02. Juli 2018, 22:29 Uhr

Weiter mit Löw und Flick?

Es dringen zwar keine konkreten Informationen aus dem Deutschen Fußball-Bund ins Land, aber es verdichten sich Spekulationen, dass Joachim Löw trotz des enttäuschenden Abschneidens bei der Weltmeisterschaft seinen Job nicht quittieren wird.
02. Juli 2018, 22:29 Uhr
Ob Bundestrainer Joachim Löw seine Reise mit der deutschen Nationalmannschaft fortsetzt, ist noch offen. (Foto: dpa)

Allgemein darf wohl erwartet werden, dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und der Bundestrainer aus ihrer vielfach misslungenen Kommunikationspolitik vor und während der Weltmeisterschaft in Russland zumindest gelernt haben, die vertraglich ohnehin fixierte Fortsetzung der Zusammenarbeit nicht bloß als Pressemitteilung zu vermelden. Sondern sich diesmal der Öffentlichkeit zu stellen und zu erklären, welche Fehlerkette letztlich aus ihrer Sicht dazu geführt hat, dass Weltmeister Deutschland in drei Spielen nicht mehr WM-Tore erzielte als Panama oder Costa Rica, nämlich zwei; und zudem zu erläutern, an welchen Stellschrauben gedreht werden soll, um die Nationalmannschaft wieder zukunftsfähig aufzustellen.

Löw, so hört man, habe es durchaus positiv registriert, dass das DFB-Präsidium ihm offenbar als eine Art echten Herzenswunsch der meisten Beteiligten Rückendeckung gibt und auf eine weitere Zusammenarbeit geradezu drängt. Eine Telefonkonferenz hat darüber Einigkeit erzielt, auch Manager Oliver Bierhoff stützt den Bundestrainer, hatte aber auch kritischen Gesprächsbedarf, der offenbar bereits in Teilen befriedigt worden ist. Auch die öffentliche und veröffentlichte Meinung hat Löw bestärkt, seine ursprünglich seriös gehegten Rücktrittsabsichten zu überdenken.

Möglich, dass der Überlegungsprozess noch nicht ganz abgeschlossen ist. Das ist üblich bei Löw, wird in diesen unruhigen Tagen aber von mehr Druck begleitet. Der DFB erwartet eine Entscheidung noch in dieser Woche. Löw – beileibe kein Freund der Funktionäre, deren regelmäßige Besuche er auch bei dieser WM keinesfalls goutierte – muss sich dem beugen. Seine Machtfülle ist geschrumpft.

In der Analyse gibt es interessante Aspekte, etwa jenen, dass der Abschied von Assistent Hansi Flick nach der WM 2014 als Klebstoff zwischen Bundestrainer, Spielern und dem sogenannten »Team hinter dem Team« eine viel größere Lücke gerissen hat, als alle Beteiligten das bisher zugeben mochten. Flick wirkte offenbar an vielen kleinen Feuerstellen als Korrektiv.

So unsicher der derzeit arbeitslose Ex-Co-Trainer bei öffentlichen Auftritten wirkte, so konkret und meinungsstark nahm er Einfluss auf interne Abläufe – etwa auch auf eine fließende Kommunikation zwischen Fitnesstrainern und Chefcoach.

Dass das WM-Aus auch teilweise nachlässiger Trainingssteuerung und daraus resultierender fehlender Fitness geschuldet sein dürfte, ist Konsens unter den Athletiktrainern, deren wissenschaftlich fundierte Vorgaben mehrfach aus dem Bauch heraus kassiert wurden. Könnte es also eine Rückkehr von Hansi Flick in den Kreis der Nationalmannschaft geben, womöglich auch, um neben der Rolle als Ratgeber von Löw auch Manager und Elitedirektor Oliver Bierhoff zu entlasten? Ausgeschlossen erscheint ein solches »Zurück in die Zukunft« jedenfalls derzeit nicht, nachdem Flick weder in seiner Rolle als DFB-Sportdirektor noch als Geschäftsführer Sport bei Bundesligist 1899 Hoffenheim glücklich wurde.

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