17. Dezember 2017, 20:59 Uhr

Personalien

Wagner-Wechsel zu den Bayern perfekt? Als Bayern-Held in der alten Heimat Fast, aber eben nur fast

Nur wenige Sekunden fehlten Eintracht Frankfurt zu einem siegreichen Abschluss dieses Bundesliga-Jahres. Doch die Bilanz der Hinrunde ist gut – auch wenn das Spiel gegen Schalke 2:2 statt 2:0 endete. Wieder einmal war es Naldo, der in der Nachspielzeit traf.
17. Dezember 2017, 20:59 Uhr
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Von DPA
Sven Ulreich hält den Elfmeter von Stuttgarts Chadrac Akolo (l.). (Foto: dpa)

Der Wechsel von Fußball-Nationalspieler Sandro Wagner zum FC Bayern ist Medienberichten zufolge perfekt. Die Münchner haben sich laut »Bild« und Sky mit Wagners derzeitigem Arbeitgeber 1899 Hoffenheim auf die Ablöse für den 30 Jahre alten Torjäger geeinigt. Demnach soll der deutsche Fußball-Rekordmeister sich den Transfer zwischen zwölf und 15 Millionen Euro kosten lassen. Wagner werde einen Vertrag für zweieinhalb Jahre unterschreiben, hieß es am Sonntag bei Sky.

Der FC Bayern war zuletzt auf der Suche nach einem möglichen Vertreter für Topstürmer Robert Lewandowski. Wagner hatte in der Jugend für die Bayern gespielt, seine Familie lebt in München.

Zuletzt hatte bereits Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann den nahenden Abschluss des Wechsels bestätigt. Der siebenmalige Nationalspieler Wagner war über die Stationen MSV Duisburg, Werder Bremen, 1. FC Kaiserslautern, Hertha BSC und Darmstadt 98 zuletzt in Hoffenheim gelandet. Für die Kraichgauer erzielte er in dieser Saison in elf Bundesliga-Partien vier Tore. Zuletzt fehlte Wagner allerdings verletzt. Von seinen Teamkollegen in Hoffenheim habe er sich bereits verabschiedet, berichtete die »Bild«.

Aubameyang bis 2021 beim BVB

Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund hat den Vertrag mit Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang bereits vor einiger Zeit um ein Jahr verlängert. Dies berichtet das Fachmagazin »Kicker«, nachdem BVB-Sportdirektor Michael Zorc am Sonntag beim TV-Sender Sky gesagt hatte, dass der Vertrag des Gabuners bis zum Jahr 2021 laufe.

Ursprünglich hatten sich Aubameyang und der Revierclub im Juli 2015 auf eine Verlängerung bis zum 30. Juni 2020 geeinigt. Zuvor hatte der 2013 verpflichtete Spieler eine Vertragslaufzeit bis 2018. Die erneute Vertragsverlängerung wurde von den Dortmundern allerdings nicht öffentlich bekanntgegeben.

Diesen glänzend aufgelegten Sven Ulreich muss auch Borussia Dortmund fürchten. Als Stellvertreter des verletzten Weltmeister-Torhüters Manuel Neuer ist der 29-Jährige für den FC Bayern momentan wertvoll wie nie. An alter Wirkungsstätte in Stuttgart rettete er als Elfmeter-Held in letzter Sekunde das glückliche 1:0 beim VfB. Wenn sich nun am Mittwoch alles auf den Pokal-Hit gegen den Dauerrivalen zuspitzt und das K.-o.-Duell über das Münchner Zwischenzeugnis entscheidet, will Ulreich wieder Werbung in eigener Sache betreiben. »Er ist für uns Gold wert«, schwärmte Trainer Jupp Heynckes. »Er ist immer stärker geworden.«

Seinem ehemaligen Arbeitgeber VfB Stuttgart hatte Ulreich unmittelbar vor dem Abpfiff den Hinrunden-Abschluss in der Fußball-Bundesliga verdorben. Im dramatischen Schlussakt bewahrte er die Ruhe, flog nach rechts unten – und parierte den schwach geschossenen Strafstoß von Chadrac Akolo. »Den Film kann man eigentlich nicht besser schreiben«, sagte er und wollte von Genugtuung nichts wissen. »Natürlich freut man sich, wenn man hierher kommt und zeigen kann, was man dazu gelernt hat. Es war nicht einfach die letzten Jahren hier.«

90 Minuten plus Nachspielzeit war der einstige VfB-Hoffnungsträger ausgepfiffen, beschimpft und beleidigt worden – und trotzte all dem mit seiner Last-Minute-Tat. »Nur der Fußball schreibt solche Geschichten«, meinte Niklas Süle, der den berechtigten Elfmeter nach Videobeweis mit einem Foul an Santiago Ascacibar verursacht hatte.

Von 1998 bis 2015 hat Ulreich für den VfB gespielt, war von der Jugend zum Profi aufgestiegen. Er selbst habe dann nicht auf einen Wechsel gedrängt, hatte er der »Stuttgarter Zeitung« und den »Stuttgarter Nachrichten« gesagt. Die Vereinsführung habe ihm damals signalisiert, »nicht mehr bedingungslos« auf ihn zu setzen.

»Es ist traurig oder schade, wenn man hier so empfangen wird, wenn man hier 17 Jahre die Knochen hingehalten hat«, sagte Ulreich. Er verzichtete am Samstag auf große Gesten, der späte und einzige Torschütze Thomas Müller (79. Minute) trieb ihn zum Jubeln an.

Seit Mitte September, seit dem erneuten Fußbruch von Neuer bietet sich dem Ersatzmann die unverhoffte Bühne. Bei dessen Rückkehr im kommenden Jahr rückt der Schorndorfer wieder auf die Bank. Auch negativ war zwischenzeitlich über seine Leistung debattiert worden, inzwischen hat Heynckes den Bayern-Bossen geraten, den im Sommer auslaufenden Vertrag zu verlängern. Ulreichs Zukunft ist ungewiss. »Ich muss mir Gedanken machen, was das Richtige ist. Natürlich müssen beide Seiten wollen. Für mich steht nicht fest, was ich im Sommer machen werde«, sagte er. Heynckes meinte: »Er hat Vertrauen, mein Vertrauen sowieso und die Anerkennung der Mannschaft.«

Für die Bayern läuft im Moment alles darauf hinaus, dass sie mit Heynckes und Ulreich den nächsten Meistertitel feiern. Nach der Hinserie sind die Münchner mit deutlichem Vorsprung enteilt. Nach dem neunten Sieg im zehnten Bundesliga-Spiel dieser Saison unter seiner Regie spendierte Heynckes seinen Stars einen freien Sonntag.

Die Bayern schleppen sich zum letzten Auftritt des Jahres, vor dem Pokal-Achtelfinale gegen Borussia Dortmund sollen sie wenigstens kurz ausspannen und die Köpfe frei bekommen. Auch das Prestigeduell entscheidet über die Bilanz der Rückholaktion des 72-Jährigen. »Von der Anspannung, von der Bedeutung ist es das größte Spiel in Deutschland«, sagte der frühere Dortmunder Mats Hummels.

Die Spieler von Eintracht Frankfurt hatten alles angerichtet für eine ausgelassene Weihnachtsfeier im Stadion. Bis ungefähr zehn Sekunden vor Schluss führten sie gegen den Tabellenzweiten Schalke 04 mit 2:1. Sie hatten vor dem Spiel sogar gemeinsam »Stille Nacht« gesungen und sich dabei filmen lassen, um ihren Fans gleich nach dem Spiel via Anzeigetafel ein Ständchen zu bringen. Doch dann schlug ein Stimmungskiller namens Naldo noch zu und schoss mit der letzten Aktion des Spiels das 2:2. »Das ist enttäuschend, bitter«, sagte Frankfurts Torwart Lukas Hradecky. »Aber ich kann nicht sagen, dass es unverdient ist.«

Es spricht für die Frankfurter, dass sie sich von der Enttäuschung dieses späten Gegentores nicht allzu lange herunterziehen ließen. Zum einen, weil sie bereits am Mittwochabend im DFB-Pokal beim Zweitligisten 1. FC Heidenheim das nächste wichtige Spiel haben. »Wir wollen wieder nach Berlin«, sagte Hradecky und meinte damit das schon in der vergangenen Saison erreichte Endspiel dieses Wettbewerbs.

Und dann kommt noch hinzu, dass eine erfolgreiche Frankfurter Hinrunde auch durch einen so spät verspielten Sieg gegen Schalke nicht mehr getrübt werden konnte. »Mit unseren 26 Punkten bin ich sehr zufrieden. Das haben uns viele Fachleute nicht zugetraut«, sagte Trainer Niko Kovac: »Ich bin stolz auf meine Jungs.«

Eintracht Frankfurt im Dezember 2017 – das ist in jeder Hinsicht ein prosperierender Club. Der Zuschauerschnitt übertraf in der Hinrunde zum ersten Mal die Marke von 50 000 Besuchern pro Spiel. Auch die Sponsoren-, Fanartikel- und Hospitality-Einnahmen steigen und steigen. »Es ist ein großes Geschenk, dass wir jetzt in ruhige Weihnachtstage gehen können und hier nicht schweißgebadet sitzen müssen«, sagte Vorstandsmitglied Axel Hellmann. »Der Club ist auf dem Vormarsch. Wir gehen mit viel Rückenwind in das Jahr 2018.«

In sportlicher Hinsicht gilt das genauso. »Das Fundament ist da«, sagte Hradecky. »Wir haben uns entwickelt, die Drecksack-Dinge können wir auch. Nur spielerisch sind andere noch besser. Da haben wir noch nicht das Top-Niveau anderer Mannschaften erreicht.« Genau vor einem Jahr stand die Eintracht sogar noch drei Punkte und vier Tabellenplätze besser da. In der Rückrunde folgte dann, abgesehen vom Erreichen des Pokal-Endspiels, ein massiver sportlicher Einbruch. »Ich gehe davon aus, dass wir es diesmal besser machen werden«, sagte Kovac. Einige Anzeichen sprechen auch dafür. Die Zusammensetzung des Kaders hat sich verändert. In der vergangenen Saison brach der Mannschaft aus Verletzungsgründen ein Leistungsträger nach dem anderen weg. Diesmal ist die Entwicklung gegenläufig. Diesmal kann Kovac neben dem erfolgreichen Stamm der Hinrunde bald auch wieder wichtige Rückkehrer wie Marco Fabian oder Omar Mascarell einplanen.

Angesichts dieser positiven Entwicklung gab es am Samstag auch nur eine Sache, über die sich Sportvorstand Fredi Bobic richtig aufregen konnte. Bereits nach 70 Minuten wurde im Stadion beim Stand von 2:0 eine Blitztabelle auf dem Videowürfel eingeblendet. Die führte die Eintracht in diesem Moment auf Platz drei. »Hochmut kommt vor dem Fall«, schimpfte Bobic später. »Das gehört sich nicht.« Der Stadionregie werde er auf jeden Fall noch »die Ohren langziehen«.

Wenn einer trifft, dann Naldo

Groß war die Freude erst recht auf der anderen Seite. Man stelle sich ein Spiel vor, das Woche für Woche mit einem Rückstand beginnt. Und in dem jede Mannschaft nur zehn, maximal 20 Minuten Zeit hat, um diesen Rückstand aufzuholen. In diesem Spiel hätte der FC Schalke 04 gute Chancen, endlich einmal wieder deutscher Meister zu werden.

Erst ein 4:4 nach 0:4 in Dortmund. Und jetzt ein 2:2 nach 0:2 in Frankfurt. In beiden Fällen gelang dem Brasilianer Naldo erst in der Nachspielzeit der Ausgleich. »Ich glaube, in Gelsenkirchen werden bald viele Jungen den Namen Naldo tragen«, witzelte Schalkes Kapitän Ralf Fährmann am Samstagabend in einem Radiointerview von WDR2.

Der Torschütze selbst wanderte quasi direkt nach seinem Jubellauf in die Schalker Fankurve weiter zu den Kameras des TV-Senders Sky. »Wahnsinn, oder?«, sagte Naldo noch voller Adrenalin. »Unsere Mannschaft ist einfach geil. Gegenüber der vergangenen Saison haben wir das in der Hinrunde sehr gut gemacht. Wir sind nicht nur elf Stammspieler, alle sind im Boot. Die Jungs geben einfach alles.« Schalke 04 feiert jetzt Weihnachten auf einem Champions-League-Platz und hat in der Hinrunde stolze 30 Punkte geholt. Diese Bilanz strahlt umso heller, wenn man vom Ende des Jahres 2017 noch einmal auf dessen Anfang zurückschaut. Auch am 27. Januar hieß der Gegner Eintracht Frankfurt. Nur fielen die Schalker seinerzeit auf Platz elf zurück und verloren ein völlig deprimierendes Heimspiel mit 0:1.



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