12. September 2021, 22:23 Uhr

Sonntagspiel

Auf Kapitän Stindl ist Verlass

Wieder kein Sieg für Eintracht Frankfurt, auch nach dem fünften Pflichtspiel nicht. Gegen den VfB Stuttgart heißt es am Sonntag 1:1-Unent- schieden. Das Tor von Filip Kostic reicht nicht.
12. September 2021, 22:23 Uhr
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Von DPA
Gleich klingelt es im Stuttgarter Kasten: Filip Kostic (M.) hat abgezogen und trifft zum 1:0 für die Eintracht, die am Ende aber mit einem 1:1-Unentschieden zufrieden sein muss. FOTO: IMAGO

Matchwinner Lars Stindl und Co. genossen nach vielen Monaten die erste Jubel-Feier mit den Fans in der Nordkurve, und auch bei Trainer Adi Hütter war die Erleichterung groß. Angeführt vom zweifachen Torschützen Stindl hat Borussia Mönchengladbach den ersten Saisonsieg geholt und Hütter in der Fußball-Bundesliga erstmals an der Gladbacher Seitenlinie jubeln lassen. Die Borussia kam am Sonntag zu einem 3:1 (1:1) gegen Vorjahresaufsteiger Arminia Bielefeld und schaffte mit nunmehr vier Punkten den Anschluss an die obere Tabellenhälfte.

»Wir sind natürlich sehr erleichtert. Es war kein einfaches Spiel. Bielefeld hat gut gespielt. Wir mussten kämpfen, mussten laufen und haben mit dem Doppelschlag das Spiel auf unsere Seite gezogen«, sagte Gladbachs Nationalspieler Matthias Ginter.

Die Ostwestfalen, die mit drei Remis in die Saison gestartet waren, bleiben hingegen nach vier Spieltagen weiterhin sieglos. »Es waren zwei Situationen, wo wir unachtsam waren. Das waren die Unterschied-Aktionen, die ein Top-Team in der Bundesliga hat. Es war kein schlechter Auftritt von uns. Wir haben zwei Fehler gemacht, die sie ausgenutzt haben«, meinte Bielefelds Manuel Prietl.

Vor 25 000 Zuschauern im Borussia-Park erzielten Stindl (35./69.) und Denis Zakaria (72.) die Treffer für die Gastgeber, denen im 33. Spiel gegen Bielefeld der 22. Sieg gelang. Für die Gäste traf Masaya Okugawa (45.+2). Nach dem 0:4-Debakel in Leverkusen und der unnötigen 1:2-Niederlage bei Union Berlin stand Hütter mächtig unter Zugzwang und reagierte auch personell. So rückte neben Zakaria auch Neuzugang Luca Netz für den verletzten Ramy Bensebaini erstmals in die Startformation.

Hinten mit Dreier-Abwehrkette und auf den Außenpositionen mit den beiden überzeugenden 18-Jährigen Netz und Joe Scally entwickelte die Borussia insgesamt aber nur wenig Durchschlagkraft und hatte in Torhüter Yann Sommer, der mehrfach glänzend parierte, einen starken Rückhalt.

Am Ende hing es an ein paar Zentimetern, die den Sieg von Eintracht Frankfurt verhinderten - und ein Backspin, wie Trainer Oliver Glasner hinterher analysierte. Was er damit meinte: Der Ball drehte beim Aufspringen weg vom Tor statt über die Linie zu hüpfen. Es lief da ja schon die letzte Minute der Nachspielzeit, 1:1 stand es in einem über weite Strecken eher zähen Bundesligaspiel zwischen der Eintracht und dem VfB Stuttgart mit viel ineffizientem Ballgeschiebe, als noch einmal Filip Kostic den Turbo einschaltete. Seinen Rückpass nahm Rafael Borré direkt, mit links und vollem Risiko. Von der Unterkante der Latte prallte der Ball auf die Torlinie, von dort an den Rücken des VfB-Torwarts Florian Müller - und dann in seine fangbereiten Hände.

Es wäre die Entscheidung in diesem Spiel gewesen, ein paar Augenblicke später ertönte der Schlusspfiff. Diese beiden erneut unnötigerweise vergebenen Punkte nagten an Glasner: »Ich bin enttäuscht.« Die Hausherren hätten dieses Spiel gewinnen müssen, sie waren die feldüberlegene Mannschaft, hatten viel investiert. Zudem traf neben Borré auch noch Martin Hinteregger (62.) mit einem Kopfball die Latte, wurde ein Treffer von Daichi Kamada zurückgenommen, weil der Ball vorher Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck berührt hatte.

Doch wirklich gefährlich war das Spiel der Frankfurter eine Stunde lang nicht. Es wurde erst besser, als Kostic und der erst in der Vorwoche verpflichtete Kristijan Jakic in die Partie kamen. Dann sah das, was Eintracht Frankfurt bot, auch wie Bundesliga-Fußball aus. Es war nämlich lange Zeit ein arg verschnörkeltes, viel zu kompliziert ausgerichtetes, nahezu körperloses Kurzpassspiel - bar jeglicher Effizienz. Es zeigte auch, dass die Neuen, speziell Jesper Lindström, Sam Lammers, auch der hibbelige Jens Petter Hauge noch lange nicht so weit sind, eine stabile Hilfe zu sein.

Man habe sich »im Zweikampf zu oft verzettelt«, habe »zu lange« den Ball geführt, statt das Spiel schnell zu machen, deckelte Glasner sanft. Er hat aber das Grundübel erkannt: »Beim letzten Ball, im letzten Angriffsdrittel fehlt die Genauigkeit.« Den Frankfurtern gebricht es an der erforderlichen Durchschlagskraft, sie wirkten harmlos.

Und doch schien vieles auf einen verdienten Frankfurter Sieg hinauszulaufen: Kostic, in Gnaden aufgenommener Spieler und in der 59. Minute endlich eingewechselt, hatte in seiner so typische Art die Frankfurter Führung markiert: links unten schlug sein Schuss ein (79.). Fast alles sah da nach einem Happy End aus. Und spätestens, als sich Stuttgart mit der Roten Karte von Waldemar Anton (82.) nach einer Notbremse gegen Borré selbst zu schwächen schien, deutete alles auf den ersten Dreier dieser Saison hin.

Hinteregger patzt vor dem Ausgleich

Doch die Schwaben kamen zurück, weil »wir uns drei, vier Minuten passiv verhalten haben« (Glasner). Zwei Minuten vor Schluss setzte sich Omar Marmoush glücklich durch, eigentlich war sein Versuch von Evan Ndicka schon abgeblockt, doch der Ball fiel dem Stürmer genau vor die Füße, er schob zum 1:1-Endstand ein. Im Augenblick »nehmen wir alles mit«, sagte Glasner, er meinte damit, dass viele knappe Entscheidungen momentan zuungunsten der Eintracht ausfallen: »Das schweißt uns nur noch mehr zusammen.«

Der bittere Ausgleich wäre leicht zu verhindern gewesen, hätte Martin Hinteregger besser verteidigt, ein bisschen sah er das hinterher sogar ein. Er sei »involviert« gewesen beim Ausgleich, den »zweiten Ball muss ich besser wegköpfen«. Diesen Ball köpfte er haargenau in den Fuß eines Stuttgartes. Ohnehin waren die Aussagen des Ersatzspielführers grenzwertig bis hanebüchen. Er nämlich hatte ein »sehr gutes Spiel gesehen«, die »Mannschaft hat ein nahezu perfektes Spiel gezeigt«. Das war es nun beim allerbesten Willen nicht.

Julian Nagelsmann stapfte in seiner markanten Art wie ein Gladiator durch den Mittelkreis des Leipziger Stadions. Tröstende Umarmungen für seine Ex-Spieler von RB Leipzig wechselten sich mit triumphalem Abklatschen mit seinen Super-Bayern ab. Die 4:1-Demonstration von Rekordmeister Bayern München bei den Sachsen war nicht nur eine bemerkenswerte Rückkehr des Trainers an seine alte Wirkungsstätte. Das sogenannte Topspiel der Fußball-Bundesliga hat zudem offenbart, dass die Bayern mal wieder einen Konkurrenten erfolgreich geschwächt haben.

Folglich wirkte es eher amüsant, als Nagelsmann im Anschluss versuchte, den nicht mehr konkurrenzfähigen Vizemeister stark zu reden. »Die sieben Punkte Vorsprung vor Leipzig sind etwas, das sehr wichtig ist. Denn RB wird noch viel punkten«, sagte der 34-Jährige. Die Wahrheit ist, dass die Verluste von Nagelsmann, Abwehrchef Dayot Upamecano und Kapitän Marcel Sabitzer nach München für Leipzig nicht zu kompensieren sind. So überlegen und so deutlich wie durch die Tore von Robert Lewandowski (12./Handelfmeter), dem überragenden Jamal Musiala (47.), Leroy Sané (54.) und Eric Maxim Choupo-Moting (90.+2) hatten die Bayern noch nie in Leipzig gewonnen. Dass der im Sommer von den Bayern kontaktierte Konrad Laimer (58.) mit seinem Traumtor aus den einzigen Leipziger Treffer erzielte, passte ins Bild.

Die Bayern haben einen Konkurrenten weniger, was für die ohnehin rare Spannung in der Bundesliga alles andere als förderlich ist. Und am Sonntag legte Leipzigs Vorstandschef Oliver Mintzlaff in Sachen Upamecano auch noch mit einer etwas kruden Einordnung nach. Man solle doch froh sein, dass der Spieler nicht ins Ausland gewechselt sei. »Grundsätzlich ist es wichtig, dass Stars in der Bundesliga bleiben. Wir wollen die Lücke zu internationalen Ligen, insbesondere zur Premier League, ein Stück weit schließen«, sagte Mintzlaff bei Bild-TV. Grundsätzlich zeichnet aber gerade die Premier League aus, dass dort mindestens vier Mannschaften die realistische Chance haben, Meister zu werden. Und grundsätzlich ist auch nicht absehbar, dass Trainer, Abwehrchef und Kapitän in einem Sommer von Manchester City zum FC Liverpool wechseln würden. Hierzulande hofft man, dass wenigstens Dortmund die Bayern ärgern kann, während die Profis des Rekordmeisters in Ruhe den nagelsmannschen Fußball lernen können. »Der Motor stockte ein bisschen, trotzdem gewinnen wir 4:1«, betonte Nagelsmann. Und der Sieg sei ein wenig zu deutlich ausgefallen.

Ist er nicht. Es war für jeden der 34 000 Zuschauer im Stadion ersichtlich, schließlich ließen Lewandowski und Sané weitere Großchancen ungenutzt. Nagelsmann konnte es sich sogar leisten, seinen polnischen Superstar vorzeitig vom Platz zu nehmen, um ihn für das erste Gruppenspiel der Champions League am Dienstag beim FC Barcelona zu schonen. Lewandowski klagte über Spannungen im Adduktorenbereich, ein Einsatz im Camp Nou ist laut Nagelsmann nicht gefährdet. Bei Serge Gnabry sieht es schlechter aus. Er musste mit Rückenproblemen ausgewechselt werden. Es sei »vielleicht ein Hexenschuss«, meinte Nagelsmann. Die Sorgen dürften sich in Grenzen halten, schließlich zeigte Musiala, dass er Gnabry mindestens gleichwertig ersetzen kann.



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