07. Mai 2017, 22:55 Uhr

Tischtennis Basketball Volleyball

Viel Lob nach gelöstem EM-Ticket Erst Ekstase, dann Enttäuschung Düsseldorfer Pleite Namhafte Gegner Berlin holt Titel

Dem Traumstart gegen die USA (2:1) ist eine Lehrstunde gegen Schweden (2:7) gefolgt. Das Eishockey-Nationalteam kann bei der Heim-WM heute dennoch mit einem positiven Gefühl in das Spiel gegen Rekordweltmeister Russland (16.15 Uhr/Sport 1) gehen.
07. Mai 2017, 22:55 Uhr
Vierfacher Torschütze für die deutsche Mannschaft beim 25:20 über Slowenien ist Philipp Weber von der HSG Wetzlar. (dpa)

Für das vorzeitig gelöste EM-Ticket bekam Handball-Bundestrainer Christian Prokop nicht nur den Applaus des Publikums. Der zweite Sieg im zweiten Pflichtspiel unter dem neuen Coach habe stark mit Prokops taktischem Geschick zu tun, lobte Kapitän Uwe Gensheimer nach dem 25:20-Erfolg in Halle/Westfalen gegen Slowenien. »Er kann uns sehr gut und detailliert einstellen«, sagte der Weltklasse-Linksaußen. »Unter Christian Prokop haben wir uns als Team schnell gefunden«, ergänzte der starke Philipp Weber von der HSG Wetzlar. Dreieinhalb Monate nach dem schmerzlichen Achtelfinal-K.-o. bei der WM in Frankreich verspricht der Neustart unter Prokop tatsächlich Großes für die Zukunft.

Mit der frühzeitigen Qualifikation für die Endrunde im Januar in Kroatien legte die DHB-Auswahl den ersten Grundstein für die erhoffte Titelverteidigung. Gegen den WM-Dritten Slowenien gerieten die Bad Boys zu keinem Zeitpunkt in ernsthafte Bedrängnis. Nach dem überragenden 32:23-Erfolg im Hinspiel fehlten Gensheimer und Co. am Samstag zwar einige Male die Konsequenz im Abschluss. In Gefahr war der verdiente Erfolgs allerdings zu keiner Zeit. Auch weil Prokop seine Mannschaft perfekt auf die Slowenen vorbereitet hatte. »Wir hatten gute Antworten für alles«, sagte Kreisläufer Patrick Wiencek.

Die warmen Worte seiner Spieler ließen den 38-jährigen Prokop aber zumindest äußerlich kalt. Zwar gab er das Lob verhalten zurück und sprach von einer »sehr konzentrierten, aber auch sympathischen Stimmung unter den Jungs« vom ersten Lehrgangstag an. Dann aber redete der Bundesligacoach des SC DHfK Leipzig wieder lieber über das, über das er ohnehin am liebsten redet: über Taktik.

Genau damit scheint Prokop seine Mannschaft bisher aber auch am meisten überzeugt zu haben. Er habe das Team »sehr akribisch auf die Slowenen vorbereitet«, sagte Weber. Vor allem die Abwehr überragte in beiden Spielen, sie war auch unter Prokops Vorgänger Dagur Sigurdsson der Grundstein für den Erfolg. Auch mental hat er die DHB-Auswahl nach dem unerwarteten WM-Schock und dem Sigurdsson-Abschied gestärkt. Selbst kleinere Schwächephasen im Rückspiel gegen Slowenien überstanden die DHB-Spieler ohne Probleme. »Wir hätten jederzeit wieder explodieren können. Da ist die Klasse einfach da«, sagte Abwehrchef Finn Lemke.

Natürlich hatte der Auftakt-Erfolg am Freitag gegen die Vereinigten Staaten (mit 19 NHL-Profis im Kader) die Erwartungen noch einmal erhöht und Euphorie bei Mannschaft und Fans erzeugt. Der Sieg hatte aufgezeigt, was möglich ist, wenn über 60 Minuten alles, aber auch wirklich alles, zusammenkommt. Wille, Herz, eine überragende Torwartleistung und das entsprechende Quäntchen Glück. Dann, und nur dann, kann Deutschland, der Weltrangliste-Zehnte, eine der Topnationen schlagen.

Doch wiederholen sich solche Abende natürlich nicht beliebig. Zwischen Ekstase und Enttäuschung in der Kölner Lanxess-Arena lagen deshalb exakt 24 Stunden. »Wir haben die Leistung auf diesem Level eben nicht zweimal in zwei Tagen abrufen können. Da muss man aber auch mal die Kirche im Dorf lassen: Dennoch: Wir bleiben positiv. Wir stehen drei Punkte besser da als wir das zum jetzigen Zeitpunkt erwartet hätten«, sagt Marco Sturm nach dem ernüchternden Schweden-Spiel vor 18 673 Zuschauern. Der Bundestrainer muss sich jetzt mit einem drohenden Turnier-Aus von Kapitän Christian Ehrhoff (verletzungsbedingt noch ohne Einsatz/»Wir können nicht ewig warten, dass Christian zurückkehrt«, sagt Sturm) beschäftigen und darf auf Verstärkung aus der NHL hoffen, bevor nach den drei Eishockey-Schwergewichten ab Mittwoch die unmittelbaren Mitkonkurrenten im Kampf um die Viertelfinal-Tickets warten.

Zweimal hatte die deutsche Mannschaft am Samstag gegen Schweden durch Patrick Hager (17.) und Philip Gogulla (26.) einen Rückstand wettgemacht, dann kam das Gegentor zum 2:4-Rückstand nur drei Sekunden vor Ablauf des zweiten Abschnitts einer Vorentscheidung gleich. Deutschland wartet somit seit 1992 auf einen Sieg gegen die Tre Kroner. Am Ende ist die Niederlage sicherlich zu hoch ausgefallen, wenngleich den Gastgebern die Strapazen vom Vorabend körperlich wie mental, anzumerken waren. »Ja, vielleicht hat ein bisschen die Kraft gefehlt. Drei Punkte aus zwei Spielen sind aber okay. Wir haben den Schweden mit eigenen, leichten Fehlern zu Toren verholfen. Ich denke, das lässt sich abstellen«, sagt Dennis Seidenberg, der die Mannschaft als Kapitän auf das Eis führt und angesichts von aktuell nur sechs Verteidigern im Kader annähernd 25 Minuten Eiszeit erhält; so viel wie kaum ein anderer Spieler im Turnier. Der 35-Jährige ist der Stabilisator in der Defensive, deren Defizite von den Topnationen zweimal schonungslos aufgedeckt worden waren.

Die Schlagzeilen am Wochenende gehörten deshalb Thomas Greiss, dem Torhüter, der 2006 nach Nordamerika gewechselt war und im vergangenen Dezember für seine Geduld und Beharrlichkeit belohnt wurde. Der gebürtige Füssener ist zum NHL-Stammkeeper aufgestiegen, wird angesichts seiner Leistungen in den sozialen Netzwerken als »Jesus Greiss« tituliert. 82 Schüsse – und damit mehr als jeder andere im Turnier – hatte der Torwart in den fast 112 Wochenend-Minuten bis zur seiner Auswechslung zu halten; die Schüsse, die sein Tor knapp verfehlten nicht einmal eingerechnet. Torgefahr im Minutentakt. »Thomas hat uns gegen Schweden erneut im Spiel gehalten. Es lag nicht an ihm, sondern an den fünf Leuten vor ihm«, sagt Trainer Sturm, der seinen Schlussmann nach drei Gegentreffern binnen 2:17 Minuten im letzten Abschnitt aber erlöste (52. ). Der Verkehr, den US-Amerikaner im Schlussdrittel und die Schweden in den ersten 20 Minuten vor seinem Tor veranstaltet hatten, glich der Rush-Hour in New York, wo der 31-jährige Greiss bei den Islanders unter Vertrag steht. Er selbst zeigt sich von dem Trubel um ihn herum auf und abseits des Eises völlig unbedruckt. Er habe einfach versucht, seine beste Leistung zu zeigen, gab er als »Man of the Match« am Freitag sachlich-nüchtern zu Protokoll, bezeichnete die Niederlage gegen Schweden ebenso unaufgeregt als »zu hoch« und hatte für das heutige Spiel gegen Russland ein denkbar simples Vorhaben. »Wir dürfen nicht so viele Tore zulassen.«

Tischtennis-Star Timo Boll und sein Verein Borussia Düsseldorf haben schon nach dem ersten von zwei Endspielen kaum noch eine Chance auf ihren fünften Champions-League-Erfolg. Der deutsche Meister verlor das Final-Hinspiel gegen den russischen Club Fakel Orenburg und seine deutsche Nummer eins Dimitrij Ovtcharov am Sonntag in eigener Halle mit 0:3. Die zweite Partie findet am kommenden Freitag in Russland statt. »Jetzt wird es ganz, ganz schwer für uns. Wir hatten uns alle mehr erhofft«, sagte Boll, der um Auftakt ein hochklassiges Spiel gegen Ovtcharov mit 2:3 Sätzen verlor.

Die deutsche Basketball-Nationalmannschaft trifft in der ersten Phase der Qualifikation für die WM 2019 in China auf den Olympia-Zweiten Serbien, Georgien und einen Qualifikanten. Das ergab die Auslosung am Sonntag in Guangzhou. Serbien sei »natürlich ein sehr namhafter und attraktiver Gegner für Deutschland. Georgien hat ebenfalls viele gute Spieler«, sagte der aktuelle Bundestrainer Chris Fleming. Er wird nach der EM als Coach der Nationalmannschaft aufhören, der bisherige A2-Coach Henrik Rödl gilt als wahrscheinlichster Nachfolger.

Die überragenden Comeback-Qualitäten haben den Berlin Volleys zum deutschen Meistertitel Nummer acht verholfen. Der Titelverteidiger, der in der Champions League in dieser Saison mehrere schon verloren geglaubte Spiele gedreht hatte, gewann am Sonntag das dritte und entscheidende Playoff-Finalspiel beim VfB Friedrichshafen mit 3:1 (25:21, 25:27, 25:20, 25:23). »Wir sind so erleichtert. Wir haben es fünfmal nicht geschafft gegen Friedrichshafen. Dann haben wir zweimal gesiegt. Wahnsinn, was das für eine mentale Leistung ist«, erklärte Felix Fischer unter Tränen. Für Berlins Mittelblocker war es das letzte Spiel seiner Volleyball-Karriere.

Das Team des italienischen Trainers Roberto Serniotti, dessen Vertrag in Berlin ausläuft und der wahrscheinlich in die polnische Liga wechselt, hatte in der Best-of-three-Finalserie schon zurückgelegen und in dieser Saison bereits fünf Pflichtspiele gegen den VfB verloren. Doch dann schlug der Hauptstadtclub mit zwei Siegen zurück. Im Vorjahr hatte Berlin das Triple geholt, eine Saison ohne Titel hätte einen kleinen Makel gehabt. Berlins Kapitän Robert Kromm war mit 20 Punkten der beste Mann im dritten Spiel.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Christian Ehrhoff
  • Christian Prokop
  • Dennis Seidenberg
  • Dimitrij Ovtcharov
  • Emotion und Gefühl
  • HSG D/M Wetzlar
  • Henrik Rödl
  • Kapitäne
  • Marco Sturm
  • Philipp Weber
  • SC DHfK Leipzig
  • Timo Boll
  • Uwe Gensheimer
  • VfB Friedrichshafen
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen