22. Oktober 2021, 22:33 Uhr

Eintracht wie entfesselt

Eintracht Frankfurt will nach dem überzeugenden Auftritt gegen Piräus in der Europa League am Sonntag in der Bundesliga beim VfL Bochum nachlegen - das wird schwer genug.
22. Oktober 2021, 22:33 Uhr
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Aus der Redaktion
Neu in der Startformation und Erfolgsgaranten für die Eintracht gegen Piräus: Goncalo Paciência (r.) und Rafael Borré freuen sich mit Torschütze Daichi Kamada (vorne) über den Treffer zum 3:1-Endstand. FOTO: IMAGO

Pedro Martins, 51, war ein kleines bisschen blass um die Nase. Abgespannt sah er aus, der Erfolgscoach von Olympiakos Piräus, der griechische Serienmeister, den der Portugiese seit seinem Amtsantritt 2018 zweimal zum Titel und einmal zum Double geführt hat - mit einem sensationellen Punkteschnitt von 2,2 in 177 Spielen. Nach der verdienten 1:3-Niederlage in der Europa League in Frankfurt, der ersten Schlappe in der regulären Saison, musste er also Fragen beantworten, weshalb sein Fußball-Team so müde wirkte und gar nicht dominant auftrat und sich so weit hinten reindrücken ließ. Das sei doch gar nicht der Olympiakos-Style. Nein, nein, wiegelte Martins ab, das sei alles nicht der Plan gewesen, »doch der Gegner hat uns dazu gezwungen, tiefer zu stehen«, die Eintracht habe all ihre Stärken aufs Feld gebracht und »wir konnten sie nicht eliminieren, wir waren enormem Druck ausgesetzt«.

Martins Einschätzung traf des Pudels Kern, in dieser Verfassung hatte Piräus den wie entfesselt aufspielenden Hessen nichts entgegenzusetzen, sie schwangen sich zu ihrer besten Saisonleistung auf. »Wie wir gespielt haben, das ist Eintracht Frankfurt«, sagte Torwart Kevin Trapp: »Davor kann man nur den Hut ziehen.« Und in Frankfurt rätseln sie, ob das die gleiche Mannschaft war, die nur fünf Tage zuvor gegen Hertha Berlin einen blutleeren Auftritt voller Einfältigkeit hingelegt hatte. Natürlich stand am Donnerstagabend ein anderes Team auf dem Platz, personell auf fünf Positionen verändert, gerade die Neubesetzung der Offensivreihe war der entscheidende Faktor. Rafael Borré, Goncalo Paciência und Daichi Kamada hoben das Spiel auf ein anderes Level. »Wir haben die richtigen Lehren aus dem Hertha-Spiel gezogen«, urteilte Coach Oliver Glasner. Die lagen auch auf der Hand, die Korrekturen waren überfällig.

Aber auch von der Einstellung her stand eine andere Einheit auf dem Platz. Die Frankfurter jagten den Gegner, setzten nach, gewannen viele zweite Bälle. Gerade über die Außen ließ die Eintracht nichts anbrennen, Filip Kostic und Almamy Touré arbeiteten tadellos nach hinten. »Wir waren da sehr diszipliniert«, befand der Trainer. »Wir haben alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben.«

Gesprächstherapie zeigt Wirkung

Nach der Schlappe gegen Hertha hat der in seiner Ansprache sehr moderate Glasner die Zügel angezogen. »Am Sonntag ist der Trainer ein bisschen lauter geworden«, berichtet Kapitän Sebastian Rode nach seinem Comeback. Das bestätigt der Coach. »Wir haben deutlich angesprochen, was uns nicht gefallen hat.« Was ja so ziemlich alles gewesen sein dürfte. Glasner wählte einen Vergleich aus dem Familienleben, schließlich müsse man ja auch manchmal mit den Kindern schimpfen, »aber sie am nächsten Tag wieder in den Arm nehmen«. Der 47-Jährige schickte seine Jungs nach der intensiven, »kritischen Analyse« samt Standpauke zum Laufen in den Wald. »Da sollten sie mal drüber quatschen.« Die sportive Gesprächstherapie zeigte Wirkung.

Gegen Olympiakos, das im Hinblick auf das Prestigeduell gegen Paok Saloniki einige Stammspieler schonte, passte vieles zusammen, der Funke sprang über auf das dankbare und bisher alles andere als verwöhnte Publikum auf den Tribünen, weshalb sich so ein typischer Frankfurter Europapokalabend entwickelte. Die Eintracht führt nun das Klassement der Gruppe D an und hat alle Trümpfe in der Hand, im neuen Jahr international am Start zu sein. Kevin Trapp gibt die Richtung vor. »Warum«, fragt der Torwart also, »sollten wir nicht vom Gruppensieg reden?« Dieser hätte den Vorteil, dass die Eintracht dann automatisch fürs Achtelfinale qualifiziert wäre. Der Zweite muss noch eine Zwischenrunde im Sechzehntelfinale absolvieren, der Dritte macht in der Conference League weiter.

Für die Frankfurter geht es nun darum, Konstanz in ihre Leistungen zu bekommen, die Ausschläge zu minimieren. Am Sonntag (19.30 Uhr/DAZN) wartet ein undankbarer Kontrahent auf seine Mannschaft, dann geht es zum VfL Bochum. So einen Aufsteiger kann man, gerade nach einem Highlight, durchaus mal unterschätzen. »Da erwartet uns ein heißer Kampf«, orakelt Rode und ist nicht bereit, die Messlatte nach unten zu legen. Der Piräus-Auftritt, findet der Kapitän, »muss der Maßstab für die kommenden Spiele sein«.



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