24. Januar 2018, 22:02 Uhr

Zurück in der Wohlfühlzone

14 Matches hat Angelique Kerber in diesem Jahr absolviert, 14 Matches hat sie gewonnen. Im Viertelfinale der Australian Open lässt sie der letztjährigen US-Open- Finalistin in weniger als einer Stunde keine Chance. Kerber ist zurück unter den zehn Besten der Tennis-Welt.
24. Januar 2018, 22:02 Uhr
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Von DPA
Angelique Kerber jubelt nach ihrem Viertelfinalsieg gegen Madison Keys. (Foto: dpa)

Selbst am Ende ihres Interview-Marathons durch das Pressezentrum und ein halbes Dutzend Fernsehstudios lächelte Angelique Kerber. »Nur noch das eine hier«, sagte die freundliche Dame von der Spielerinnenorganisation WTA, ehe sie die Australian-Open-Halbfinalistin aus Kiel zum Fahrstuhl begleitete, der sie zurück in das Untergeschoss der Tennis-Anlage im Melbourne Park brachte. Keine Frage: Angelique Kerber ist wieder gefragt.

Waren es im vergangenen Jahr Ereignisse wie das Erstrunden-Scheitern bei French Open und US Open, die zwei Niederlagen bei der B-WM in Zhuhai, der Sturz aus den Top 20 der Welt oder die Trennung von ihrem langjährigen Trainer Torben Beltz, die für Schlagzeilen sorgten, so hat Kerber zu Beginn des Jahres die Fachwelt und wohl auch ein wenig sich selbst verblüfft. »Angie ist bereit zu fliegen«, schrieb die australische Tageszeitung »Herald Sun« in dieser Woche.

Natürlich beflügeln sie die Erinnerungen an ihren ersten Grand-Slam-Triumph 2016, der ihr in Melbourne gelang. Sie kenne all die schönen Plätze in der Stadt, wo sie einen Kaffee trinken gehen könne, erzählte sie. »Ich komme gerne hierher, dieser Ort gibt mir Selbstvertrauen und lässt mich gutes Tennis spielen«, sagte Kerber.

Den lästigen Kokon des Krisenjahres 2017 schüttelte die seit wenigen Tagen 30-Jährige einfach ab. »Ich versuche nicht so viel darüber nachzudenken, was war oder was kommt«, sagte Kerber am Mittwoch nach ihrem 51-minütigen Kurzeinsatz beim 6:1, 6:2 im Viertelfinale gegen die bedauernswerte Amerikanerin Madison Keys. Was die nun wieder beste deutsche Tennisspielerin auf ihre Moral auf dem Platz bezog, gilt jedoch gleichermaßen für die Weichenstellung ihrer Karriere.

2016 erlebte Kerber ihre persönlichen Sternstunden mit dem ersten Grand-Slam-Titel in Australien, dem Triumph bei den US Open, dem Finale in Wimbledon und bei Olympia sowie dem Sturm auf Platz eins der Weltrangliste. 2017 quälte sich Kerber verkrampft und gelähmt durch das Jahr und war der Erwartungshaltung, die Nummer eins und das nationale Gesicht ihrer Sportart zu sein, immer weniger gewachsen.

»Ich glaube, der Druck, den ich mir am meisten gemacht habe, war das, was mir im Weg stand«, sagte Kerber vor ihrem Halbfinale gegen die Weltranglisten-Erste Simona Halep am Donnerstag (6.00 Uhr MEZ/Eurosport).

Schon jetzt steht fest, dass Kerber am kommenden Montag wieder in den Top Ten geführt wird. »Das habe ich eben gerade gehört, das freut mich natürlich«, sagte Kerber und fügte glaubhaft an: »Aber damit beschäftige ich mich im Moment ehrlich gesagt nicht.«



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