04. Oktober 2021, 19:35 Uhr

Ein Sieg mit Signalwirkung

Der Saisonfehlstart ist fast schon vergessen. In Frankfurt herrscht nach zwei Siegen innerhalb von drei Tagen Hochstimmung. Trainer Glasner ist wie die Spieler und Fans happy, mahnt aber zur Bodenhaftung.
04. Oktober 2021, 19:35 Uhr
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Von DPA

Die Jubelbilder von München sollen bei Eintracht Frankfurt noch lange nachwirken und die Hessen auf ihrem weiteren Weg durch die Saison beflügeln. Der erste Sieg beim deutschen Rekordmeister seit 21 Jahren, durch den der Anschluss an das Tabellenmittelfeld der Fußball-Bundesliga gelang, löste vor der Länderspielpause die lange vermisste Aufbruchstimmung aus.

»Ich behaupte, das war mit unsere beste Mannschaftsleistung. Solch ein Erfolg kann dazu beitragen, dass der Glaube an unsere Stärke gefestigt wird«, sagte der überragende Eintracht-Torwart Kevin Trapp über den Auftritt beim 2:1 (1:1) am Sonntagabend. Auch Abwehrchef Martin Hinteregger glaubt an eine Signalwirkung, die von dem zweiten Erfolg binnen 72 Stunden nach dem 1:0 in der Europa League bei Royal Antwerpen ausgehen könnte. »Für uns alle ist dieser Sieg enorm wichtig. Ich hoffe, dass wir den Schwung bis nach der Länderspielpause mitnehmen«, sagte der österreichische Nationalspieler. Dann gastiert der kriselnde Hauptstadtclub Hertha BSC am Frankfurter Stadtwald.

Trainer Oliver Glasner mischte daher in die allgemeine Glückseligkeit auch mahnende Worte. »Wir sind wahnsinnig happy mit diesem Sieg und gehen sehr glücklich in die Länderspielpause. Ich kann mich für diesen Spirit und diese Leidenschaft, insbesondere in der Defensive, nur bedanken«, lobte der 47-Jährige und fügte schnell hinzu: »Wichtig ist aber auch, dass wir nicht 14 Tage die Hände oben haben und dann kommt gegen Hertha das böse Erwachen. Die Jungs haben es überragend gemacht, aber es gibt noch viel zu tun. Das Wichtigste ist jetzt, diesen Sieg gegen Hertha zu vergolden.« Acht Pflichtspiele war die Eintracht seit dem Saisonstart ohne Sieg geblieben, es drohte eine Krise. Nun herrscht plötzlich Hochstimmung. »Der Fußball ist manchmal verrückt. Erst ist man ganz unten und innerhalb einer Woche ganz oben«, sagte Glasner.

13 Spieler bei ihren Nationalteams

Für den im Sommer vom VfL Wolfsburg gekommenen Fußball-Lehrer wird die Arbeit trotzdem nicht leichter, verabschiedeten sich nach dem Bayern-Spiel doch gleich 13 Spieler zu ihren Nationalmannschaften. »Die werden nicht ganz frisch zurückkommen«, prophezeite der Eintracht-Trainer. Keine internationalen Verpflichtungen hat ausgerechnet Trapp, der von Hansi Flick nicht für die WM-Qualifikationsspiele der DFB-Auswahl gegen Rumänien und Nordmazedonien berücksichtigt wurde. Der Torwart gab mit einer Weltklasse-Leistung vor den Augen des auf der Tribüne sitzenden Bundestrainers die richtige Antwort darauf. »Kevin war ein entscheidender Faktor«, stellte Glasner fest. Von 20 Torschüssen parierte dieser 19, dazu verhinderte er früh ein Eigentor von Kristijan Jakic. »Das war sicher eines der besten Spiele meiner Karriere«, sagte Trapp. Auch Flick dürfte in München gesehen haben, wozu der Frankfurter Schlussmann fähig ist. Trapp wiederum machte sich erst mal keine Hoffnungen, dass seine Glanztaten an der Rangliste des Bundestrainers - derzeit ist er die Nummer vier hinter Manuel Neuer, Marc-Andre ter Stegen und Bernd Leno - so schnell etwas ändern: »Er wird deswegen nicht heute anrufen.«

Auch andere Trümpfe der Frankfurter stachen. Die erneut umformierte Abwehr um Hinteregger, der den Rückstand durch Leon Goretzka mit einem Fehler unfreiwillig einleitete und kurz darauf per Kopf zum Ausgleich traf, hielt dem permanenten Bayern-Druck stand. »Wir haben mit dieser Abwehr nicht einmal trainiert«, sagte Glasner über den Fünferabwehrriegel. Die Zusammenstellung der ersten Elf darf für die Akteure als Signal gewertet werden, dass der Trainer, wie er gebetsmühlenartig betont, »niemanden fallen lässt, wenn er bereit ist, sich für die Mannschaft aufzuopfern«. Das gilt gerade für den alten Haudegen Stefan Ilsanker und den jungen Hüpfer Tuta, beide haben zuletzt kaum gespielt, waren außen vor. Jetzt standen sie in der Startelf und machten ihre Sache ausgesprochen gut.

Und vorne sorgte Filip Kostic in der Schlussphase für den Sieg. Der Rebell hat seit dem gescheiterten Transfer zu Lazio Rom schon zweimal getroffen und vier Vorlagen gegeben. Eine beachtliche Quote und ein gutes Zeichen für die Eintracht, die nach der Länderspielpause richtig durchstarten möchte.



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