganz persönliche Trotzkopf-Programm des Oliver Glasner läuft angesichts des Frankfurter Rumpelstarts mit drei mickrigen Punkten aus vier Spielen auf vollen Touren. Ein Auszug aus dem »Jetzt erst Recht«-Repertoire des Eintracht-Trainers: »Wir nehmen gerade so ziemlich alles mit, was man mitnehmen kann. Aber das wird uns noch mehr zusammenschweißen.« Oder auch: »Die Situation nervt, aber das wirft uns nicht um und lässt uns nicht verzagen. All die Steine, die in unserem Weg liegen, werden wir zur Seite räumen.« Und weiter: »Was schiefgehen kann, geht schief, aber der Knoten wird platzen. Wir haben eine gute Kämpfernatur.«

Das hört sich einerseits ganz schön entschlossen, bockig und trotzig an, andererseits ist das auch so ein bisschen wie das berühmte Pfeifen im Walde. Eintracht Frankfurt hat einen kapitalen Fehlstart in die neue Fußball-Saison hingelegt. Raus aus dem DFB-Pokal beim Drittligisten Waldhof Mannheim, 2:5 in Dortmund vermöbelt und schließlich drei Remis gegen Augsburg (0:0), Bielefeld (1:1) und jetzt Stuttgart (1:1) - allesamt Leichtgewichte der Liga. Auf sehr viel formschwächere Gegner werden die Frankfurter kaum mehr treffen. Zwei der nächsten drei Kontrahenten heißen VfL Wolfsburg und Bayern München. Andere Kaliber.

Es ist kein Zufall, dass die Hessen zu einer von vier Mannschaften (Bielefeld, Augsburg, Fürth) zählen, die noch kein Spiel gewonnen haben und es nur drei Teams gibt (Bielefeld, Augsburg, Fürth), die weniger Tore geschossen haben als die vier, die Glasners Truppe zustande gebracht hat. Logische Konsequenz: Platz 15. Da müssen keine Alarmglocken schrillen, aber man sollte wachsam sein, die Sinne schärfen. Alles auf fehlendes Spielglück zu schieben und in einen Einfach-weiter-so-Modus zu schalten, ist nicht die beste Idee. Denn das, was die Eintracht über weite Strecken anbietet, wird den eigenen Ansprüchen nicht gerecht.

Die Neuen sind zu naiv

Das bedeutet wiederum nicht, dass nach nur vier Spieltagen die sportliche Apokalypse ausgerufen werden muss, und auch nicht, dass alles schlecht ist. Glasners Ansatz, Vertrauen zu schenken, die Leistungen nach außen zu überhöhen, ist nachvollziehbar. Einem neuen, jungen Ensemble muss ein Vorschuss gewährt und Zeit zur Findung zugestanden werden. Alles andere wäre kontraproduktiv. Die Mannschaft zeigt Ansätze, sie ist willig und motiviert, aber gerade die Frischlinge brauchen Zeit. Die rennt aber bekanntlich, gerade in der Bundesliga.

Da sind talentierte Fußballer dabei, aber vieles ist zu naiv, zu juvenil und verschnörkelt. Das zeigte sich gerade im ersten Abschnitt gegen den VfB, als das »Klein-Klein« übertrieben wurde. Die Wucht, und Zielstrebigkeit, das Brachiale und Gnadenlose geht diesen Spielern ab, auch die Zweikampfstärke in der Rückwärtsbewegung. Die Folge sind viele und unnötige Fouls.

Es ist ein Unterschied, ob die Eintracht, wie in ihrer Hochphase der letzten Spielzeit, mit Amin Younes, Filip Kostic, André Silva und Daichi Kamada das Angriffsspiel aufzieht, oder nun Jesper Lindström, Jens Petter Hauge und Sam Lammers am Start sind. Lindström wird sich bei allem Talent mächtig strecken müssen, um sich körperlich durchzusetzen. Hauge spielt unkonventionell, irgendwie kopflos. Und Stürmer Lammers ist anzumerken, dass er seit fast zwei Jahren nicht mehr regelmäßig gespielt hat und wegen einer Schulter-OP länger pausieren musste. Glasner sagt: »Wir dürfen den Ball nicht so lange halten, müssen schneller spielen. Aber das ist ein Lernprozess.«

Wie es gehen kann, verdeutlichte die zweite Halbzeit, als Filip Kostic und Kristijan Jakic nach einer Stunde ins Spiel kamen. Beide brachten Power, Spannung und Körpersprache mit. Da war Feuer und Körperlichkeit im Spiel, mehr Robustheit. Jakic räumte im defensiven Mittelfeld vehement auf. Und über Kostic, den in Gnaden aufgenommenen Kurzzeit-Abtrünnigen, müssen keine Elogen mehr verfasst werden: Der 28-Jährige ist der mit Abstand beste Spieler des Ensembles, hebt es alleine auf ein anderes Niveau.



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