05. Juni 2017, 21:55 Uhr

Fußball

Ziemlich viele Fragezeichen Es kracht auf Schalke Podolski verabschiedet sich von Galatasaray Besorgt über Entwicklung in Katar

Das Abenteuer beginnt für die »Light-Version« des Weltmeisters. Auf nur 150 Länderspiele kommt Joachim Löws Perspektivteam für den Confed Cup. In Dänemark startet die Vorbereitung – ohne den erkrankten Torjäger Werner, aber mit heißen Neulingen.
05. Juni 2017, 21:55 Uhr
Bundestrainer Joachim Löw (M.) hat den »Weltmeister light« um sich geschart. (Foto: dpa)

Joachim Löw rutschte im zweiten Stock des Brøndby Stadions nachdenklich auf seinem Stuhl herum und spielte nach langer Bedenkzeit dann doch den Geheimnisvollen. Aufstellung? Kapitän? Führungskräfte? Nein, der Bundestrainer wollte vor dem kniffligen »Kaltstart« seines unerfahrenen Perspektivteams gegen Dänemark am heutigen Dienstagabend (20.45 Uhr/live ZDF) in Kopenhagen keine Namen preisgeben. »Sonst werden Sie mir das um die Ohren hauen, wenn es anders kommt«, sagte Löw bei seiner Pressekonferenz schmunzelnd zu den Reportern.

Löw ist ja selbst gespannt, wie sich die Fußball-Nationalmannschaft ohne ihr Gerüst aus etablierten Führungskräften wie Toni Kroos oder Mats Hummels im ersten Probelauf für den Confederations Cup in Russland präsentieren wird. »Das Spiel wird eine Überraschung für uns. Wir haben nur eine Trainingseinheit«, erläuterte Löw. Auch die Spieler sind gespannt. »Es ist ein schwieriges Match. Es ist für mich das erste Mal mit nur einem Tag Vorbereitung«, erklärte Weltmeister Shkodran Mustafi, einer der möglichen deutschen Kapitäns-Anwärter.

Aus dem Kurzurlaub direkt in den Wettkampf lautet die Aufgabe, die es möglichst gut zu lösen gilt. Mit dem ungewöhnlichsten Turnierkader seiner Amtszeit flog Löw am Montag aus Düsseldorf nach Kopenhagen. An Bord fehlte der erkrankte Leipziger Timo Werner, der aber im Laufe der Woche zum aktuell nur 21-köpfigen DFB-Kader stoßen soll.

»Die erste Woche nehmen wir als Vorbereitung auf den Confed Cup und um uns kennenzulernen«, sagte Löw vor dem Start in ungewisse vier Wochen mit bis zu sieben Länderspielen. »Das Spiel in Dänemark ist eine Standortbestimmung, wo stehen die Spieler nach zwei Wochen Pause.« Bevor es nach Russland geht, folgt am Samstag noch ein WM-Qualifikationsspiel in Nürnberg. »Gegen San Marino werden wir gewinnen«, sagte Löw – auch mit einem uneingespielten Team. Der freiwillige Verzicht auf die Topspieler ist ein kalkuliertes Risiko.

Im sonnigen Kopenhagen warb der dänische Verband am Montag auf Plakaten noch mit Weltmeister Mesut Özil um Zuschauer für das Jubiläumsspiel 25 Jahre nach dem EM-Titelgewinn gegen den damaligen Finalgegner Deutschland. Zu sehen bekommen die dänischen Fans bei der Neuauflage aber höchstens einen »Weltmeister light«. Julian Draxler (Paris St. Germain), Matthias Ginter (Borussia Dortmund) und Mustafi (FC Arsenal) sind die einzigen Titelgewinner von Rio 2014, die im Aufgebot stehen.

Die Spieler hatten für die Zeit seit dem Bundesliga-Ende persönliche Trainingspläne erhalten. Beim Aufgalopp gegen Dänemark wird Löw viel improvisieren müssen, eine völlig neuformierte Elf wird auf dem Platz stehen. »In dieser Phase, beim Confed Cup, steht eindeutig die Entwicklung im Vordergrund, nicht einzig und allein erfolgreiches Handeln«, sagte Löw zu seinem spannenden Sommer-Experiment.

Der eine beklagt mangelnde Rückendeckung des Vereins, der andere beleidigt sogar den Trainer: Die Edelreservisten Max Meyer und Jewgen Konopljanka haben die ohnehin trügerische Sommerruhe bei Schalke 04 empfindlich gestört. Die Offensivspieler – 2017 jeweils ohne Bundesliga-Tor geblieben – wollen durch ihre medialen Vorstöße offenbar ihre Abschiede forcieren. Zunächst einmal müssen sie sich aber auf Ärger mit ihrem Verein einstellen.

Allen voran der ukrainische Nationalspieler Konopljanka, der Trainer Markus Weinzierl in ungewöhnlicher Schärfe attackierte. »Er ist ein Feigling! Und ich sage es ganz ehrlich: Er bleibt nicht länger Trainer dieser Mannschaft. Ansonsten steigt Schalke in die 2. Liga ab«, sagte der 27-Jährige in einem Interview mit »Football Hub«, dem Internetprojekt der ukrainischen Sendergruppe »1+1«.

Weinzierl hatte Konopljanka mitgeteilt, dass er nicht mehr mit ihm plane. »Er sagte mir, ich solle mir besser einen anderen Verein suchen, und ich sagte zu ihm: »Glauben Sie, Sie bleiben länger in dem Verein als ich?« Wenn man jemanden loswerden will, der gerade erst für 15 Millionen Euro geholt wurde, braucht es mehr Erklärungen. Man muss sich verstehen und einig werden. Das Gespräch mit ihm hat nur eine Minute gedauert.«

Schalke-Manager Christian Heidel kommentierte die Aussagen zunächst abwartend. »Vorher muss ich mir das ganze Interview anschauen und vor allem mit Kono reden«, sagte Heidel dem Internetportal »Derwesten.de«. Der Trainer habe ihm erklärt, »dass er mit seinen Defensivleistungen nicht einverstanden ist«.

Konopljanka, der bei der EM 2016 noch mit einer starken Leistung im Gruppenspiel gegen Deutschland (0:2) auf sich aufmerksam gemacht hatte, war von Schalke vor der letzten Saison ausgeliehen und per Option in diesem Sommer gekauft worden. Dass der Ukrainer direkt weiterveräußert wird, war aufgrund der enttäuschenden Saison schon vor seiner öffentlichen Attacke wahrscheinlich. Angeblich gibt es einige Interessenten aus dem Ausland.

Dasselbe gilt auch für Max Meyer. Das Schalker Eigengewächs hat sich nun auch auf dem Markt positioniert und einen Abschied spätestens nach Ablauf seines Vertrages im Sommer 2018 angedeutet. »Ich habe ein Angebot zur Verlängerung bekommen, aber mit meinem Management entschieden, es nicht anzunehmen«, sagte Meyer im EM-Trainingslager der deutschen U21-Nationalmannschaft in Grassau der »Bild«.

Bei Sky Sport News HD sagte Meyer, es habe ihn gestört, dass manche Dinge »nicht richtiggestellt wurden. Dadurch wurde ich in eine Ecke gedrängt«. Er bezog sich darauf, dass öffentlich verlautet sei, der Verein wolle nicht verlängern, obwohl er ein Angebot gehabt habe.

Wollen die Schalker noch eine Ablösesumme für den 21-Jährigen erhalten, müssten sie ihn verkaufen. Die Gelsenkirchener mussten im Vorjahr Joel Matip ablösefrei ziehen lassen, in diesem Jahr Sead Kolasinac und drohen 2018 auch Mittelfeldspieler Leon Goretzka ohne Entschädigung zu verlieren.

Meyer zeigte sich für alles offen. Ob er in diesem oder im nächsten Sommer gehe, »das ist die Frage«, sagte er: »Klar ist, dass ich nächste Saison besser zur Geltung kommen muss.« Einen Wechsel zum Ligarivalen VfL Wolfsburg schloss Meyer dagegen aus: »Das ist keine Option für mich.«

Heidel gibt die Hoffnung auf einen Verbleib des Eigengewächses offenbar nicht auf. Er sagte zu Sky Sport News HD, man habe Meyer »ein sehr, sehr gutes Angebot« gemacht. Das sei ohne Angaben von Gründen »zunächst« abgelehnt worden: »Gespräche zu einem späteren Zeitpunkt sind möglich.«

Nach dem Abpfiff ging Lukas Podolski direkt in die Kurve, machte Selfies mit den Galatasaray-Fans und ließ sich ein letztes Mal ausgiebig feiern. Der Abschied aus Istanbul wurde für den künftigen Japan-Profi zu einer letzten Liebesbekundung am Bosporus. »Die Mentalität hier hat einfach gepasst, die Chemie hat gepasst. Ich habe mich wohlgefühlt«, sagte Podolski über seine Zeit in der Türkei.

Der ewige Kölner setzt seinen Karriereherbst in Japan fort und bekam am Sonntag schon nette Grüße zum 32. Geburtstag von seinem künftigen Club Vissel Kobe. Podolski ist in mancher Hinsicht ein Global Player. Zum Austausch von Online-Nettigkeiten zum Wiegenfest kommunizierte er auch mit Vinicius Junior. Brasiliens Supertalent von Flamengo Rio de Janeiro ist gerade einmal halb so alt wie Poldi – und auf dem Sprung zu Real Madrid. »Viel Glück in Deiner Karriere!«, schrieb Podolski bei Twitter.

Die Wertschätzung beruht offenbar auf Gegenseitigkeit. So wie zwischen den Galatasaray-Fans und Podolski. Seine Volksnähe kam richtig gut an. Auch wenn er diese primär via soziale Medien zelebrierte. Ob Fotos mit Anglern in Istanbul, Seitenhiebe gegen Fenerbahce oder Anspielungen auf die türkische Kultur – er bewies ein Gespür dafür, was gut ankommt. »Danke Lukas, wir werden dich nicht vergessen«, schrieb ein Fan unter ein Twitter-Foto, das Podolski mit seinem Sohn im leeren Galatasaray-Stadion zeigt.

Der Weltmeister wurde nach seinem Wechsel zu Galatasaray im Sommer 2015 auf Anhieb Leistungsträger. Er kam insgesamt auf 34 Treffer und 17 Vorlagen in 75 Pflichtspielen. Im vergangenen Sommer erzielte er im Pokalfinale gegen den Erzrivalen Fenerbahce den Siegtreffer, außerdem konnte er mit den Gelb-Roten zweimal den türkischen Supercup gewinnen.

DFB-Präsident Reinhard Grindel ist besorgt über die jüngste Entwicklung im WM-Gastgeberland Katar und schließt einen Boykott des Turniers 2022 in dem Emirat nicht mehr kategorisch aus. »Es sind noch fünf Jahre bis zum Anpfiff der WM. In dieser Zeit müssen politische Lösungen vor Boykott-Androhungen den Vorrang haben. Aber eines steht unabhängig davon fest: Grundsätzlich sollte sich die Fußballgemeinschaft weltweit darauf verständigen, dass große Turniere nicht in Ländern gespielt werden können, die aktiv den Terror unterstützen«, sagte Grindel am Montag in einem auf der Homepage des Deutschen Fußball-Bundes veröffentlichten Interview. Der DFB-Chef, der auch im Council des Fußball-Weltverbandes FIFA sitzt, reagierte damit auf die diplomatische Krise in der Golfregion. Katars Nachbarländer Saudi-Arabien, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate brachen am Montag wie auch Ägypten die Beziehungen ab und schlossen die Grenzen. Die Länder werfen Katar vor, Terrororganisationen wie den Islamischen Staat (IS) zu unterstützen. Sie forderten Bürger des Emirats auf, in spätestens 14 Tagen auszureisen, wie der mit saudi-arabischen Geldern finanzierte TV-Kanal Al-Arabija meldete.

Grindel kündigte an, Kontakt mit der Bundesregierung aufnehmen zu wollen. »Die aktuellen, schwerwiegenden Vorwürfe nehmen wir sehr aufmerksam und besorgt zur Kenntnis«, sagte er. Zudem berichtete der international ranghöchste deutsche Fußball-Funktionär von einer gescheiterten Reise nach Katar im Mai. »Ich hätte mir übrigens auch gerne ein persönliches Bild über die Situation vor Ort und auf den Baustellen gemacht und einige kritische Fragen gestellt, aber ein geplanter Besuch direkt im Anschluss an den FIFA-Kongress in Bahrain wurde leider kurzfristig von den Kataris abgesagt«, sagte Grindel, der der FIFA-Kommission für Good Governance angehört.

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